(Kiel) Der IX. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat ent­schie­den, dass ein bestands­kräf­ti­ger Steu­er­be­scheid nicht mehr vom Finanz­amt (FA) nach § 129 der Abga­ben­ord­nung (AO) berich­tigt wer­den kann, wenn die feh­ler­haf­te Fest­set­zung eines vom Steu­er­pflich­ti­gen ord­nungs­ge­mäß erklär­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­winns i.S. des § 17 EStG trotz eines vom FA prak­ti­zier­ten “6 Augen-Prin­zips” nicht auf einem blo­ßen “mecha­ni­schen Ver­se­hen” beruht.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Pres­se­mit­te­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 6.02.2020 zu sei­nem Urteil vom 10.12.2019 (IX R 23/18).

Der Klä­ger hat­te in sei­ner elek­tro­nisch ein­ge­reich­ten Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung einen Gewinn aus der Ver­äu­ße­rung eines GmbH-Gesell­schafts­an­teils im Sin­ne des § 17 EStG zutref­fend erklärt und alle hier­für maß­geb­li­chen Unter­la­gen beim Finanz­amt ein­ge­reicht. Der Ver­an­la­gungs­sach­be­ar­bei­ter des FA prüf­te den erklär­ten Gewinn und behan­del­te die Ver­an­la­gung ent­spre­chend ein­schlä­gi­ger Arbeits­an­wei­sun­gen unter ande­rem als “Inten­siv-Prü­fungs­fall”, wel­che nicht nur der Zeich­nung durch den Vor­ge­setz­ten, son­dern auch der Prü­fung durch die “Qua­li­täts­si­che­rungs­stel­le” unter­liegt. Nach einem “Abbruch­hin­weis” im maschi­nel­len Ver­an­la­gungs­ver­fah­ren wur­de bei der wei­te­ren Bear­bei­tung der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung des Klä­gers ein fal­scher Wert durch einen Mit­ar­bei­ter des FA ein­ge­tra­gen, der im Ergeb­nis zu einer zu hohen Steu­er­erstat­tung für den Klä­ger führ­te.

Weder im Rah­men der Ver­an­la­gung, noch bei der Prü­fung durch die Qua­li­täts­si­che­rungs­stel­le noch bei der Zeich­nung auf Sach­ge­biets­lei­ter­ebe­ne („6‑Au­gen-Prin­zip“) fiel der feh­ler­haf­te Ein­trag auf. Erst im Zuge einer spä­te­ren Außen­prü­fung wur­de der Feh­ler bei der Fest­set­zung erkannt und der Ein­kom­men­steu­er­be­scheid nach § 129 Satz 1 AO berich­tigt. Das FG ver­trat die Auf­fas­sung, dass das FA zur Berich­ti­gung des feh­ler­haf­ten Ein­kom­men­steu­er­be­schei­des berech­tigt gewe­sen sei. Der BFH folg­te dem nicht und gab dem Steu­er­pflich­ti­gen Recht.

§ 129 Satz 1 AO erlaubt nur die Berich­ti­gung von Schreib­feh­lern, Rechen­feh­lern und ähn­li­chen offen­ba­ren Unrich­tig­kei­ten (sog. mecha­ni­sche Ver­se­hen), die beim Erlass eines Ver­wal­tungs­akts unter­lau­fen sind. § 129 AO ist dage­gen nicht anwend­bar, wenn dem Sach­be­ar­bei­ter des FA ein Tat­sa­chen- oder Rechts­irr­tum unter­lau­fen ist oder er den Sach­ver­halt man­gel­haft auf­ge­klärt hat. Der vor­lie­gen­de Steu­er­fall ist von zumin­dest zwei Mit­ar­bei­tern des FA auch inhalt­lich geprüft und bear­bei­tet wor­den. Das schließt das Vor­lie­gen eines bloß mecha­ni­schen Ver­se­hens und damit die Anwen­dung der Berich­ti­gungs­norm des § 129 AO aus.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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