(Kiel) Auf­wen­dun­gen für die Erst­aus­bil­dung sind ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2004 nicht (mehr) als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar, wenn das Stu­di­um nicht im Rah­men eines Dienst­ver­hält­nis­ses statt­fin­det.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die ent­spre­chen­de Pres­se­mit­te­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 23.07.2020 zu sei­nem Urteil vom 12.02.2020 — VI R 17/20.

Im Streit­fall hat­te eine Stu­den­tin Auf­wen­dun­gen für ihr Erst­stu­di­um als Wer­bungs­kos­ten gel­tend gemacht. Da sie in den Streit­jah­ren kei­ne bzw. nur gering­fü­gi­ge Ein­künf­te erziel­te, woll­te sie die dadurch ent­ste­hen­den Ver­lus­te mit künf­ti­gen, nach dem Stu­di­um erziel­ten Ein­künf­ten ver­rech­nen. Der BFH woll­te der Kla­ge der Stu­den­tin statt­ge­ben, sah sich dar­an aber auf Grund des § 9 Abs. 6 EStG gehin­dert, der mit Wir­kung ab dem Ver­an­la­gungs­zeit­raum 2004 in das EStG auf­ge­nom­men wor­den ist. Danach sind die Auf­wen­dun­gen für eine Erst­aus­bil­dung nicht als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar. Deren Abzug kommt nur als Son­der­aus­ga­ben begrenzt auf 4.000 € bzw. ab dem Jahr 2012 auf 6.000 € in Betracht. Da der Son­der­aus­ga­ben­ab­zug nicht zu einem vor­trags­fä­hi­gen Ver­lust führt, wir­ken sich — wie auch im Fall der Stu­den­tin — die Auf­wen­dun­gen auf Grund der wäh­rend der Aus­bil­dung erziel­ten gerin­gen Ein­künf­te regel­mä­ßig nicht bzw. nicht in vol­lem Umfang steu­er­lich aus.

Der BFH hielt § 9 Abs. 6 EStG für ver­fas­sungs­wid­rig und hol­te im Rah­men eines sog. Nor­men­kon­troll­ver­fah­rens die Ent­schei­dung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts (BVerfG)  ein. Nach­dem das BVerfG mit Beschluss vom 19.11.2019   2 BvL 22−27÷14 ent­schie­den hat, dass der Aus­schluss des Wer­bungs­kos­ten­ab­zugs von Berufs­aus­bil­dungs­kos­ten für eine Erst­aus­bil­dung außer­halb eines Dienst­ver­hält­nis­ses mit dem Grund­ge­setz ver­ein­bar ist, hat der BFH das zunächst aus­ge­setz­te Ver­fah­ren der Stu­den­tin wie­der auf­ge­nom­men und deren Kla­ge abge­wie­sen.

Beim BFH war eine Viel­zahl von Revi­sio­nen zu der­sel­ben Rechts­fra­ge anhän­gig. Sie betra­fen eben­falls den Wer­bungs­kos­ten­ab­zug der Auf­wen­dun­gen für das Erst­stu­di­um sowie ins­be­son­de­re den Wer­bungs­kos­ten­ab­zug der Auf­wen­dun­gen für die Pilo­ten­aus­bil­dung, die außer­halb eines Dienst­ver­hält­nis­ses statt­fand. Die­se Ver­fah­ren wur­den nach der Ent­schei­dung des BVerfG auf ent­spre­chen­den recht­li­chen Hin­weis des BFH zurück­ge­nom­men und durch Ein­stel­lungs­be­schluss erle­digt.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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