(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat ent­schie­den, dass sowohl das Bre­mi­sche Gesetz über die Erhe­bung einer Tou­ris­mus­ab­ga­be als auch das Ham­bur­gi­sche Kul­tur- und Tou­ris­mus­ta­xen­ge­setz ver­fas­sungs­ge­mäß ist.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 21.10.2015 zu sei­nen Urtei­len vom 15. Juli 2015, II R 32 und 3315.

Bei den Abga­ben nach die­sen Geset­zen han­delt es sich um kom­mu­na­le Auf­wand­steu­ern, die nur für pri­vat ver­an­lass­te Über­nach­tun­gen in Beher­ber­gungs­be­trie­ben anfal­len, nicht aber für berufs­be­ding­te Über­nach­tun­gen. Die Ver­fah­ren wur­den von zwei Hotel­be­trei­bern aus Bre­men und Ham­burg geführt. Bei­de hat­ten ent­spre­chend den gesetz­li­chen Vor­ga­ben die jewei­li­ge Steu­er für Beher­ber­gungs­leis­tun­gen bei der zustän­di­gen Behör­de ange­mel­det.

Der BFH ging in Anleh­nung an die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­wal­tungs­ge­richts davon aus, dass der Auf­wand für pri­vat ver­an­lass­te Über­nach­tun­gen Gegen­stand einer kom­mu­na­len Auf­wand­steu­er sein kann. Die bre­mi­sche Tou­ris­mus­ab­ga­be und die ham­bur­gi­sche Kul­tur- und Tou­ris­mus­ta­xe sind dabei nicht mit der Umsatz­steu­er ver­gleich­bar; Art. 105 Abs. 2a des Grund­ge­set­zes (GG), der den Vor­rang einer bun­des­ge­setz­lich gere­gel­ten Steu­er vor kom­mu­na­len Auf­wand­steu­ern vor­sieht, steht also der Erhe­bung die­ser Steu­ern nicht ent­ge­gen. Die die­sen Steu­ern zugrun­de­lie­gen­den Geset­ze ver­sto­ßen auch nicht gegen den Gleich­heits­satz aus Art. 3 Abs. 1 GG. Ins­be­son­de­re kann ein Ver­stoß gegen die Ver­fas­sung nicht dar­in gese­hen wer­den, dass Steu­er­schuld­ner die Betrei­ber der Beher­ber­gungs­be­trie­be und nicht die Über­nach­tungs­gäs­te sind.

Obwohl die für die Steu­er­pflicht erfor­der­li­che Unter­schei­dung zwi­schen pri­vat ver­an­lass­ten und beruf­lich beding­ten Über­nach­tun­gen Pro­ble­me hin­sicht­lich der Nach­prü­fung durch die zustän­di­gen Finanz­be­hör­den auf­wirft, ver­moch­te der BFH ein struk­tu­rel­les Voll­zugs­de­fi­zit nicht zu erken­nen. Bei­de Geset­ze sehen nach Ansicht des BFH auf­grund von Auf­zeich­nungs-, Mit­wir­kungs- und Aus­kunfts­pflich­ten sowie der Mög­lich­keit einer Über­prü­fung vor Ort hin­rei­chen­de Über­prü­fungs­mög­lich­kei­ten vor. Die Gäs­te müs­sen die beruf­li­che Ver­an­las­sung von Über­nach­tun­gen in Bre­men glaub­haft machen und in Ham­burg durch geeig­ne­te Bele­ge nach­wei­sen. Bei Arbeit­neh­mern ist regel­mä­ßig von einer beruf­li­chen Ver­an­las­sung aus­zu­ge­hen, wenn sie der Arbeit­ge­ber bestä­tigt oder die Rech­nung an den Arbeit­ge­ber aus­ge­stellt wird.

Die Auf­wand­steu­ern ver­let­zen schließ­lich nicht das Recht der Über­nach­tungs­gäs­te auf infor­ma­tio­nel­le Selbst­be­stim­mung. Bei Über­nach­tun­gen in einem Beher­ber­gungs­be­trieb muss bereits auf­grund der Mel­de­ge­set­ze ein Mel­de­schein aus­ge­füllt wer­den. Die zur Ver­mei­dung der Steu­er­pflicht erfor­der­li­che Anga­be, die Über­nach­tung sei beruf­lich ver­an­lasst, hat nach Auf­fas­sung des BFH kein sol­ches Gewicht, dass die Erhe­bung der Steu­ern gene­rell aus­ge­schlos­sen wäre.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
DUV Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied
Pas­sau, Nie­mey­er & Col­le­gen
Walk­er­damm 1
24103 Kiel
Tel: 0431 – 974 3010
Fax: 0431 – 974 3055
Email: info@duv-verband.de
www.duv-verband.de