Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 29 vom 15. Mai 2019

Recht­spre­chungs­än­de­rung zur sog. Sperr­wir­kung nach Art. 9 Abs. 1 OECD-Mus­tAbk

Urteil vom 27.2.2019 I R 7316

Wird die gewinn­min­dern­de Aus­bu­chung eines unbe­si­cher­ten Kon­zern­dar­le­hens nach § 1 Abs. 1 AStG neu­tra­li­siert, ist die­se Ein­künf­te­kor­rek­tur ent­ge­gen der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung nicht nach Art. 9 Abs.1 OECD-Mus­tAbk gesperrt, wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 27. Febru­ar 2019 I R 7316 ent­schie­den hat.

In dem Fall des BFH, der das Jahr 2005 betrifft, führ­te eine deut­sche GmbH für eine bel­gi­sche Toch­ter­ge­sell­schaft ein nicht besi­cher­tes Ver­rech­nungs­kon­to. Nach­dem die bel­gi­sche Toch­ter­ge­sell­schaft in wirt­schaft­li­che Schief­la­ge gera­ten war, ver­zich­te­te die GmbH auf ihre For­de­rung aus dem Ver­rech­nungs­kon­to und buch­te die­se in ihrer Bilanz gewinn­min­dernd aus. Das Finanz­amt neu­tra­li­sier­te die­se Gewinn­min­de­rung jedoch nach § 1 Abs. 1 AStG. Das Finanz­ge­richt (FG) sah die Sache im Ein­klang mit der bis­he­ri­gen Recht­spre­chung des BFH aller­dings anders und gab der Kla­ge statt.

Bis­her ging der BFH für Sach­ver­hal­te, die einem Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­men (DBA) unter­lie­gen, davon aus, dass sich Art. 9 Abs. 1 OECD-Mus­tAbk auf sog. Preis­be­rich­ti­gun­gen beschrän­ke, wohin­ge­gen die Neu­tra­li­sa­ti­on der gewinn­min­dern­den Aus­bu­chung einer Dar­le­hens­for­de­rung oder eine Teil­wert­ab­schrei­bung aus­ge­schlos­sen sei (sog. Sperr­wir­kung).

Der BFH beur­teilt dies nun­mehr anders und hat das Urteil des FG auf­ge­ho­ben. Zwar kön­ne in der Revi­si­ons­in­stanz nicht mehr geklärt wer­den, ob es sich wirk­lich um ein steu­er­recht­lich anzu­er­ken­nen­des Dar­le­hen oder um Eigen­ka­pi­tal der bel­gi­schen Toch­ter­ge­sell­schaft gehan­delt habe. Dies kön­ne jedoch dahin­ste­hen, da die gewinn­min­dern­de Aus­bu­chung durch die deut­sche GmbH jeden­falls nach § 1 Abs. 1 AStG zu kor­ri­gie­ren sei. Die feh­len­de Besi­che­rung stel­le eine nicht fremd­üb­li­che (Darlehens-)Bedingung dar. Eine Beschrän­kung auf sog. Preis­be­rich­ti­gun­gen las­se sich weder dem Wort­laut noch dem Sinn und Zweck des Art. 9 Abs. 1 OECD-Mus­tAbk ent­neh­men. Auch das Uni­ons­recht ste­he der Ein­künf­te­kor­rek­tur nicht ent­ge­gen.

Die Ent­schei­dung hat erheb­li­che Aus­wir­kung auf die Finan­zie­rung aus­län­di­scher Toch­ter­ge­sell­schaf­ten durch inlän­di­sche Gesell­schaf­ter. In einer Rei­he wei­te­rer Fäl­le wird der BFH dem­nächst die neu­en Grund­sät­ze kon­kre­ti­sie­ren.

sie­he auch: Urteil des I. Senats vom 27.2.2019 — I R 7316 -

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