Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 22 vom 02. Mai 2018

Kei­ne Gemein­nüt­zig­keit eines im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt aus­drück­lich erwähn­ten (isla­mi­schen) Ver­eins

Urteil vom 14.3.2018 V R 3616

Ein (isla­mi­scher) Ver­ein, der im Ver­fas­sungs­schutz­be­richt des Bundes/eines Bun­des­lan­des aus­drück­lich als extre­mis­tisch bezeich­net wird, ist nicht gemein­nüt­zig.

Nach dem Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 14. März 2018 V R 3616 wird bei aus­drück­li­cher Erwäh­nung des Ver­eins in einem Ver­fas­sungs­schutz­be­richt wider­leg­bar davon aus­ge­gan­gen, dass die­ser extre­mis­ti­sche Bestre­bun­gen för­dert und dem Gedan­ken der Völ­ker­ver­stän­di­gung zuwi­der­han­delt (§ 51 Abs. 3 Satz 2 der Abga­ben­ord­nung). Die­se Ver­mu­tung ist erst dann wider­legt, wenn der vol­le Beweis des Gegen­teils erbracht wird. Die dafür erfor­der­li­che Wür­di­gung obliegt in ers­ter Linie dem Finanz­ge­richt (FG).

Im Streit­fall bil­lig­te der BFH die Wür­di­gung des FG, da es sich mit allen Ein­wen­dun­gen des Klä­gers sorg­fäl­tig aus­ein­an­der­ge­setzt und die­se für nicht durch­grei­fend erach­tet hat­te. Der Klä­ger habe nicht ent­kräf­ten kön­nen, dass z.B. Äuße­run­gen sei­ner Pre­di­ger und Ima­me (Todes­stra­fe wegen Abkehr vom Islam und bei Ehe­bruch, kör­per­li­che Miss­hand­lung Min­der­jäh­ri­ger zur Durch­set­zung der Gebets­pflicht etc.) ein extre­mis­ti­sches, grund­ge­setz­feind­li­ches Gedan­ken­gut offen­bart hät­ten.

Der BFH ent­schied wei­ter, dass die Leis­tun­gen des Klä­gers für das Gemein­wohl (v.a. Inte­gra­ti­on von Zuwan­de­rern) nicht im Wege einer “Gesamt­schau” gegen Anhalts­punk­te für eine ver­fas­sungs­feind­li­che tat­säch­li­che Geschäfts­füh­rung abzu­wä­gen sind.

sie­he auch: Urteil des V. Senats vom 14.3.2018 — V R 3616 -