Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 48 vom 12. Sep­tem­ber 2018

EuGH-Vor­la­ge zur Umsatz­steu­er­pflicht bei Sub­ven­tio­nen

Beschluss vom 13.6.2018 XI R 517
Beschluss vom 13.6.2018 XI R 617

Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) ersucht den Gerichts­hof der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) um Klä­rung, ob Sub­ven­tio­nen der Euro­päi­schen Uni­on (EU) mit Umsatz­steu­er belas­tet wer­den dür­fen. Die bei­den Vor­la­ge­be­schlüs­se vom 13. Juni 2018 XI R 517 und XI R 617 betref­fen finan­zi­el­le Bei­hil­fe im Rah­men der Gemein­sa­men Markt­or­ga­ni­sa­ti­on für Obst und Gemü­se.

In den Streit­fäl­len för­der­te die EU im Rah­men von sog. „Ope­ra­tio­nel­len Pro­gram­men“ (u.a. z.B. zur Sicher­stel­lung einer nach­fra­ge­ge­rech­ten Erzeu­gung, zur Sen­kung von Pro­duk­ti­ons­kos­ten oder zur För­de­rung umwelt­ge­rech­ter Wirt­schafts­wei­sen) Inves­ti­tio­nen in Ein­zel­be­trie­ben von Mit­glie­dern der Klä­ge­rin­nen, bei­de Erzeu­ger­or­ga­ni­sa­tio­nen für Obst und Gemü­se. Es han­del­te sich um eine finan­zi­el­le Bei­hil­fe i.S. des Art. 15 der Ver­ord­nung (EG) Nr. 220096 des Rates vom 28. Okto­ber 1996 über die gemein­sa­me Markt­or­ga­ni­sa­ti­on für Obst und Gemü­se.

Plan­te ein Erzeu­ger, der Mit­glied einer Erzeu­ger­or­ga­ni­sa­ti­on war, den Erwerb eines för­der­fä­hi­gen Inves­ti­ti­ons­guts, bestell­te es die Erzeu­ger­or­ga­ni­sa­ti­on und über­trug dem Erzeu­ger dar­an zunächst nur das hälf­ti­ge Mit­ei­gen­tum. Erst nach Ablauf der Zweck­bin­dungs­frist (von 5 oder 12 Jah­ren) wur­de der Erzeu­ger Allein­ei­gen­tü­mer.

Die Erzeu­ger­or­ga­ni­sa­ti­on stell­te dem Erzeu­ger für das Inves­ti­ti­ons­gut ledig­lich 50 % ihrer Net­to­an­schaf­fungs­kos­ten zuzüg­lich Umsatz­steu­er in Rech­nung. Die rest­li­chen 50 % wur­den von einem Betriebs­fonds gezahlt, der je zur Hälf­te aus Bei­trä­gen der in der Erzeu­ger­or­ga­ni­sa­ti­on zusam­men­ge­schlos­se­nen Erzeu­ger und der finan­zi­el­len Bei­hil­fe gespeist wur­de. Der Erzeu­ger ver­pflich­te­te sich dane­ben, die Erzeu­ger­or­ga­ni­sa­ti­on wäh­rend der Zweck­bin­dungs­frist mit Obst und Gemü­se zu belie­fern.

Finanz­amt und das Finanz­ge­richt gin­gen mit unter­schied­li­cher Begrün­dung davon aus, dass der vol­le Ein­kaufs­preis der Erzeu­ger­or­ga­ni­sa­ti­on Bemes­sungs­grund­la­ge der Umsatz­steu­er sei.

Die­se Ansicht hat der BFH in sei­nem Vor­la­ge­be­schluss geteilt und außer­dem die Ansicht ver­tre­ten, die Lie­fer­ver­pflich­tung der Erzeu­ger kön­ne in die Bemes­sungs­grund­la­ge ein­zu­be­zie­hen sein. Er hält es aller­dings uni­ons­recht­lich für zwei­fels­haft, ob all dies dazu füh­ren dür­fe, dass im Ergeb­nis die finan­zi­el­le Bei­hil­fe der EU die Bemes­sungs­grund­la­ge der Umsatz­steu­er erhöht und daher mit Umsatz­steu­er belas­tet wird.

sie­he auch: Beschluss (EuGH-Vor­la­ge) des XI. Senats vom 13.6.2018 — XI R 517 -, Beschluss (EuGH-Vor­la­ge) des XI. Senats vom 13.6.2018 — XI R 617 -

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