, Beschluss vom 05.09.2019

Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 56 vom 05. Sep­tem­ber 2019

Umsatz­steu­er­pflicht für Gut­ach­ter­tä­tig­keit im Auf­trag des Medi­zi­ni­schen Diens­tes der Kran­ken­ver­si­che­rung (MDK) zwei­fel­haft

Beschluss vom 10.4.2019 XI R 11/17

Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat Zwei­fel, ob die nach natio­na­lem Recht bestehen­de Umsatz­steu­er­pflicht für Gut­ach­ten, die eine Kran­ken­schwes­ter zur Fest­stel­lung der Pfle­ge­be­dürf­tig­keit im Auf­trag des Medi­zi­ni­schen Diensts der Kran­ken­ver­si­che­rung (MDK) erbringt, mit dem Uni­ons­recht ver­ein­bar ist. Er hat daher mit Beschluss vom 10. April 2019 — XI R 11/17 den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) um Klä­rung gebe­ten.

Im Streit­fall erstell­te die Klä­ge­rin, eine Kran­ken­schwes­ter mit medi­zi­ni­scher Grund­aus­bil­dung und aka­de­mi­scher Aus­bil­dung im Bereich der Pfle­ge­wis­sen­schaft sowie einer Wei­ter­bil­dung in Pfle­ge-Qua­li­täts­ma­nage­ment, für den MDK Gut­ach­ten zur Pfle­ge­be­dürf­tig­keit von Pati­en­ten. Nach Auf­fas­sung des Finanz­amts ist die­se Tätig­keit weder nach natio­na­lem Recht noch nach Uni­ons­recht umsatz­steu­er­frei.

Nach Art. 132 Abs. 1 Buchst. g der Richt­li­nie 2006/112/EG des Rates vom 28. Novem­ber 2006 über das gemein­sa­me Mehr­wert­steu­er­sys­tem (Richt­li­nie) sind eng mit der Sozi­al­für­sor­ge und der sozia­len Sicher­heit ver­bun­de­ne Dienst­leis­tun­gen und Lie­fe­run­gen von Gegen­stän­den, ein­schließ­lich der­je­ni­gen, die durch Alten­hei­me, Ein­rich­tun­gen des öffent­li­chen Rechts oder ande­re von dem betref­fen­den Mit­glied­staat als Ein­rich­tun­gen mit sozia­lem Cha­rak­ter aner­kann­te Ein­rich­tun­gen bewirkt wer­den, steu­er­frei.

Da die Leis­tungs­ge­wäh­rung der Pfle­ge­kas­se zur Sozi­al­für­sor­ge und der sozia­len Sicher­heit gehört und die Leis­tung der Klä­ge­rin der Vor­be­rei­tung die­ser Leis­tungs­ge­wäh­rung dient, will der BFH mit dem Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen zunächst klä­ren las­sen, ob die Gut­ach­ter­tä­tig­keit ein eng mit der Sozi­al­für­sor­ge und der sozia­len Sicher­heit ver­bun­de­ner Umsatz ist, auch wenn sie nicht gegen­über dem Hilfs­be­dürf­ti­gen, son­dern an eine Per­son erbracht wird, die sie benö­tigt, um sei­ne eige­ne Leis­tung an den Pati­en­ten oder Hilfs­be­dürf­ti­gen zu erbrin­gen. Ist dies zu beja­hen, wird wei­ter zu klä­ren sein, wel­che Anfor­de­run­gen an die unter­neh­mer­be­zo­ge­ne Aner­ken­nung als Ein­rich­tung mit sozia­lem Cha­rak­ter zu stel­len sind, die der BFH nach der Richt­li­nie als für die Steu­er­frei­heit erfor­der­lich ansieht. Die­se könn­te aus der Stel­lung als Sub­un­ter­neh­mer, aus einer pau­scha­len Über­nah­me der Kos­ten durch Kran­ken- und Pfle­ge­kas­sen oder aus Ver­trags­be­zie­hun­gen abzu­lei­ten sein.

sie­he auch: Beschluss (EuGH-Vor­la­ge) des XI. Senats vom 10.4.2019 — XI R 11/17 -

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: https://juris.bundesfinanzhof.de/cgi-bin/rechtsprechung/druckvorschau.py?Gericht=bfh&Art=en&nr=41875