Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 16 vom 27. März 2019

Beschluss des Gro­ßen Senats des BFH zur erwei­ter­ten Kür­zung bei der Gewer­be­steu­er

Beschluss vom 25.9.2018 GrS 2/16

Unter­liegt eine grund­stücks­ver­wal­ten­de Gesell­schaft nur kraft ihrer Rechts­form der Gewer­be­steu­er, kann sie die erwei­ter­te Kür­zung bei der Gewer­be­steu­er auch dann in Anspruch neh­men, wenn sie an einer rein grund­stücks­ver­wal­ten­den, nicht gewerb­lich gepräg­ten Per­so­nen­ge­sell­schaft betei­ligt ist. Dies hat der Gro­ße Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) zu § 9 Nr. 1 Satz 2 des Gewer­be­steu­er­ge­set­zes (GewStG) ent­schie­den.

Gewerb­lich täti­ge Per­so­nen- und Kapi­tal­ge­sell­schaf­ten unter­lie­gen der Gewer­be­steu­er. Soweit sich aller­dings sol­che Gesell­schaf­ten auf die Ver­wal­tung ihres eige­nen Grund­be­sit­zes beschrän­ken, ist der dar­aus erwirt­schaf­te­te Gewinn durch den Tat­be­stand der erwei­ter­ten Kür­zung in die­sem Umfang voll­stän­dig von der Gewer­be­steu­er aus­ge­nom­men.

Klä­ge­rin in dem Revi­si­ons­ver­fah­ren, das zur Vor­la­ge an den Gro­ßen Senat führ­te, war eine gewerb­lich gepräg­te GmbH & Co. KG, die an einer rein ver­mö­gens­ver­wal­ten­den GbR betei­ligt war. Die­se GbR war wie­der­um Eigen­tü­me­rin einer Immo­bi­lie. Die Klä­ge­rin mach­te für ihre aus der Betei­li­gung an der GbR bezo­ge­nen antei­li­gen Miet­erträ­ge die erwei­ter­te Kür­zung gel­tend. Das Finanz­amt (FA) lehn­te dies ab, weil die Betei­li­gung an der GbR im Sin­ne des § 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG kein eige­ner Grund­be­sitz der Klä­ge­rin sei, son­dern Grund­be­sitz der GbR. Der vor­le­gen­de IV. Senat woll­te die­ser Auf­fas­sung des FA nicht fol­gen, sah sich an einer ent­spre­chen­den Ent­schei­dung aber durch ein Urteil des I. Senats vom 19. Okto­ber 2010 I R 67/09 (BFHE 232,194, BSt­Bl II 2011,367) gehin­dert. Er rief daher mit Vor­la­ge­be­schluss vom 21. Juli 2016 IV R 26/14, BFHE 254, 371, BSt­Bl II 2017, 202 (vgl. Pres­se­mit­tei­lung Nr. 68 vom 26. Okto­ber 2016) den Gro­ßen Senat zur Klä­rung der Rechts­fra­ge an. Der IV. Senat war der Ansicht, dass steu­er­recht­lich das Eigen­tum einer ver­mö­gens­ver­wal­ten­den Per­so­nen­ge­sell­schaft den hin­ter ihr ste­hen­den Gesell­schaf­tern antei­lig zuzu­rech­nen sei. Ein im zivil­recht­li­chen Eigen­tum der Per­so­nen­ge­sell­schaft ste­hen­des Grund­stück sei daher eige­ner Grund­be­sitz der Gesell­schaf­ter der GbR.

Dem folg­te der Gro­ße Senat. Ob eige­ner Grund­be­sitz im Sin­ne der gewer­be­steu­er­recht­li­chen Kür­zung vor­liegt, rich­tet sich nach den all­ge­mei­nen ertrags­steu­er­recht­li­chen Grund­sät­zen. Nach der Sys­te­ma­tik und dem Rege­lungs­zweck der erwei­ter­ten Kür­zung sowie unter Berück­sich­ti­gung des gewer­be­steu­er­recht­li­chen Belas­tungs­grun­des ist unter eige­nem Grund­be­sitz im Sin­ne des § 9 Nr. 1 Satz 2 GewStG der zum Betriebs­ver­mö­gen des Unter­neh­mers gehö­ren­de Grund­be­sitz zu ver­ste­hen. Auch aus dem his­to­ri­schen Rege­lungs­kon­text und der Ent­ste­hungs­ge­schich­te der Norm sah sich der Gro­ße Senat bei die­ser Aus­le­gung, die zuguns­ten der Steu­er­pflich­ti­gen wirkt und für den Immo­bi­li­en­be­reich von gro­ßer Bedeu­tung ist, bestä­tigt.

sie­he auch: Vor­la­ge­be­schluss des IV. Senats vom 21.7.2016 — IV R 26/14 -, Urteil des I. Senats vom 19.10.2010 — I R 67/09 -, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 68/16 vom 26.10.2016, Beschluss des Gro­ßen Senats vom 25.9.2018 — GrS 2/16 -

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