(Kiel) Die Aus­übung des Vor­steu­er­ab­zugs nach § 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG setzt vor­aus, dass der Unter­neh­mer eine nach den §§ 14, 14 a UStG aus­ge­stell­te Rech­nung besitzt. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lie­gen auch vor, wenn in der Rech­nung eine vom Finanz­amt aus­ge­ge­be­ne Steu­er­num­mer ange­ge­ben wird, bei der es sich noch nicht um die Umsatz­steu­er­iden­ti­fi­ka­ti­ons­num­mer han­delt.

Dar­auf ver­weist der der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, auf­grund viel­fach bestehen­der Unsi­cher­hei­ten noch­mals unter Hin­weis auf ein am 18.03.2009 ver­öf­fent­lich­tes Urteil des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts vom 20.02.2009 — AZ.: 16 K 31108).

Die Klä­ge­rin war in dem Fall mit dem Rei­ni­gen von Schiffs- und Indus­trie­an­la­gen jeder Art durch Sand­strahl­ge­rä­te und ähn­li­che Ein­rich­tun­gen unter­neh­me­risch tätig. Ihre Leis­tun­gen erbrach­te sie mit eige­nem Per­so­nal oder durch Sub­un­ter­neh­men. Im Streit­jahr beauf­trag­te sie die Fir­ma “S.F. Schif­frei­ni­gung & Kor­ro­si­ons­schutz” — S.F. — mit Rei­ni­gungs­leis­tun­gen, nach­dem sie sich zuvor über das Unter­neh­men erkun­digt und eine Gewer­be­an­mel­dung vor­le­gen las­sen hat­te. Die Fir­ma S.F. erteil­te der Klä­ge­rin über ihre Leis­tun­gen Rech­nun­gen mit geson­der­tem Aus­weis der Umsatz­steu­er. Fer­ner wie­sen die Rech­nun­gen alle Rech­nungs­vor­aus­set­zun­gen nach § 14 UStG aus. Als Steu­er­num­mer war ange­ge­ben: “75/180 Wv”, Finanz­amt: B. Hier­bei han­del­te es sich um eine Kenn­zeich­nung, die das Finanz­amt B in sei­nen Schrift­sät­zen gegen­über der Fir­ma S.F. in Schrift­wech­seln unter „SteuerNr./Aktenzeichen” mit der Auf­for­de­rung ver­wand­te, sie bei Ant­wor­ten anzu­ge­ben. Eine Steu­er­num­mer war für die Fir­ma S.F. nicht ver­ge­ben.

Die Klä­ge­rin hat die Vor­steu­ern aus die­sen Rech­nun­gen in der Umsatz­steu­er­jah­res­er­klä­rung gel­tend gemacht. Das Finanz­amt erkann­te die Vor­steu­ern jedoch nicht an und setz­te die Umsatz­steu­er ent­spre­chend höher fest. Der dage­gen ein­ge­leg­te Ein­spruch war erfolg­los. Hier­ge­gen rich­tet sich die Kla­ge.

Die Klä­ge­rin macht gel­tend, es lägen sämt­li­che Vor­aus­set­zun­gen für den Vor­steu­er­ab­zug zu. Sie habe der Fir­ma S.F. Auf­trä­ge erteilt und nach Aus­füh­rung der Leis­tun­gen dar­über Rech­nun­gen mit geson­dert aus­ge­wie­se­ner Umsatz­steu­er erhal­ten. Sie sei davon aus­ge­gan­gen, dass es sich bei der in den Rech­nun­gen ange­ge­be­nen Steu­er­num­mer um eine gül­ti­ge Steu­er­num­mer des Finanz­am­tes han­del­te. Ent­ge­gen­ste­hen­des sei für sie nicht erkenn­bar gewe­sen. Das Finanz­amt war der Auf­fas­sung, die Vor­aus­set­zun­gen für den Vor­steu­er­ab­zug lägen nicht vor, da gemäß § 14 UStG eine Rech­nung die Steu­er­num­mer des leis­ten­den Unter­neh­mers ent­hal­ten müs­se.

Mit die­ser Auf­fas­sung unter­lag das Finanz­amt jedoch nun vor dem Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richt, betont Pas­sau. Die Kla­ge des Unter­neh­mers sei begrün­det.

