, Beschluss vom 12.09.2019

Pres­se­mit­tei­lun­gen des BFH Nr. 57 vom 12. Sep­tem­ber 2019

Stück­zin­sen nach Ein­füh­rung der Abgel­tungs­teu­er

Urteil vom 7.5.2019 VIII R 22/15

Stück­zin­sen sind nach Ein­füh­rung der Abgel­tungs­teu­er ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2009 als Teil des Gewinns aus der Ver­äu­ße­rung einer sons­ti­gen Kapi­tal­for­de­rung gemäß § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 EStG steu­er­pflich­tig. Dies gilt auch, wenn die ver­äu­ßer­te Kapi­tal­for­de­rung vor dem 1. Janu­ar 2009 erwor­ben wur­de. Dies hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urtei­len vom 7. Mai 2019 – VIII R 22/15 und VIII R 31/15 zu § 52a Abs. 10 Satz 7 Halb­satz 2 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) in der Fas­sung des Jah­res­steu­er­ge­set­zes (JStG) 2010 (nun­mehr § 52 Abs. 28 Satz 16, Halb­satz 2 EStG) ent­schie­den.

Stück­zin­sen sind das vom Erwer­ber an den Ver­äu­ße­rer der Kapi­tal­for­de­rung gezahl­te Ent­gelt für die auf den Zeit­raum bis zur Ver­äu­ße­rung ent­fal­len­den Zin­sen des lau­fen­den Zins­zah­lungs­zeit­raums. Im Streit­fall VIII R 31/15 ver­ein­nahm­te die Klä­ge­rin, eine Gesell­schaft bür­ger­li­chen Rechts, im Streit­jahr 2009 bei der Ver­äu­ße­rung einer Kapi­tal­for­de­rung offen aus­ge­wie­se­ne Stück­zin­sen. Sie hat­te die ver­äu­ßer­te Kapi­tal­for­de­rung vor dem 1. Janu­ar 2009 erwor­ben. Die Klä­ge­rin war der Auf­fas­sung, die Stück­zin­sen sei­en auf­grund der Über­gangs­re­ge­lung in § 52a Abs. 10 Satz 7 Halb­satz 1 EStG i.d.F. JStG 2009 vom 19. Dezem­ber 2008 (BGBl. I 2008, 2794) nicht steu­er­bar. Die erst durch das JStG 2010 vom 8. Dezem­ber 2010 (BGBl I 2010, 1768) ein­ge­führ­te Rege­lung in § 52a Abs. 10 Satz 7 Halb­satz 2 EStG, nach der Stück­zin­sen, die nach dem 31. Dezem­ber 2008 zuflie­ßen, der Besteue­rung unter­lie­gen, füh­re zu einer ver­fas­sungs­wid­ri­gen ech­ten Rück­wir­kung. Der BFH trat dem ent­ge­gen. Nach sei­nem Urteil ist § 52a Abs. 10 Satz 7 Halb­satz 2 EStG i.d.F. des JStG 2010 kei­ne ver­fas­sungs­wid­ri­ge rück­wir­ken­de, son­dern eine ver­fas­sungs­ge­mä­ße klar­stel­len­de Rege­lung.

Der BFH ord­net Stück­zin­sen, die nach dem 31. Dezem­ber 2008 zuflie­ßen, als Teil des Gewinns aus der Ver­äu­ße­rung einer Kapi­tal­for­de­rung gemäß § 20 Abs. 2 Satz 1 Nr. 7 EStG ein. Die spä­te­re Fest­schrei­bung der Steu­er­pflicht der Stück­zin­sen durch das JStG 2010 habe ledig­lich die bestehen­de Rechts­la­ge klar­ge­stellt. Die Stück­zin­sen sei­en bis zum Ende des Ver­an­la­gungs­zeit­raums 2008 und auch ohne die Rege­lung in § 52a Abs. 10 Satz 7 Halb­satz 2 EStG i.d.F. JStG 2010 nach Ein­füh­rung der Abgel­tungs­teu­er und damit ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2009 steu­er­pflich­ti­ge Kapi­tal­ein­künf­te gewe­sen.

Im Fall VIII R 22/15 war die Steu­er­pflicht von Stück­zin­sen im Streit­jahr 2010 strei­tig, die vor der Ein­füh­rung des § 52a Abs. 10 Satz 7 Halb­satz 2 EStG durch das JStG 2010 ver­ein­nahmt wor­den waren. Der BFH sieht in der Neu­re­ge­lung für die­sen Ver­an­la­gungs­zeit­raum eben­falls kei­ne ver­fas­sungs­wir­ken­de rück­wir­ken­de, son­dern eine ver­fas­sungs­ge­mä­ße Vor­schrift, die die bestehen­de Rechts­la­ge klar­stellt.

sie­he auch: Urteil des VIII. Senats vom 7.5.2019 — VIII R 22/15 -, Urteil des VIII. Senats vom 7.5.2019 — VIII R 31/15 -

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