(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat ent­schie­den, dass eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung grund­sätz­lich nicht als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung abzieh­bar ist.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 25.06.2014 zu sei­nem Urteil vom 11. Febru­ar 2014 — IX R 4213.

Die Klä­ge­rin ver­äu­ßer­te ein von ihr im Jah­re 1999 erwor­be­nes und seit­dem ver­mie­te­tes Immo­bi­li­en­ob­jekt im Jahr 2010. Im Ver­äu­ße­rungs­ver­trag hat­te sich die Klä­ge­rin zur las­ten­frei­en Über­tra­gung des Grund­stü­ckes ver­pflich­tet. Im Zuge der Ablö­sung einer Rest­schuld aus den zur Finan­zie­rung der Anschaf­fungs­kos­ten des Objekts auf­ge­nom­me­nen Dar­le­hen hat­te die Klä­ge­rin Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gun­gen zu leis­ten, die sie im Rah­men ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung gel­tend mach­te. Das Finanz­amt berück­sich­tig­te die Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gun­gen nicht. Kla­ge und Revi­si­on der Klä­ge­rin hat­ten kei­nen Erfolg.

Schuld­zin­sen, die mit Ein­künf­ten in einem wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang ste­hen, zäh­len nach § 9 Abs. 1 Satz 3 Nr. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes zu den Wer­bungs­kos­ten. Der Begriff der Schuld­zin­sen umfasst auch eine zur vor­zei­ti­gen Ablö­sung eines Dar­le­hens gezahl­te Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung; denn die­se ist Nut­zungs­ent­gelt für das auf die ver­kürz­te Lauf­zeit in Anspruch genom­me­ne Fremd­ka­pi­tal. Im Streit­fall konn­te die Klä­ge­rin die geleis­te­ten Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gun­gen gleich­wohl nicht bei ihren Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung gel­tend machen; es fehl­te inso­weit an einem wirt­schaft­li­chen Zusam­men­hang (sog. Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hang) mit steu­er­ba­ren Ein­künf­ten. Zwar beruht eine Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung auf dem ursprüng­li­chen Dar­le­hen, das mit Blick auf die Finan­zie­rung der Anschaf­fungs­kos­ten einer fremd­ver­mie­te­ten Immo­bi­lie auf­ge­nom­men wur­de. Jedoch ist das für die Annah­me eines Ver­an­las­sungs­zu­sam­men­hangs maß­geb­li­che „aus­lö­sen­de Moment“ nicht der sei­ner­zei­ti­ge Abschluss des Dar­le­hens­ver­trags, son­dern gera­de des­sen vor­zei­ti­ge Ablö­sung. Die­se mit der Dar­le­hens­gläu­bi­ge­rin ver­ein­bar­te Ver­trags­an­pas­sung hat die Klä­ge­rin aber nur vor­ge­nom­men, weil sie sich zur las­ten­frei­en Ver­äu­ße­rung des Grund­stücks ver­pflich­tet hat­te. Ein wirt­schaft­li­cher Zusam­men­hang besteht daher gera­de nicht zwi­schen der Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung und der vor­ma­li­gen Ver­mie­tung der Immo­bi­lie, son­dern zwi­schen der Vor­fäl­lig­keits­ent­schä­di­gung und der Ver­äu­ße­rung der Immo­bi­lie.

Der BFH hat betont, dass auch sei­ne aktu­el­le Recht­spre­chung zum Abzug nach­träg­li­cher Schuld­zin­sen (BFH-Urteil vom 20. Juni 2012 IX R 6710, BFHE 237, 368, BSt­Bl II 2013, 275; sie­he auch BFH-Urteil vom 8. April 2014 IX R 4513, www.bundesfinanzhof.de, Pres­se­mit­tei­lung Nr. 3714 vom 14. Mai 2014) an die­sem Ergeb­nis nichts zu ändern ver­moch­te. Denn die Klä­ge­rin konn­te die im Ver­äu­ße­rungs­zeit­punkt noch bestehen­den Dar­le­hens­ver­bind­lich­kei­ten voll­stän­dig durch den aus der Ver­äu­ße­rung der Immo­bi­lie erziel­ten Erlös til­gen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.
 

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