(Kiel) Der Inha­ber eines Hand­werks­be­triebs kann kei­ne Rück­stel­lung für sei­ne künf­tig zu erwar­ten­den Zusatz­be­trä­ge zur Hand­werks­kam­mer bil­den.

Wie der Bun­des­fi­nanz­hof ent­schie­den hat, gilt dies auch dann, wenn die­se in der Ver­gan­gen­heit jeweils nach dem Gewer­be­er­trag bereits abge­lau­fe­ner Wirt­schafts­jah­re berech­net wor­den sind und eine über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit dafür besteht, dass die Zusatz­bei­trä­ge auch künf­tig in der gel­tend gemach­ten Höhe ent­ste­hen und er hier­für in Anspruch genom­men wer­den wird.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 21.06.2017 zu sei­nem Urteil vom 5. April 2017 — X R 3015.

Im Streit­fall war der Klä­ger Mit­glied einer Hand­werks­kam­mer, einer Kör­per­schaft des öffent­li­chen Rechts, die nach ihrer Bei­trags­ord­nung einen Grund- und einen Zusatz­bei­trag erhebt. Bemes­sungs­grund­la­ge des Zusatz­bei­trags war in der Ver­gan­gen­heit jeweils der Gewer­be­er­trag des drei Jah­re vor dem Bei­trags­jahr lie­gen­den Steu­er­jah­res. In der Bilanz zum 31. Dezem­ber 2009 pas­si­vier­te der Klä­ger sei­ne zu erwar­ten­den Zusatz­bei­trä­ge für die Jah­re 2010, 2011 und 2012 auf­grund sei­ner Gewer­be­er­trä­ge der Jah­re 2007, 2008 und 2009 unter „sons­ti­ge Rück­stel­lun­gen“.

Nach einer Betriebs­prü­fung erkann­te das Finanz­amt (FA) die Rück­stel­lung nicht an. Die Zusatz­bei­trä­ge sei­en erst im jewei­li­gen Bei­trags­jahr wirt­schaft­lich ver­ur­sacht. Anders als das Finanz­ge­richt gab der BFH dem FA Recht.

Rück­stel­lun­gen für unge­wis­se Ver­bind­lich­kei­ten set­zen ent­we­der das Bestehen einer ihrer Höhe nach unge­wis­sen Ver­bind­lich­keit oder die hin­rei­chen­de oder über­wie­gen­de Wahr­schein­lich­keit des Ent­ste­hens einer Ver­bind­lich­keit dem Grun­de nach vor­aus. Der Steu­er­pflich­ti­ge muss ernst­haft mit sei­ner Inan­spruch­nah­me rech­nen. Besteht die Ver­bind­lich­keit recht­lich noch nicht, ist ein wirt­schaft­li­cher Bezug zum Zeit­raum vor dem jewei­li­gen Bilanz­stich­tag erfor­der­lich.

Rück­stel­lun­gen für Ver­pflich­tun­gen aus öffent­li­chem Recht kön­nen nur dann gebil­det wer­den, wenn die Ver­pflich­tung bereits kon­kre­ti­siert, d.h. inhalt­lich hin­rei­chend bestimmt, in zeit­li­cher Nähe zum Bilanz­stich­tag zu erfül­len sowie sank­ti­ons­be­wehrt sind (stän­di­ge Recht­spre­chung; vgl. z.B. Urteil vom 9. Novem­ber 2016 I R 4315, BFHE 256, 270, BSt­Bl II 2017, 379). Der recht­li­che und wirt­schaft­li­che Bezugs­punkt der Ver­pflich­tung muss in der Ver­gan­gen­heit lie­gen; die Ver­bind­lich­keit muss nicht nur an Ver­gan­ge­nes anknüp­fen, son­dern auch Ver­gan­ge­nes abgel­ten.

Im Streit­fall dür­fe kei­ne Rück­stel­lung für unge­wis­se Ver­bind­lich­kei­ten gebil­det wer­den. Zum Bilanz­stich­tag 2009 sei­en die Bei­trags­pflich­ten des Klä­gers für die Jah­re 2010, 2011 und 2012 recht­lich noch nicht ent­stan­den. Weder sei­en sie durch Ver­wal­tungs­akt fest­ge­setzt wor­den noch sei­en die Merk­ma­le des gesetz­li­chen Tat­be­stands erfüllt. Die Bei­trags­pflicht sei zudem zwin­gend an die Kam­mer­zu­ge­hö­rig­keit im Bei­trags­jahr geknüpft. Gebe der Klä­ger sei­nen Hand­werks­be­trieb auf, ent­fal­le die­se und er schul­de weder den Grund- noch den Zusatz­bei­trag.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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