Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 5 vom 06. Febru­ar 2019

Geän­der­te Recht­spre­chung zur Bruch­teils­ge­mein­schaft im Umsatz­steu­er­recht

Urteil vom 22.11.2018 V R 65/17

Eine Bruch­teils­ge­mein­schaft kann nicht Unter­neh­mer sein, wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) unter Auf­ga­be sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung mit Urteil vom 22. Novem­ber 2018 V R 65/17 zur Umsatz­steu­er ent­schie­den hat. Statt­des­sen erbrin­gen die Gemein­schaf­ter als jewei­li­ge Unter­neh­mer antei­lig von ihnen zu ver­steu­ern­de Leis­tun­gen.

Im Streit­fall hat­te der Klä­ger zusam­men mit wei­te­ren Per­so­nen Sys­te­me zur endo­sko­pi­schen Gewe­be­cha­rak­te­ri­sie­rung ent­wi­ckelt. Die Erfin­dun­gen lizen­sier­ten sie gemein­sam an eine Kom­man­dit­ge­sell­schaft (KG), die ihnen für die Lizenz­ge­wäh­rung Gut­schrif­ten auf der Grund­la­ge des seit 2007 gel­ten­den Regel­steu­er­sat­zes von 19 % erteil­te. Die auf ihn ent­fal­len­den Lizenz­ge­büh­ren ver­steu­er­te der Klä­ger dem­ge­gen­über nur nach dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz von 7 %. Das für den Klä­ger zustän­di­ge Finanz­amt (FA) erfuhr hier­von im Rah­men einer Kon­troll­mit­tei­lung und erließ gegen­über dem Klä­ger geän­der­te Steu­er­be­schei­de. Hier­ge­gen mach­te der Klä­ger u.a. gel­tend, dass nicht er, son­dern eine zwi­schen ihm und den ande­ren Erfin­dern gebil­de­te Bruch­teils­ge­mein­schaft Unter­neh­mer und damit Steu­er­schuld­ner für die Lizenz­ge­wäh­rung gegen­über der KG sei.

Dem folg­te der BFH nicht. Wie die Vor­in­stanz sah der BFH den Klä­ger als leis­ten­den Unter­neh­mer an, der die auf ihn ent­fal­len­den Lizenz­ge­büh­ren nach dem Regel­steu­er­satz zu ver­steu­ern habe. Anders als die Vor­in­stanz und ent­ge­gen sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung begrün­de­te der BFH dies aber damit, dass eine Bruch­teils­ge­mein­schaft umsatz­steu­er­recht­lich nicht Unter­neh­mer sein kön­ne.

Unter­neh­mer ist nach all­ge­mei­nen Grund­sät­zen nur der­je­ni­ge, der ent­gelt­li­che Leis­tun­gen erbringt. Die Per­son des Leis­tungs­er­brin­gers rich­tet sich nach den der Leis­tung zugrun­de lie­gen­den Rechts­ver­hält­nis­sen und damit im Regel­fall nach dem Zivil­recht. Zivil­recht­lich kann die nicht­rechts­fä­hi­ge Bruch­teils­ge­mein­schaft aber kei­ne Ver­pflich­tun­gen ein­ge­hen und damit umsatz­steu­er­recht­lich auch kei­ne Leis­tun­gen erbrin­gen. Nach Maß­ga­be der zivil­recht­lich gepräg­ten Rechts­ver­hält­nis­se han­delt es sich daher umsatz­steu­er­recht­lich bei Leis­tun­gen, die mit einem in Bruch­teils­ge­mein­schaft ste­hen­den Recht erbracht wer­den, um antei­li­ge Leis­tun­gen der ein­zel­nen Gemein­schaf­ter. Die Recht­spre­chungs­än­de­rung erfasst nicht nur Erfin­der­ge­mein­schaf­ten wie im Streit­fall, son­dern ist z.B. auch für die im Immo­bi­li­en­be­reich weit ver­brei­te­ten Grund­stücks­ge­mein­schaf­ten von gro­ßer Bedeu­tung.

Mit sei­nem Urteil schloss sich der BFH zudem der Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts­hofs an, nach der tech­ni­sche Schutz­rech­te nicht urhe­ber­recht­lich geschützt sind. Man­gels Urhe­ber­rechts­schutz kommt eine Steu­er­satz­ermä­ßi­gung nicht in Betracht. Dar­über hin­aus bejah­te der BFH eine Steu­er­hin­ter­zie­hung durch den Klä­ger, da die­ser bei Abga­be von Vor­anmel­dun­gen auf der Grund­la­ge des ermä­ßig­ten Steu­er­sat­zes dem FA hät­te mit­tei­len müs­sen, dass ihm gegen­über nach dem Regel­steu­er­satz abge­rech­net wur­de.

sie­he auch: Urteil des V. Senats vom 22.11.2018 — V R 65/17 -

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