(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat dem Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richt die Fra­ge vor­ge­legt, ob es mit dem all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz (Art. 3 Abs. 1 des Grund­ge­set­zes -GG-) ver­ein­bar ist, dass der Arbeit­ge­ber für bestimm­te Lohn­ein­künf­te sei­ner Arbeit­neh­mer zwangs­wei­se pau­scha­le Lohn­steu­er zu zah­len hat, durch die er selbst defi­ni­tiv belas­tet wird.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 29.01.2014 zu sei­nen Beschlüs­sen vom 14.11.2013, Az. VI R 3912 und VI R 5012.

1. Zah­lun­gen des Arbeit­ge­bers an eine Pen­si­ons­kas­se füh­ren regel­mä­ßig bei den begüns­tig­ten Arbeit­neh­mern zu Arbeits­lohn. Dies gilt seit dem Jah­res­steu­er­ge­setz 2007 nicht nur für lau­fen­de Zah­lun­gen, son­dern auch für Son­der­zah­lun­gen, die der Arbeit­ge­ber leis­ten muss, wenn er eine Ver­sor­gungs­ein­rich­tung — im Streit­fall han­del­te es sich um die Ver­sor­gungs­an­stalt des Bun­des und der Län­der (VBL) — ver­lässt. Die­se sog. Gegen­wert­zah­lun­gen wer­den erho­ben, weil der aus der Pen­si­ons­kas­se aus­schei­den­de Arbeit­ge­ber künf­tig kei­ne Umla­ge­zah­lun­gen mehr an die Pen­si­ons­kas­se leis­tet, die­se jedoch die Betriebs­ren­ten fort­zu­zah­len hat.

Gegen­wert­zah­lun­gen unter­lie­gen gemäß § 40b des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) einer pau­scha­len Lohn­steu­er von 15 %. Obwohl es sich um Lohn­ein­künf­te der Arbeit­neh­mer han­delt, bestimmt das Gesetz (§ 40b Abs. 4, Abs. 5 Satz 1 EStG), dass der Arbeit­ge­ber die­se Steu­er zu erbrin­gen und end­gül­tig zu tra­gen hat.

2. Dies ver­stößt nach Auf­fas­sung des BFH gegen den all­ge­mei­nen Gleich­heits­satz, weil damit der Arbeit­ge­ber im Gegen­satz zu allen ande­ren Ein­kom­men­steu­er­pflich­ti­gen ver­pflich­tet wird, die Ein­kom­men­steu­er für eine ande­re Per­son zu tra­gen. Zwar sieht das EStG auch für ande­re Fäl­le eine pau­scha­le Lohn­steu­er vor, etwa wenn der Arbeit­ge­ber sei­nen Arbeit­neh­mern ver­bil­ligt Mahl­zei­ten gewährt. In allen die­sen Fäl­len hat der Arbeit­ge­ber jedoch die Wahl, ob er die hier­auf geschul­de­te Lohn­steu­er — so der Regel­fall — vom Arbeits­lohn des Arbeit­neh­mers abzieht und an das Finanz­amt abführt oder ob er die (meist güns­ti­ge­re) pau­scha­le Lohn­steu­er selbst zahlt.

3. Der BFH hat sich in sei­ner Vor­la­ge aller­dings nicht der Auf­fas­sung des Arbeit­ge­bers ange­schlos­sen, bereits die Qua­li­fi­zie­rung die­ser Zah­lun­gen als Lohn­ein­künf­te der Arbeit­neh­mer sei ver­fas­sungs­wid­rig. Eben­so wenig hat er die Beden­ken des Arbeit­ge­bers geteilt, es sei mit Art. 3 Abs. 1 GG nicht ver­ein­bar, dass Gegen­wert­zah­lun­gen steu­er­pflich­tig, Sanie­rungs­gel­der dage­gen steu­er­frei sei­en. Sanie­rungs­gel­der erhebt die VBL von ihren Mit­glie­dern über die gewöhn­li­chen Umla­gen hin­aus zur Deckung eines zusätz­li­chen Finan­zie­rungs­be­darfs, z. B. wegen gestie­ge­ner Lebens­er­war­tung der Rent­ner, für die vor dem 1. Janu­ar 2002 begrün­de­ten Anwart­schaf­ten und Ansprü­che. Die Pri­vi­le­gie­rung der Gegen­wert­zah­lung gegen­über den Sanie­rungs­gel­dern sei — so der BFH — durch hin­rei­chen­de Grün­de gerecht­fer­tigt, weil ohne die Steu­er­frei­heit der Sanie­rungs­gel­der der Sys­tem­wech­sel der VBL zum sog. Punk­te­mo­dell gefähr­det gewe­sen, das bis­he­ri­ge Gesamt­ver­sor­gungs­sys­te­men auf Dau­er aber nicht mehr finan­zier­bar gewe­sen wäre.

Pas­sau emp­fahl, den Aus­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.
 

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Jörg Pas­sau
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