(Kiel) Das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz hat sich soeben zu der Fra­ge geäu­ßert, ob ver­lo­re­ne Auf­wen­dun­gen im Rah­men eines Haus­baus als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen (agBel) berück­sich­tigt wer­den kön­nen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel unter Hin­weis auf das am 04.05.2010 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Finanz­ge­richts (FG) Rhein­land-Pfalz vom 24. März 2010 zur Ein­kom­men­steu­er 2005, Az.: 2 K 1029/09.

Im Streit­fall hat­ten die Klä­ger mit der A‑GmbH im Juni 2005 einen Ver­trag über die Errich­tung eines gemischt­ge­nutz­ten Ein­fa­mi­li­en­hau­ses (EFH) zu einem ver­ein­bar­ten Preis von rd. 220.000.- € geschlos­sen. Gemäß dem Zah­lungs­plan stell­te das Unter­neh­men noch im Juni 2005 einen Betrag von rd. 44.000.- € in Rech­nung. Die Klä­ger zahl­ten, ohne dass mit dem Bau begon­nen wur­de; danach fiel das Unter­neh­men in Insol­venz. Die Eröff­nung des Insol­venz­ver­fah­rens wur­de noch im Jah­re 2005 man­gels Mas­se abge­wie­sen. Im Okto­ber schlos­sen die Klä­ger einen wei­te­ren Ver­trag zur Errich­tung des EFH zu rd. 233.000 € mit der B‑GmbH ab, im April 2006 wur­de der Neu­bau abge­nom­men.

In ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung für das Jahr 2005 mach­ten die Klä­ger einen Betrag von rd. 59.000.- € (=ver­lo­re­ne Zah­lung rd. 44.000 € an die A‑GmbH, rd. 13.000.- € Preis­dif­fe­renz zwi­schen A‑GmbH und B‑GmbH sowie wei­te­re Kos­ten) als agBel gel­tend. Die Auf­wen­dun­gen sei­en als agBel abzugs­fä­hig, weil sie nicht der über­wie­gen­den Mehr­zahl der Steu­er­pflich­ti­gen glei­chen Ein­kom­mens- und Ver­mö­gens­ver­hält­nis­sen erwach­sen wür­den. Bei einem übli­chen Bau fie­len sol­che Kos­ten nicht an, sie hät­ten sich die­sen Kos­ten aus recht­li­chen, tat­säch­li­chen und sitt­li­chen Grün­den nicht ent­zie­hen kön­nen. Die Zwangs­läu­fig­keit der Auf­wen­dun­gen erge­be sich aus der Insol­venz der A‑GmbH, die sie nicht per­sön­lich oder wil­lent­lich her­bei­ge­führt hät­ten.

Dem­ge­gen­über berück­sich­tig­te das Finanz­amt (FA) nur einen gerin­gen Teil der gel­tend gemach­ten Kos­ten im Zusam­men­hang mit einer beab­sich­tig­ten gewerb­li­chen Nut­zung und lehn­te die Aner­ken­nung der übri­gen Auf­wen­dun­gen bei den agBel ab.

Die Kla­ge, mit der die Klä­ger die steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung sämt­li­cher Auf­wen­dun­gen im Streit­jahr 2005 begehr­ten, hat­te jedoch kei­nen Erfolg, so betont Pas­sau.

Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te u.a. aus, hin­sicht­lich der gel­tend gemach­ten Preis­dif­fe­renz in Höhe von rd. 13.000.- €, han­de­le es sich um Auf­wen­dun­gen, die von den Klä­gern zur Errich­tung des Hau­ses geleis­tet wor­den sei­en. Die­se sei­en zwin­gend Teil der Her­stel­lungs- oder Anschaf­fungs­kos­ten des neu errich­te­ten Hau­ses gewor­den und könn­ten zusam­men mit den übri­gen Her­stel­lungs­kos­ten — über einen jähr­li­chen AfA-Betrag ab 2006 — abge­schrie­ben wer­den.

Im Übri­gen sei­en kei­ne agBel der Klä­ger gege­ben. Soweit im Streit­fall die A‑GmbH nach Zah­lung aber vor Leis­tungs­er­brin­gung in Insol­venz gegan­gen sei, habe sich ledig­lich das jeder rechts­ge­schäft­li­chen Ver­pflich­tung imma­nen­te Risi­ko einer Leis­tungs­stö­rung rea­li­siert. Dies sei nicht außer­ge­wöhn­lich. Die wesent­li­che Ursa­che, die zu dem den Klä­gern ent­stan­de­nen Scha­den geführt habe, sei der Abschluss eines Ver­tra­ges auf Errich­tung eines EFH gewe­sen. Die­ser Ver­trag habe die ent­spre­chen­de Zah­lungs­ver­pflich­tung aus­ge­löst. Dar­aus fol­ge, dass der Abschluss der von den Klä­gern ein­ge­gan­ge­nen Ver­trä­ge als das die strei­ti­gen Auf­wen­dun­gen aus­lö­sen­de Ereig­nis nicht auf einer Zwangs­läu­fig­keit beru­he, wie sie für agBel not­wen­dig sei. Die Klä­ger sei­en näm­lich nicht gezwun­gen gewe­sen, ein ihren Wohn­be­dürf­nis­sen ent­spre­chen­des Haus zu erwer­ben.

Die Revi­si­on wur­de nicht zuge­las­sen, das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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