(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat ent­schie­den, dass Rei­se­kos­ten nur dann in Wer­bungs­kos­ten und Auf­wen­dun­gen für die pri­va­te Lebens­füh­rung auf­zu­tei­len sind, wenn die beruf­li­chen und pri­va­ten Ver­an­las­sungs­bei­trä­ge objek­tiv von­ein­an­der abge­grenzt wer­den kön­nen. Als sach­ge­rech­ter Auf­tei­lungs­maß­stab kommt dafür vor allem das Ver­hält­nis der beruf­lich und pri­vat ver­an­lass­ten Zeit­an­tei­le in Betracht.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf das am 02.06.2010 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 21. April 2010 — VI R 507.

Im Streit­fall ging es um den Abzug der Auf­wen­dun­gen, die einer Gym­na­si­al­leh­re­rin für Eng­lisch und Reli­gi­on anläss­lich einer acht­tä­gi­gen Fort­bil­dungs­rei­se für Eng­lisch­leh­rer nach Dub­lin, Irland, ent­stan­den waren. Die Rei­se, die von der Eng­lisch­leh­rer­ver­ei­ni­gung ange­bo­ten und durch­ge­führt wur­de und für die die Klä­ge­rin Dienst­be­frei­ung erhal­ten hat­te, lief nach einem fes­ten Pro­gramm ab, das kul­tu­rel­le Vor­trags­ver­an­stal­tun­gen und Besich­ti­gungs­ter­mi­ne, sowie einen Tages­aus­flug nach Bel­fast umfass­te. Finanz­amt und Finanz­ge­richt (FG) lehn­ten den Abzug der Auf­wen­dun­gen in vol­lem Umfang ab.

Der BFH hob die Vor­ent­schei­dung auf, so Pas­sau, und for­der­te das FG auf, erneut zu prü­fen, ob die Kos­ten der Bil­dungs­rei­se als beruf­lich ver­an­lass­te Auf­wen­dun­gen ganz oder zumin­dest teil­wei­se als Wer­bungs­kos­ten zu berück­sich­ti­gen sei­en. Zur Klä­rung der Ver­an­las­sungs­bei­trä­ge bei Teil­nah­me an einer Aus­lands­grup­pen­rei­se gel­ten nach Auf­fas­sung des BFH auch nach der geän­der­ten Recht­spre­chung des Gro­ßen Senats des BFH die frü­her von ihm ent­wi­ckel­ten Abgren­zungs­merk­ma­le grund­sätz­lich wei­ter. Haben nicht nur beruf­li­che Grün­de den Steu­er­pflich­ti­gen bewo­gen, die Rei­se­kos­ten zu tra­gen, so ist zu prü­fen, ob die beruf­li­chen und pri­va­ten Ver­an­las­sungs­bei­trä­ge objek­tiv von­ein­an­der abgrenz­bar sind.

Rei­se­kos­ten sind nur dann als Wer­bungs­kos­ten steu­er­lich abzieh­bar, wenn sie beruf­lich ver­an­lasst sind. Sind die­se Auf­wen­dun­gen sowohl beruf­lich als auch pri­vat ver­an­lasst (sog. gemisch­te Auf­wen­dun­gen), so kön­nen sie nach der geän­der­ten Recht­spre­chung des Gro­ßen Senats des BFH (Beschluss vom 21. Sep­tem­ber 2009 GrS 106) grund­sätz­lich in abzieh­ba­re Wer­bungs­kos­ten und nicht abzieh­ba­re Auf­wen­dun­gen für die pri­va­te Lebens­füh­rung nach Maß­ga­be der beruf­lich und pri­vat ver­an­lass­ten Zeit­an­tei­le der Rei­se auf­ge­teilt wer­den, wenn die beruf­lich ver­an­lass­ten Zeit­an­tei­le fest­ste­hen und nicht von unter­ge­ord­ne­ter Bedeu­tung sind.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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