, Beschluss vom 04.10.2019

Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 61 vom 04. Okto­ber 2019

Unzu­läs­sig­keit des steu­er­li­chen Quer­ver­bunds wirkt auch bei Betei­li­gung einer Gebiets­kör­per­schaft an einer Mit­un­ter­neh­mer­schaft

Urteil vom 26.6.2019 VIII R 43/15

Unter­hält eine kom­mu­na­le Gebiets­kör­per­schaft auf­grund einer Betei­li­gung an einer Per­so­nen­han­dels­ge­sell­schaft (KG) meh­re­re Betrie­be gewerb­li­cher Art (BgA), deren Ergeb­nis­se im Rah­men der han­dels­recht­li­chen Gewinn­ermitt­lung der KG sal­diert wer­den, die aber kör­per­schaft­steu­er­recht­lich man­gels zuläs­si­gen Quer­ver­bunds nicht zusam­men­ge­fasst wer­den dür­fen, kann eine modi­fi­zie­ren­de Ermitt­lung des kapi­tal­ertrag­steu­er­pflich­ti­gen Gewinns gebo­ten sein. Daher sind dem aus der KG ent­nom­me­nen Gewinn­an­teil die Erträ­ge zuzu­rech­nen, die auf Ebe­ne der KG mit Ver­lus­ten aus einer dau­er­de­fi­zi­tä­ren Spar­te ver­rech­net wur­den. Dies hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 26.06.2019 — VIII R 43/15 zu § 20 Abs. 1 Nr. 10 Buchst. b des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) ent­schie­den.

Die Klä­ge­rin, eine kom­mu­na­le Gebiets­kör­per­schaft, war als allei­ni­ge Kom­man­di­tis­tin an der Stadt­wer­ke I‑GmbH & Co. KG (KG) betei­ligt. Die Tätig­keit der KG bestand aus den Spar­ten Strom- und Was­ser­ver­sor­gung, Fern­wär­me, einem Fähr­be­trieb, Frei­bad, Hal­len­bad und Eis­sta­di­on. Die KG erstell­te für die Streit­zeit­räu­me 2003 bis 2005 han­dels­recht­li­che Jah­res­ab­schlüs­se mit Bilanz, Gewinn- und Ver­lust­rech­nung sowie Lage­be­rich­ten, in die die Erträ­ge und Auf­wen­dun­gen aus sämt­li­chen Tätig­kei­ten ein­gin­gen. Bei Fest­stel­lung der han­dels­recht­li­chen Jah­res­ab­schlüs­se der KG wur­den auf­grund von Gesell­schaf­ter­be­schlüs­sen Tei­le des Gewinns (sog. Min­dest­ge­win­ne) den Rück­la­gen der KG zuge­führt, der ver­blei­ben­de Betrag wur­de von der Klä­ge­rin ent­nom­men. Ertrag­steu­er­lich war der dau­er­de­fi­zi­tä­re Betrieb des Eis­sta­di­ons ein eigen­stän­di­ger BgA. Die übri­gen Tätig­keits­fel­der der KG bil­de­ten einen wei­te­ren BgA (BgA Betei­li­gung). Die Ver­lus­te aus dem Betrieb des dau­er­de­fi­zi­tä­ren Eis­sta­di­ons wur­den in der kör­per­schaft­steu­er­li­chen Ein­kom­mens­er­mitt­lung des BgA Betei­li­gung nicht erfasst, son­dern eigen­stän­dig im BgA Eis­sta­di­on ver­an­lagt. Eine Zusam­men­fas­sung die­ser bei­den BgA für Zwe­cke der Kör­per­schaft­steu­er war unzu­läs­sig, weil die Vor­aus­set­zun­gen für einen zuläs­si­gen Quer­ver­bund nicht vor­la­gen. Im Rah­men der geson­der­ten und ein­heit­li­chen Fest­stel­lung der Ein­künf­te der KG wur­den die Erträ­ge und Auf­wen­dun­gen, die auf den Betrieb des Eis­sta­di­ons ent­fie­len, eben­falls von den Erträ­gen und Auf­wen­dun­gen aus den übri­gen Spar­ten sepa­riert.

Der BFH ent­schied, die Höhe des kapi­tal­ertrag­steu­er­pflich­ti­gen Gewinns des BgA Betei­li­gung ent­spre­che zwar grund­sätz­lich dem von der Klä­ge­rin aus der KG ent­nom­me­nen Gewinn­an­teil. Der ent­nom­me­ne Gewinn­an­teil sei im Streit­fall zur Ermitt­lung des kapi­tal­ertrag­steu­er­pflich­ti­gen Gewinn­an­teils des BgA Betei­li­gung aber um die­je­ni­gen Erträ­ge zu erhö­hen, die bei der Gewinn­ermitt­lung auf Ebe­ne der KG die Ver­lus­te aus dem Betrieb des Eis­sta­di­on aus­ge­gli­chen hät­ten. Wären auf Ebe­ne der KG die Erträ­ge aus den übri­gen Spar­ten der KG nicht mit dem Ver­lust aus dem Betrieb des Eis­sta­di­ons ver­rech­net wor­den, wären die zur Ver­lust­de­ckung ver­wen­de­ten Beträ­ge von der Klä­ge­rin zusätz­lich aus der KG ent­nom­men wor­den und in den kapi­tal­ertrag­steu­er­pflich­ti­gen Gewinn ein­ge­gan­gen. Allein auf­grund der Zusam­men­fas­sung sämt­li­cher Tätig­kei­ten auf Ebe­ne der KG dür­fe zu Las­ten der kapi­tal­ertrag­steu­er­pflich­ti­gen Bemes­sungs­grund­la­ge kein Quer­ver­bund ange­nom­men wer­den, der für Zwe­cke der Kör­per­schaft­steu­er unzu­läs­sig sei. Nicht bean­stan­det hat der BFH, dass in die kapi­tal­ertrag­steu­er­pflich­ti­ge Bemes­sungs­grund­la­ge des BgA Betei­li­gung nur der um die auf Ebe­ne der KG the­sau­ri­er­ten Min­dest­ge­win­ne ver­min­der­te Gewinn­an­teil ein­ging, da es sich inso­weit um eine zuläs­si­ge Rück­la­gen­bil­dung han­de­le.

sie­he auch: Urteil des VIII. Senats vom 26.6.2019 — VIII R 43/15 -

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