Gemäß § 15 Abs. 1 Nr. 1 UStG kön­ne der Unter­neh­mer die gesetz­lich geschul­de­te Steu­er für Lie­fe­run­gen und sons­ti­ge Leis­tun­gen abzie­hen, die von einem ande­ren Unter­neh­mer für sein Unter­neh­men aus­ge­führt wor­den sind. Die Aus­übung des Vor­steu­er­ab­zugs set­ze nach Satz 2 die­ser Rege­lung vor­aus, dass der Unter­neh­mer eine nach den §§ 14, 14 a UStG aus­ge­stell­te Rech­nung besitzt. Die­se Vor­aus­set­zun­gen lägen hier vor. Die Klä­ge­rin ver­fügt über Rech­nun­gen der Fir­ma S.F., die die in den Rech­nun­gen abge­rech­ne­ten Leis­tun­gen ver­ein­ba­rungs­ge­mäß für das Unter­neh­men der Klä­ge­rin erbracht hat­te. Leis­tungs­er­brin­ger und Rech­nungs­aus­stel­ler sei­en damit iden­tisch. Die von der Fir­ma S.F. erteil­ten Rech­nun­gen ent­hal­ten alle Rech­nungs­merk­ma­le nach § 14 Abs. 4 UStG. Der Vor­steu­er­ab­zug schei­te­re auch nicht dar­an, dass in den Rech­nun­gen als Steu­er­num­mer  “75/180 Wv”, Finanz­amt: B ange­ge­ben sei.

Die Unrich­tig­keit sei für den Rech­nungs­emp­fän­ger nicht erkenn­bar gewe­sen. Dabei kön­ne dahin­ge­stellt blei­ben, ob es sich bei die­ser Anga­be nicht bereits um eine Steu­er­num­mer han­del­te, wie sie in § 14 Abs. 4 Zif­fer 2 UStG in Rech­nun­gen gefor­dert wer­de. Denn für die Fir­ma S.F. war dies die ihr vom Finanz­amt B zur Zeit der Rech­nungs­da­ten zuge­ord­ne­te Steu­er­num­mer. Das Finanz­amt B habe sie selbst auch als Steu­er­num­mer („SteuerNr./ Akten­zei­chen”) bezeich­net. Da sie von der Steu­er­ver­wal­tung erteilt wur­de, sei sie zumin­dest nach all­ge­mei­nem Ver­ständ­nis eine Steu­er­num­mer. Sie erfüll­te auch den Zweck der Anga­be der Steu­er­num­mer, den Rech­nungs­aus­stel­ler steu­er­lich iden­ti­fi­zie­ren zu kön­nen.

Selbst wenn man davon aus­gin­ge, dass es sich dabei um kei­ne Steu­er­num­mer im Sin­ne des § 14 Abs. 4 Zif­fer 2 UStG han­del­te, hät­te die Fir­ma S.F. kei­ne tech­ni­sche Steu­er­num­mer im Sin­ne der Rege­lung ange­ben kön­nen, weil nach den Anga­ben der Betei­lig­ten bis heu­te kei­ne sol­che ver­ge­ben ist. Dies wie­der­um wäre als eine unver­hält­nis­mä­ßi­ge Maß­nah­me einer natio­na­len Behör­de zu qua­li­fi­zie­ren, die den Vor­steu­er­ab­zug im Sin­ne des EuGH-Urteils vom 14.07.1988 unmög­lich machen oder in unzu­läs­si­ger Wei­se erschwe­ren wür­de.

Die Klä­ge­rin habe mit der Vor­la­ge der Gewer­be­an­mel­dung durch die Fir­ma S.F. das ihr zumut­ba­re getan, um sich des Bestehens des Unter­neh­mens zu ver­ge­wis­sern, zumal es für sie kei­ne Anhalts­punk­te für Unre­gel­mä­ßig­keit oder unred­li­che Geschäf­te gab. Die Klä­ge­rin konn­te auch davon aus­ge­hen, dass mit der Gewer­be­an­mel­dung eine ent­spre­chen­de Mit­tei­lung an das zustän­di­ge Finanz­amt erfol­gen wür­de und damit ver­bun­den der Fir­ma eine Steu­er­num­mer erteilt wer­den wür­de. Selbst wenn in den Rech­nun­gen kei­ne dem Unter­neh­men S.F. zuge­teil­te offi­zi­el­le Steu­er­num­mer aus­ge­wie­sen sein soll­te, konn­te sie auf die Anga­ben der als Steu­er­num­mer ange­ge­be­nen Kenn­num­mer in den Rech­nun­gen ver­trau­en, weil die Kenn­zeich­nung selbst vom zustän­di­gen Finanz­amt B als sol­che ver­wandt wur­de. Eine Ver­sa­gung des Vor­steu­er­ab­zugs kön­ne dar­aus nicht abge­lei­tet wer­den.

Pas­sau emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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