(Kiel) Unter Ände­rung sei­ner bis­he­ri­gen Recht­spre­chung hat der Bun­des­fi­nanz­hof soeben ent­schie­den, dass Kos­ten eines Zivil­pro­zes­ses unab­hän­gig von des­sen Gegen­stand bei der Ein­kom­men­steu­er als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen berück­sich­tigt wer­den kön­nen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 13. Juli 2011 zum Urteil vom 12. Mai 2011 — VI R 4210.

Nach § 33 Abs. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes kön­nen bei der Berech­nung des zu ver­steu­ern­den Ein­kom­mens außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen abge­zo­gen wer­den. Außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen sind dem Steu­er­pflich­ti­gen zwangs­läu­fig ent­ste­hen­de grö­ße­re Auf­wen­dun­gen, die über die der über­wie­gen­den Mehr­zahl der Steu­er­pflich­ti­gen glei­cher Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se und glei­chen Fami­li­en­stands ent­ste­hen­den Kos­ten hin­aus­ge­hen. Kos­ten eines Zivil­pro­zes­ses hat­te die Recht­spre­chung bis­her nur aus­nahms­wei­se bei Rechts­strei­ten mit exis­ten­zi­el­ler Bedeu­tung für den Steu­er­pflich­ti­gen als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung aner­kannt.

Mit dem Urteil vom 12. Mai 2011 hat der BFH die­se enge Geset­zes­aus­le­gung auf­ge­ge­ben und ent­schie­den, so Pas­sau, dass Zivil­pro­zess­kos­ten unab­hän­gig vom Gegen­stand des Zivil­pro­zes­ses als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen berück­sich­tigt wer­den kön­nen.

Unaus­weich­lich sei­en der­ar­ti­ge Auf­wen­dun­gen aller­dings nur, wenn die Pro­zess­füh­rung hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg bie­te und nicht mut­wil­lig erschei­ne. Davon sei aus­zu­ge­hen, wenn der Erfolg des Zivil­pro­zes­ses min­des­tens eben­so wahr­schein­lich wie ein Miss­erfolg sei.

Im ent­schie­de­nen Fall war die Klä­ge­rin Anfang des Jah­res 2004 arbeits­un­fä­hig erkrankt. Nach­dem ihr Arbeit­ge­ber (nach sechs Wochen) sei­ne Gehalts­zah­lun­gen ein­stell­te, nahm die Klä­ge­rin ihre Kran­ken­ta­ge­geld­ver­si­che­rung in Anspruch. Nach rund einem hal­ben Jahr wur­de bei der Klä­ge­rin zusätz­lich zur Arbeits­un­fä­hig­keit auch Berufs­un­fä­hig­keit dia­gnos­ti­ziert. Auf­grund die­ses Befun­des stell­te die Kran­ken­ver­si­che­rung die Zah­lung des Kran­ken­ta­ge­gelds ein, weil nach Ein­tritt der Berufs­un­fä­hig­keit kei­ne Ver­pflich­tung zur Zah­lung von Kran­ken­ta­ge­geld mehr bestehe. Dar­auf­hin erhob die Klä­ge­rin erfolg­los Kla­ge auf Fort­zah­lung des Kran­ken­gel­des. Die Kos­ten des ver­lo­re­nen Zivil­pro­zes­ses in Höhe von rund 10.000 € mach­te die Klä­ge­rin in ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung gel­tend. Das Finanz­amt berück­sich­tig­te die­se Kos­ten jedoch nicht und wur­de dar­in zunächst vom Finanz­ge­richt (FG) bestä­tigt, denn die Klä­ge­rin lebe in intak­ter Ehe und kön­ne auf ein Fami­li­en­ein­kom­men von ca. 65.000 € “zurück­grei­fen”.

Der BFH hat das ange­foch­te­ne Urteil auf­ge­ho­ben und das Ver­fah­ren an das FG zurück­ver­wie­sen. Im zwei­ten Rechts­gang sei zu prü­fen, ob die Füh­rung des Pro­zes­ses gegen die Kran­ken­ver­si­che­rung aus dama­li­ger Sicht hin­rei­chen­de Aus­sicht auf Erfolg gehabt habe.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen und/oder steu­er­straf­recht­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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