Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 56 vom 31. Okto­ber 2018

Abzug von Refi­nan­zie­rungs­zin­sen für not­lei­den­de Gesell­schaf­ter­dar­le­hen

Urteil vom 24.10.2017 VIII R 1916

Ver­zich­tet ein Gesell­schaf­ter unter der auf­lö­sen­den Bedin­gung der Bes­se­rung der wirt­schaft­li­chen Lage der Gesell­schaft auf sein Gesell­schaf­ter­dar­le­hen, um deren Eigen­ka­pi­tal­bil­dung und Ertrags­kraft zu stär­ken, sind bei ihm wei­ter­hin anfal­len­de Refi­nan­zie­rungs­zin­sen nicht als Wer­bungs­kos­ten im Zusam­men­hang mit frü­he­ren Zins­ein­künf­ten abzieh­bar, wie der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit Urteil vom 24. Okto­ber 2017 VIII R 1916 ent­schie­den hat. Die nun­mehr durch die Betei­li­gungs­er­trä­ge ver­an­lass­ten Refi­nan­zie­rungs­zin­sen sind viel­mehr nur auf Antrag zu 60 % als Wer­bungs­kos­ten abzieh­bar.

Nimmt für die Ver­an­las­sungs­zeit­räu­me ab 2009 ein min­des­tens zu 10 % am Stamm­ka­pi­tal betei­lig­ter Gesell­schaf­ter einer Kapi­tal­ge­sell­schaft ein Dar­le­hen bei einer Bank auf, um selbst ein ver­zins­li­ches Gesell­schaf­ter­dar­le­hen an die Kapi­tal­ge­sell­schaft aus­zu­rei­chen, sind die Schuld­zin­sen für das Refi­nan­zie­rungs­dar­le­hen grund­sätz­lich als Wer­bungs­kos­ten durch die Erträ­ge aus dem Gesell­schaf­ter­dar­le­hen (§ 20 Abs. 1 Nr. 7 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes –EStG – ) ver­an­lasst. Die­se Wer­bungs­kos­ten kön­nen ohne die Beschrän­kun­gen des ansons­ten gel­ten­den Wer­bungs­kos­ten­ab­zugs­ver­bots (§ 20 Abs. 9, 2. Halb­satz EStG) bei den tarif­lich besteu­er­ten Kapi­tal­ein­künf­ten des Gesell­schaf­ters abge­zo­gen wer­den (§ 32d Abs. 2 Nr. 1 Satz 1 Buchst. b Satz 1, § 32d Abs. 2 Nr. 1 Satz 2 EStG). Dies gilt, wie der BFH jetzt klar­ge­stellt hat, auch, wenn die Kapi­tal­ge­sell­schaft die geschul­de­ten Zins- und Til­gungs­zah­lun­gen aus dem Gesell­schaf­ter­dar­le­hen nicht erbringt.

Ver­zich­tet der Gesell­schaf­ter aber gegen­über der Kapi­tal­ge­sell­schaft auf sein Gesell­schaf­ter­dar­le­hen gegen Bes­se­rungs­schein, kann dies für Schuld­zin­sen, die auf das Refi­nan­zie­rungs­dar­le­hen gezahlt wer­den, bis zum Ein­tritt des Bes­se­rungs­falls zu einem Wech­sel des Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hangs der Auf­wen­dun­gen weg von den Kapi­tal­erträ­gen aus dem Gesell­schaf­ter­dar­le­hen hin zu den Betei­li­gungs­er­trä­gen gemäß § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG füh­ren. Ein sol­cher Wech­sel des Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hangs tritt ins­be­son­de­re ein, wenn der Gesell­schaf­ter durch den Ver­zicht auf Zins- und Til­gungs­an­sprü­che aus dem Gesell­schaf­ter­dar­le­hen die Eigen­ka­pi­tal­bil­dung und Ertrags­kraft der Gesell­schaft stär­ken will. Der Wech­sel des Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hangs hat zur Fol­ge, dass die Schuld­zin­sen aus dem Refi­nan­zie­rungs­dar­le­hen nun­mehr dem Wer­bungs­kos­ten­ab­zugs­ver­bot des § 20 Abs. 9, 2. Halb­satz EStG unter­lie­gen.

Um wenigs­tens 60 % der Refi­nan­zie­rungs­zin­sen abzie­hen zu kön­nen, muss der Gesell­schaf­ter spä­tes­tens mit Abga­be der Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung für das Jahr des For­de­rungs­ver­zichts gemäß § 32d Abs. 2 Nr. 3 EStG die Anwen­dung des sog. Teil­ein­künf­te­ver­fah­rens (§§ 3 Nr. 40, 3c Abs. 2 EStG) für die Divi­den­den aus der Kapi­tal­ge­sell­schaft und die damit im Zusam­men­hang ste­hen­den Wer­bungs­kos­ten bean­tra­gen, was im Streit­fall nicht erfolgt war. Dies soll­te zur Ver­mei­dung von Nach­tei­len in der Sanie­rungs­pra­xis bedacht wer­den.

sie­he auch: Urteil des VIII. Senats vom 24.10.2017 — VIII R 1916 -

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