Pres­se­mit­tei­lung des BFH, Nr. 13 vom 07. März 2018

Kei­ne Rest­schuld­be­frei­ung für Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten

Urteil vom 28.11.2017 VII R 116

Ist Ein­kom­men­steu­er im Insol­venz­ver­fah­ren als Mas­se­ver­bind­lich­keit ent­stan­den, aber vom Insol­venz­ver­wal­ter auf­grund von Mas­seun­zu­läng­lich­keit nicht begli­chen wor­den, darf das Finanz­amt (FA) die Steu­er­schuld nach Abschluss des Insol­venz­ver­fah­rens mit Erstat­tungs­an­sprü­chen des ehe­ma­li­gen Insol­venz­schuld­ners ver­rech­nen. Eine dem Insol­venz­schuld­ner erteil­te Rest­schuld­be­frei­ung steht dem nicht ent­ge­gen, wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 28. Novem­ber 2017 VII R 116 ent­schie­den hat.

In dem Streit­fall war über das Ver­mö­gen des Klä­gers das Insol­venz­ver­fah­ren eröff­net wor­den. Auf­grund der Ver­wer­tung von Insol­venz­mas­se durch den Insol­venz­ver­wal­ter war Ein­kom­men­steu­er als sog. Mas­se­ver­bind­lich­keit ent­stan­den, die von dem Insol­venz­ver­wal­ter nicht begli­chen wur­de. Nach­dem das Insol­venz­ver­fah­ren wegen Mas­seun­zu­läng­lich­keit ein­ge­stellt und dem Klä­ger Rest­schuld­be­frei­ung gemäß § 301 der Insol­venz­ord­nung (InsO) erteilt wor­den war, mach­te das FA die unbe­zahlt geblie­be­nen Steu­er­schul­den gel­tend und ver­rech­ne­te die­se mit spä­ter ent­stan­de­nen Erstat­tungs­an­sprü­chen des Klä­gers. Das Finanz­ge­richt hob den Abrech­nungs­be­scheid auf und ent­schied, dass der Klä­ger für Steu­er­schul­den, die durch Ver­wer­tungs­hand­lun­gen des Insol­venz­ver­wal­ters ent­stan­den sei­en, nicht ein­ste­hen müs­se.

Die­ser Rechts­auf­fas­sung ist der BFH nicht gefolgt. Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten wer­den nach sei­nem Urteil weder von einer Rest­schuld­be­frei­ung erfasst — dies hat­te der Bun­des­ge­richts­hof (BGH) bis­lang offen­ge­las­sen — noch steht der Ver­rech­nung eine sich aus dem Insol­venz­ver­fah­ren erge­ben­de Haf­tungs­be­schrän­kung ent­ge­gen.

Zwar sei Ziel eines Insol­venz­ver­fah­rens, dem red­li­chen Schuld­ner Gele­gen­heit zu geben, sich von sei­nen rest­li­chen Ver­bind­lich­kei­ten zu befrei­en. Die Rest­schuld­be­frei­ung nach § 301 InsO sei aber aus­drück­lich auf Insol­venz­gläu­bi­ger beschränkt. Hät­te der Gesetz­ge­ber die Rest­schuld­be­frei­ung auch auf Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten erstre­cken wol­len, so hät­te er dies ent­spre­chend regeln müs­sen.

Soweit die BGH-Recht­spre­chung von einer sog. Haf­tungs­be­schrän­kung für Mas­se­ver­bind­lich­kei­ten aus­ge­he, die nach Ver­fah­rens­er­öff­nung durch Rechts­hand­lun­gen des Insol­venz­ver­wal­ters begrün­det wor­den sind, las­se sich dies auf Steu­er­schul­den nicht über­tra­gen, so dass inso­weit kei­ne „Ein­re­de der beschränk­ten Haf­tung des Insol­venz­schuld­ners“ besteht.

sie­he auch: Urteil des VII. Senats vom 28.11.2017 — VII R 116 -

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