Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 32 vom 13. Juni 2018

Kei­ne begüns­tig­te Hand­wer­ker­leis­tung bei Bau­kos­ten­zu­schuss für öffent­li­che Misch­was­ser­lei­tung

Urteil vom 21.2.2018 VI R 1816

Steu­er­pflich­ti­ge sind nicht berech­tigt, bei der Neu­ver­le­gung einer öffent­li­chen Misch­was­ser­lei­tung als Teil des öffent­li­chen Sam­mel­net­zes die Steu­er­ermä­ßi­gung für Hand­wer­ker­leis­tun­gen in Anspruch zu neh­men. Dies hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 21. Febru­ar 2018 VI R 1816 zu § 35a Abs. 3 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) ent­schie­den.

Im Streit­fall wur­den die Klä­ger im Jahr 2011 an die öffent­li­che Abwas­ser­ent­sor­gungs­an­la­ge (zen­tra­le Klär­an­la­ge) ange­schlos­sen. Zuvor wur­de das Abwas­ser über eine Sicker­gru­be auf ihrem Grund­stück ent­sorgt. Für die Her­stel­lung der hier­für erfor­der­li­chen Misch­was­ser­lei­tung als Teil des öffent­li­chen Sam­mel­net­zes erhob der Abwas­ser­zweck­ver­band im Streit­jahr (2012) einen als Bau­kos­ten­zu­schuss bezeich­ne­ten Betrag in Höhe von 3.896,60 €, von dem die Klä­ger einen geschätz­ten Lohn­an­teil in Höhe von 2.338 € als Hand­wer­ker­leis­tung gel­tend mach­ten. Das Finanz­ge­richt gab die­sem Begeh­ren statt.

Dem ist der BFH ent­ge­gen­ge­tre­ten und hat die Kla­ge abge­wie­sen. Die tarif­li­che Ein­kom­men­steu­er ermä­ßigt sich nach § 35a Abs. 3 EStG um 20 % (maxi­mal 1.200 €) der Arbeits­kos­ten für bestimm­te in Anspruch genom­me­ne Hand­wer­ker­leis­tun­gen. Dies gilt nach einer frü­he­ren Ent­schei­dung des BFH auch für Hand­wer­ker­leis­tun­gen, die jen­seits der Grund­stücks­gren­ze auf öffent­li­chem Grund erbracht wer­den (Urteil vom 20. März 2014 VI R 5612, BFHE 245, 49, BSt­Bl II 2014, 882, für die Ver­bin­dung des Was­ser-Ver­tei­lungs­net­zes mit der Anla­ge des Grund­stücks­ei­gen­tü­mers). Die Hand­wer­ker­leis­tung muss dabei aber in unmit­tel­ba­rem räum­li­chen Zusam­men­hang zum Haus­halt durch­ge­führt wer­den und dem Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen die­nen.

In Abgren­zung zu sei­nem Urteil VI R 5612 hat der VI. Senat des BFH nun klar­ge­stellt, dass der von § 35a Abs. 3 Satz 1 i.V.m. Abs. 4 Satz 1 EStG vor­aus­ge­setz­te räum­lich-funk­tio­na­le Zusam­men­hang zum Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen nicht gege­ben ist, wenn für die Neu­ver­le­gung einer öffent­li­chen Misch­was­ser­lei­tung als Teil des öffent­li­chen Sam­mel­net­zes ein Bau­kos­ten­zu­schuss erho­ben wird. Denn im Unter­schied zum Haus­an­schluss kommt der Aus­bau des all­ge­mei­nen Ver­sor­gungs­net­zes nicht nur ein­zel­nen Grund­stücks­ei­gen­tü­mern, son­dern viel­mehr allen Nut­zern des Ver­sor­gungs­net­zes zugu­te. Er wird damit nicht „im Haus­halt“ erbracht. Uner­heb­lich ist, wenn der Bau­kos­ten­zu­schuss –wie im Streit­fall– beim erst­ma­li­gen Grund­stücks­an­schluss an die öffent­li­che Abwas­ser­ent­sor­gungs­an­la­ge erho­ben wird.

Ent­schei­dend ist somit allein, ob es sich um eine das öffent­li­che Sam­mel­netz betref­fen­de Maß­nah­me han­delt oder es um den eigent­li­chen Haus- oder Grund­stücks­an­schluss und damit die Ver­bin­dung des öffent­li­chen Ver­tei­lungs- oder Sam­mel­net­zes mit der Grund­stücks­an­la­ge geht.

sie­he auch: Urteil des VI. Senats vom 20.3.2014 — VI R 5612 -, Urteil des VI. Senats vom 21.2.2018 — VI R 1816 -, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 4114 vom 11.6.2014

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