(Kiel) Der VI. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat mit Urteil vom 20. März 2014 (VI R 5512) ent­schie­den, dass auch die Inan­spruch­nah­me von Dienst­leis­tun­gen, die jen­seits der Grund­stücks­gren­ze auf frem­dem, bei­spiels­wei­se öffent­li­chem Grund erbracht wer­den, als haus­halts­na­he Dienst­leis­tung nach § 35a des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) begüns­tigt sein kön­nen..

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 11.06.2014 zu sei­nem Urteil.

Im Streit­fall beauf­trag­ten die Klä­ger ein Unter­neh­men mit der Schnee­räu­mung der in öffent­li­chem Eigen­tum ste­hen­den Stra­ßen­front ent­lang des von ihnen bewohn­ten Grund­stücks. Aus­weis­lich der Rech­nung vom 2. Juni 2008 ent­stan­den ihnen hier­für Kos­ten in Höhe von 142,80 €. In ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung mach­ten sie die­sen Betrag als Auf­wen­dun­gen für die Inan­spruch­nah­me haus­halts­na­her Dienst­leis­tun­gen gel­tend. Das Finanz­amt gewähr­te die bean­trag­te Steu­er­ermä­ßi­gung für die Kos­ten der Schnee­be­sei­ti­gung jedoch nicht. Denn die Dienst­leis­tung sei außer­halb der Grund­stücks­gren­zen und damit nicht inner­halb des Haus­halts durch­ge­führt wor­den. Soweit Dienst­leis­tun­gen (z.B. Stra­ßen- und Geh­weg­rei­ni­gung, Win­ter­dienst) auf öffent­li­chem Gelän­de durch­ge­führt wür­den, sei­en sie nicht als haus­halts­na­he Dienst­leis­tun­gen nach § 35a EStG begüns­tigt.

Auf die Revi­si­on der Klä­gers hat der BFH die Vor­ent­schei­dung auf­ge­ho­ben und der Kla­ge statt­ge­ge­ben. Denn der Begriff “im Haus­halt” sei nicht räum­lich, son­dern funk­ti­ons­be­zo­gen aus­zu­le­gen. Daher wür­den die Gren­zen des Haus­halts i.S. des § 35a EStG nicht aus­nahms­los — unab­hän­gig von den Eigen­tums­ver­hält­nis­sen — durch die Grund­stücks­gren­zen abge­steckt. Es genü­ge, wenn die Dienst­leis­tung für den Haus­halt (zum Nut­zen des Haus­halts) erbracht wer­de. Es müs­se sich dabei aller­dings um Tätig­kei­ten han­deln, die ansons­ten übli­cher­wei­se von Fami­li­en­mit­glie­dern erbracht und in unmit­tel­ba­rem räum­li­chen Zusam­men­hang zum Haus­halt durch­ge­führt wer­den und dem Haus­halt die­nen. Hier­von sei ins­be­son­de­re aus­zu­ge­hen, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge als Eigen­tü­mer oder Mie­ter zur Rei­ni­gung und Schnee­räu­mung von öffent­li­chen Stra­ßen und (Geh)Wegen ver­pflich­tet sei. In einem sol­chen Fall sei­en Auf­wen­dun­gen für die Inan­spruch­nah­me haus­halts­na­her Dienst­leis­tun­gen in vol­lem Umfang und nicht nur antei­lig, soweit sie auf Pri­vat­ge­län­de ent­fal­len, nach § 35a EStG begüns­tigt.

Nach einem wei­te­ren Urteil des VI. Senats vom 20. März 2014 (VI R 5612) gilt ent­spre­chen­des bei der Inan­spruch­nah­me von Hand­wer­k­erleis­tun­gen für Reno­vie­rungs-, Erhal­tungs- und Moder­ni­sie­rungs­maß­nah­men (nicht aber bei einem Neu­bau), die in unmit­tel­ba­rem räum­li­chem Zusam­men­hang zum Haus­halt durch­ge­führt wer­den und dem Haus­halt die­nen. Im ent­schie­de­nen Fall war der Haus­halt des Steu­er­pflich­ti­gen nach­träg­lich an das öffent­li­che Ver­sor­gungs­netz ange­schlos­sen wor­den. Bei Haus­an­schlüs­sen han­de­le es sich zwar auch inso­weit als die Anschluss­lei­tung inner­halb des Pri­vat­grund­stücks des Anschluss­neh­mers ver­lau­fe um Betriebs­an­la­gen des Was­ser­ver­sor­gungs­un­ter­neh­mens. Gleich­wohl sei der Haus­an­schluss ins­ge­samt und damit auch, soweit er im öffent­li­chen Stra­ßen­raum ver­lau­fe, zum Haus­halt zu zäh­len und damit als Hand­wer­k­erleis­tung nach § 35a EStG begüns­tigt.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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