Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 31 vom 22. Mai 2019

Kapi­tal­ertrag­steu­er bei dau­er­de­fi­zi­tä­rer kom­mu­na­ler Eigen­ge­sell­schaft

Urteil vom 11.12.2018 VIII R 44/15

Bei einer Gebiets­kör­per­schaft, die mehr­heit­lich an einer Ver­lust­ka­pi­tal­ge­sell­schaft betei­ligt ist, ent­steht kei­ne Kapi­tal­ertrag­steu­er für ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tun­gen (vGA), die sich aus einem begüns­tig­ten Dau­er­ver­lust­ge­schäft erge­ben, wenn sie die Dau­er­ver­lus­te wirt­schaft­lich trägt. Das Urteil des Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) vom 11. Dezem­ber 2018 VIII R 44/15 ver­mei­det für juris­ti­sche Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts Belas­tun­gen mit Kapi­tal­ertrag­steu­er aus Dau­er­ver­lust­ge­schäf­ten i. S. von § 8 Abs. 7 Satz 1 Nr. 2 des Kör­per­schaft­steu­er­ge­set­zes (KStG) und ist für die Pra­xis von gro­ßer Bedeu­tung.

Die Ent­schei­dung betrifft die Streit­jah­re 2003 und 2004. Vor dem Jahr 2003 war die Klä­ge­rin, eine kom­mu­na­le Gebiets­kör­per­schaft, direkt an der A‑, B‑, und C‑GmbH betei­ligt. Die­se Gesell­schaf­ten führ­ten in ihrem Inter­es­se Tätig­kei­ten aus, aus denen sie dau­er­haf­te Ver­lus­te erziel­ten. Die Klä­ge­rin glich die­se Ver­lus­te jeweils aus. Im Jahr 2003 wur­de die Betei­li­gungs­struk­tur geän­dert. Die Betei­li­gun­gen der Klä­ge­rin an der A‑, B- und C‑GmbH wur­den auf die Z‑GmbH über­tra­gen. Die Klä­ge­rin war an der Z‑GmbH über eine Toch­ter­ge­sell­schaft, die Y‑GmbH, betei­ligt. Die Z‑GmbH glich ab dem Streit­jahr 2003 die Dau­er­ver­lus­te aus. Hier­zu war sie in der Lage, weil die Klä­ge­rin mit Wir­kung zum 1. Janu­ar 2003 auf die Z‑GmbH auch zwei Akti­en­pa­ke­te über­tra­gen hat­te, aus denen die­se Divi­den­den­aus­schüt­tun­gen ver­ein­nahm­te. Das Finanz­amt (FA) sah in den Aus­gleichs­zah­lun­gen der Z‑GmbH vGA, die über die Y‑GmbH an die Klä­ge­rin gelangt sei­en und for­der­te hier­für von der Klä­ge­rin Kapi­tal­ertrag­steu­er nach. Das Finanz­ge­richt hob die Nach­for­de­rungs­be­schei­de hin­ge­gen auf. Hier­ge­gen rich­te­te sich die Revi­si­on des FA.

Der BFH gab dem FA zum Teil Recht. Die Klä­ge­rin erziel­te in den Streit­jah­ren über die Betei­li­gungs­ket­te aus der A‑, B- und C‑GmbH zwar jeweils Ein­nah­men aus vGA, da sämt­li­che Gesell­schaf­ten auf Ver­an­las­sung der Z‑GmbH dau­er­de­fi­zi­tä­re Tätig­kei­ten nach­gin­gen.

Für die vGA aus der B‑GmbH war jedoch kei­ne Kapi­tal­ertrag­steu­er nach­zu­for­dern. Nach der Ent­schei­dung des BFH ent­steht für die Ein­künf­te einer juris­ti­schen Per­son des öffent­li­chen Rechts, die mehr­heit­lich unmit­tel­bar oder mit­tel­bar an einer Ver­lust­ka­pi­tal­ge­sell­schaft betei­ligt ist, kei­ne Kapi­tal­ertrag­steu­er für vGA, die aus dem Betrieb eines gesetz­lich begüns­tig­ten Dau­er­ver­lust­ge­schäfts resul­tie­ren, wenn die juris­ti­sche Per­son des öffent­li­chen Rechts die Dau­er­ver­lus­te wirt­schaft­lich trägt. Ein begüns­tig­tes Dau­er­ver­lust­ge­schäft liegt vor, soweit von einer Kapi­tal­ge­sell­schaft aus verkehrs‑, umwelt‑, sozial‑, kultur‑, bil­dungs- oder gesund­heits­po­li­ti­schen Grün­den eine wirt­schaft­li­che Betä­ti­gung ohne kos­ten­de­cken­des Ent­gelt unter­hal­ten wird oder das Geschäft Aus­fluss einer Tätig­keit ist, die bei juris­ti­schen Per­so­nen des öffent­li­chen Rechts zu einem Hoheits­be­trieb gehört (§ 8 Abs. 7 Satz 1 Nr. 2 KStG). Für die vGA aus den Dau­er­ver­lust­ge­schäf­ten der A- und der C‑GmbH griff die­se Begüns­ti­gung nicht ein, da deren Dau­er­ver­lus­te nicht auf einer gesetz­lich begüns­tig­ten Tätig­keit beruh­ten. Der Erhe­bung von Kapi­tal­ertrag­steu­er stand inso­weit auch kein gesetz­li­cher Bestands­schutz ent­ge­gen (§ 34 Abs. 6 Satz 5 KStG).

sie­he auch: Urteil des VIII. Senats vom 11.12.2018 — VIII R 44/15 -

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