Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 13 vom 12. März 2020

Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er: Maß­ge­ben­de Steu­er­klas­se beim Erwerb vom bio­lo­gi­schen Vater

Urteil vom 5.12.2019 II R 5/17

Erbt ein Kind von sei­nem bio­lo­gi­schen Vater, fin­det auf das Erbe nicht die für Kin­der güns­ti­ge Steu­er­klas­se I Anwen­dung, son­dern es wird nach der Steu­er­klas­se III besteu­ert. Dies hat der II. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) mit Urteil vom 05.12.2019 ent­schie­den. Das­sel­be gilt, wenn der bio­lo­gi­sche Vater sei­nem Kind zu Leb­zei­ten eine Schen­kung macht.

§ 15 Abs. 1 Steu­er­klas­se I Nr. 2 ErbStG sieht vor, dass auf Kin­der und Stief­kin­der die Steu­er­klas­se I anzu­wen­den ist. In die­ser Klas­se fällt bei einem Erwerb bis 75.000 € eine Steu­er in Höhe von 7 % an. In der Steu­er­klas­se III sind dafür bereits 30 % Steu­er zu zah­len. Bes­ser kom­men Kin­der auch bei den Frei­be­trä­gen weg. Sie erhal­ten 400.000€, bei Steu­er­klas­se III hin­ge­gen ledig­lich 20.000 €.

Im Streit­fall war der Klä­ger der leib­li­che, aber nicht der recht­li­che Vater. Der Klä­ger war also der sog. bio­lo­gi­sche Vater sei­ner Toch­ter. Der recht­li­che Vater war ein ande­rer Mann, mit dem die Mut­ter zum Zeit­punkt der Geburt des Kin­des ver­hei­ra­tet war. Der Klä­ger schenk­te sei­ner leib­li­chen Toch­ter 30.000 € und bean­trag­te beim Finanz­amt (FA) die Anwen­dung der güns­ti­gen Steu­er­klas­se I. Das FA lehn­te mit dem Hin­weis ab, die Steu­er­klas­se I fin­de nur im Ver­hält­nis der Toch­ter zu ihrem recht­li­chen Vater Anwen­dung. Recht­li­cher Vater sei aber der Ehe­mann der Mut­ter und nicht der Klä­ger.

Das Finanz­ge­richt gab dem Klä­ger Recht. Es gebe kei­nen Grund, die ein­schlä­gi­ge Bestim­mung des § 15 Abs. 1 Steu­er­klas­se I Nr. 2 ErbStG nach den zivil­recht­li­chen Rege­lun­gen eng aus­zu­le­gen und nur den Erwerb vom recht­li­chen Vater zu pri­vi­le­gie­ren.

Der BFH sah dies anders. Für die Steu­er­klas­sen­ein­tei­lung nach § 15 Abs. 1 ErbStG sind die bür­ger­lich-recht­li­chen Vor­schrif­ten der §§ 1589 ff. BGB über die Abstam­mung und Ver­wandt­schaft maß­ge­bend. Die­se unter­schei­den zwi­schen dem recht­li­chen Vater und dem bio­lo­gi­schen Vater und akzep­tie­ren, dass die recht­li­che und die bio­lo­gi­sche Vater­schaft aus­ein­an­der­fal­len kön­nen. Nur der recht­li­che Vater hat gegen­über dem Kind Pflich­ten, wie zum Bei­spiel zur Zah­lung von Unter­halt. Außer­dem ist das Kind nur gegen­über sei­nem recht­li­chen, nicht aber sei­nem bio­lo­gi­schen Vater erb- und pflicht­teils­be­rech­tigt. Dies recht­fer­tigt es, den recht­li­chen Vater auch für die Erb­schaft- und Schen­kungsteu­er finan­zi­ell bes­ser zu stel­len. Könn­te ein Kind von sei­nem recht­li­chen und zugleich von sei­nem bio­lo­gi­schen Vater nach der Steu­er­klas­se I erwer­ben, wäre dies schließ­lich eine Bes­ser­stel­lung gegen­über Kin­dern, die, wie in den aller­meis­ten Fäl­len, nur „einen ein­zi­gen“ Vater haben und nur von die­sem steu­er­güns­tig erwer­ben kön­nen.

sie­he auch: Urteil des II. Senats vom 5.12.2019 — II R 5/17 -

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