(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat erneut über einen Ent­schä­di­gungs­an­spruch ent­schie­den, der wegen der über­lan­gen Dau­er eines finanz­ge­richt­li­chen Kla­ge­ver­fah­rens gel­tend gemacht wor­den war (sie­he bereits Pres­se­mit­tei­lung Nr. 27 vom 15. Mai 2013).

Dar­auf ver­weist Fach­an­walt für Erb-, Steu­er sowie Han­dels- und Gesell­schafts­recht Dr. Nor­bert Gie­se­ler aus der Nürn­ber­ger Kanz­lei Mein­hardt, Gie­se­ler & Part­ner, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 11.12.2013 zu sei­nem Urteil vom 7. Novem­ber 2013 — X K 1312.

In der aktu­el­len Ent­schei­dung hat der für alle Ent­schä­di­gungs­kla­gen aus dem Bereich der Finanz­ge­richts­bar­keit in ers­ter und letz­ter Instanz zustän­di­ge X. Senat des BFH erst­mals all­ge­mei­ne Leit­li­ni­en für die Beur­tei­lung der Ange­mes­sen­heit der Ver­fah­rens­dau­er finanz­ge­richt­li­cher Ver­fah­ren auf­ge­stellt.

Danach ist der Anspruch auf eine zügi­ge Erle­di­gung des Rechts­streits stets abzu­wä­gen mit dem Anspruch auf eine mög­lichst weit­ge­hen­de inhalt­li­che Rich­tig­keit und eine mög­lichst hohe Qua­li­tät gericht­li­cher Ent­schei­dun­gen, dem Grund­satz der Unab­hän­gig­keit der Rich­ter und dem Anspruch auf den gesetz­li­chen Rich­ter. Dem Aus­gangs­ge­richt steht ein erheb­li­cher Spiel­raum für die Gestal­tung sei­nes Ver­fah­rens zu. Mit zuneh­men­der Ver­fah­rens­dau­er ver­dich­tet sich aller­dings die Pflicht, sich nach­hal­tig um eine För­de­rung, Beschleu­ni­gung und Been­di­gung des Ver­fah­rens zu bemü­hen.

Da die gesetz­li­che Rege­lung (§ 198 des Gerichts­ver­fas­sungs­ge­set­zes) den kon­kre­ten Ein­zel­fall in den Vor­der­grund stellt, kön­nen kei­ne fes­ten Fris­ten bezeich­net wer­den, in denen ein Ver­fah­ren im Regel­fall abschlie­ßend erle­digt sein muss. Ange­sichts der im Ver­gleich zu ande­ren Gerichts­bar­kei­ten rela­tiv homo­ge­nen Fall­struk­tur in der Finanz­ge­richts­bar­keit kön­nen jedoch für bestimm­te Abschnit­te des Ver­fah­rens in zeit­li­cher Hin­sicht Ange­mes­sen­heits­ver­mu­tun­gen auf­ge­stellt wer­den. Bei finanz­ge­richt­li­chen Kla­ge­ver­fah­ren, die im Ver­gleich zu dem bei der­ar­ti­gen Ver­fah­ren typi­schen Ablauf kei­ne wesent­li­chen Beson­der­hei­ten auf­wei­sen, spricht eine Ver­mu­tung für die Ange­mes­sen­heit der Ver­fah­rens­dau­er, wenn das Gericht gut zwei Jah­re nach dem Ein­gang der Kla­ge mit Maß­nah­men beginnt, die das Ver­fah­ren einer Ent­schei­dung zufüh­ren sol­len, und die damit begon­ne­ne „akti­ve“ Pha­se des gericht­li­chen Han­delns nicht durch nen­nens­wer­te Zeit­räu­me unter­bro­chen wird, in denen das Gericht die Akte unbe­ar­bei­tet lässt.

Im kon­kre­ten Fall war ein Kla­ge­ver­fah­ren, mit dem ein höhe­rer Kin­der­geld­an­spruch gel­tend gemacht wur­de, ins­ge­samt acht Jah­re und neun Mona­te beim Finanz­ge­richt (FG) anhän­gig. Da der Fall in recht­li­cher Hin­sicht schwie­rig war und Sach­ver­halts­er­mitt­lun­gen im Aus­land erfor­der­te, war dem FG hier ein über­durch­schnitt­lich lan­ger Zeit­raum zur Bear­bei­tung des Ver­fah­rens ein­zu­räu­men. Gleich­wohl hat der BFH bei einer Betrach­tung aller Umstän­de des Ein­zel­falls eine Ver­zö­ge­rung um ins­ge­samt 43 Mona­te ange­nom­men, weil das Ver­fah­ren, auch wegen mehr­fa­chen Wech­sels des zustän­di­gen Bericht­erstat­ters, immer wie­der über län­ge­re Zeit­räu­me unbe­ar­bei­tet geblie­ben ist.

Der BFH hat hier zunächst durch Zwi­schen­ur­teil nur über den Ent­schä­di­gungs­an­spruch dem Grun­de nach ent­schie­den und die­sen bejaht. Die Ent­schei­dung über die Höhe der Ent­schä­di­gung ist dem noch aus­ste­hen­den End­ur­teil vor­be­hal­ten.

Dr. Gie­se­ler emp­fahl. dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wozu er u. a. auch auf den DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. – www.duv-verband.de – ver­wies.
 

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