(Kiel) Zufalls­er­kennt­nis­se, die bei einer gegen einen ande­ren Beschul­dig­ten durch­ge­führ­ten Tele­fon­über­wa­chung gewon­nen wor­den sind, dür­fen in einem Besteue­rungs­ver­fah­ren gegen den Betrof­fe­nen (hier: Inan­spruch­nah­me als Haf­ten­der wegen Bege­hung oder Betei­li­gung an einer Straf­tat) nicht ver­wen­det wer­den (Ver­wer­tungs­ver­bot), wenn die dem Betrof­fe­nen im Haf­tungs­be­scheid zur Last geleg­te Straf­tat straf­pro­zess­recht­lich die Anord­nung einer Tele­fon­über­wa­chung nicht gerecht­fer­tigt hät­te.

Dar­auf ver­weist Fach­an­walt für Erb-, Steu­er sowie Han­dels- und Gesell­schafts­recht Dr. Nor­bert Gie­se­ler aus der Nürn­ber­ger Kanz­lei Mein­hardt, Gie­se­ler & Part­ner, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 27.11.2013 zu sei­nem Beschluss vom 24. April 2013 (VII B 20212).

Das Haupt­zoll­amt hat­te den Klä­ger als Haf­ten­den für Tabak­steu­er in Anspruch genom­men. Ihm wur­de im Haf­tungs­be­scheid zur Last gelegt, den Ver­kauf von unver­zoll­ten und nicht ver­steu­er­ten Ziga­ret­ten zwi­schen Drit­ten ver­mit­telt zu haben. Der Ver­käu­fer der Ziga­ret­ten war des­halb vom Amts­ge­richt wegen gewerbs­mä­ßi­ger Steu­er­heh­le­rei ver­ur­teilt wor­den. Dem Klä­ger konn­te im Straf­ver­fah­ren eine Betei­li­gung aller­dings nicht nach­ge­wie­sen wer­den. Im Haf­tungs­be­scheid ging das Haupt­zoll­amt gleich­wohl davon aus, dass der Klä­ger den Ver­kauf ver­mit­telt habe und stütz­te sich dabei auf die Pro­to­kol­le einer (aus ande­ren Grün­den ange­ord­ne­ten) Tele­fon­über­wa­chung aus dem Jahr 2007. Nach damals gel­ten­dem Recht durf­te eine Tele­fon­über­wa­chung wegen des Ver­dachts der Bege­hung von Steu­er­straf­ta­ten nicht ange­ord­net wer­den. Das Finanz­ge­richt hat den Haf­tungs­be­scheid auf­ge­ho­ben mit der Begrün­dung, die zufäl­li­gen Erkennt­nis­se aus der Tele­fon­über­wa­chung dürf­ten gegen den Klä­ger nicht ver­wer­tet wer­den.

Die­se Rechts­an­sicht hat der BFH für offen­sicht­lich zutref­fend erklärt, ohne dass dies in einem Revi­si­ons­ver­fah­ren geprüft wer­den müs­se. § 477 Abs. 2 der Straf­pro­zess­ord­nung (StPO) las­se die Ver­wer­tung in einem ande­ren Straf­ver­fah­ren gewon­ne­ner Erkennt­nis­se nur zu, wenn die­se durch die betref­fen­de Maß­nah­me auch unmit­tel­bar zur Auf­klä­rung der dem Beschul­dig­ten bzw. Haf­tungs­schuld­ner vor­ge­wor­fe­nen Straf­tat hät­ten gewon­nen wer­den kön­nen. Zufalls­er­kennt­nis­se aus einer Tele­fon­über­wa­chung dürf­ten jedoch zu Beweis­zwe­cken nur ver­wer­tet wer­den, wenn sich die Erkennt­nis­se auf Kata­log­ta­ten im Sin­ne des § 100a StPO bezö­gen. Selbst nach der inzwi­schen in Kraft getre­te­nen Neu­fas­sung die­ser Vor­schrift gehört dazu die ein­fa­che (d.h. nicht gewerbs- oder ban­den­mä­ßig began­ge­ne) Steu­er­heh­le­rei nicht.

Dr. Gie­se­ler emp­fahl. dies zu beach­ten und in allen Zwei­fels­fra­gen Rechts­rat ein­zu­ho­len, wozu er u. a. auch auf den DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. – www.duv-verband.de – ver­wies.
 

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