(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat soeben ent­schie­den, dass der Ver­kauf von erwärm­ten Pop­corn und Nachos in Kinos durch den Kino­be­trei­ber dem ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz von 7 % unter­liegt.

Das FA hat­te bei sei­ner gegen­tei­li­gen Ent­schei­dung zu Unrecht berück­sich­tigt, dass im Kino-Foy­er Ver­zehr­t­re­sen, Tische und Stüh­le vor­han­den waren, die auch zum Ver­zehr der Spei­sen benutzt wer­den konn­ten, aber allen Kino­be­su­chern zur Ver­fü­gung stan­den.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 19.10.2011 zu sei­nem Urteil vom 30. Juni 2011 — V R 307.

Die ent­schei­dungs­er­heb­li­che Rechts­fra­ge, ob es sich bei der Abga­be von zube­rei­te­ten Spei­sen um eine Lie­fe­rung han­delt oder ob damit ver­bun­de­ne Dienst­leis­tungs­ele­men­te — wie die Zube­rei­tung der Spei­sen, die Über­las­sung von Besteck und das Bereit­hal­ten von Ver­zehr­vor­rich­tun­gen (Ver­zehrthe­ken, Tische und Stüh­le) — den Umsatz ins­ge­samt als Dienst­leis­tung qua­li­fi­zie­ren, war Gegen­stand des Urteils des Gerichts­ho­fes der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) vom 10. März 2011 zum Umsatz­steu­er­satz bei der Abga­be von Spei­sen zum sofor­ti­gen Ver­zehr durch Imbiss­stän­de (Az. C-497/09 und C-501/09), durch einen Par­ty­ser­vice (Az. C-502/09) und zu dem die­sem Urteil des BFH vom 30. Juni 2011 zugrun­de lie­gen­den Fall beim Ver­kauf von Pop­corn und Nachos durch einen Kino­be­trei­ber (Az. C-499/09). Die Abgren­zung von Dienst­leis­tun­gen und Lie­fe­run­gen ist dabei inso­fern ent­schei­dend, als die Begüns­ti­gung von im Umsatz­steu­er­ge­setz (UStG) näher umschrie­be­nen Lebens­mit­tel­zu­be­rei­tun­gen durch Besteue­rung mit dem ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz nach § 12 Abs. 2 Nr. 1 UStG deren Lie­fe­rung vor­aus­setzt und Dienst­leis­tun­gen daher nicht begüns­tigt sind.

Der EuGH hat­te hier­zu ent­schie­den, dass die Zube­rei­tung des war­men End­pro­duk­tes allein dem Umsatz nicht den Cha­rak­ter einer Dienst­leis­tung ver­leiht, wenn sie sich auf ein­fa­che, stan­dar­di­sier­te Hand­lun­gen beschränkt, die nicht auf Bestel­lung eines bestimm­ten Kun­den, son­dern ent­spre­chend der all­ge­mein vor­her­seh­ba­ren Nach­fra­ge vor­ge­nom­men wer­den. Tre­ten — wie in der Regel bei Imbiss­stän­den und in Kinos — in die­sen Fäl­len kei­ne für Restau­ra­ti­ons­um­sät­ze cha­rak­te­ris­ti­schen Dienst­leis­tungs­be­stand­tei­le hin­zu (wie z.B. Kell­ner­ser­vice, Bera­tung oder die Bereit­stel­lung von Mobi­li­ar, wenn die­ses nur der Ein­nah­me der Spei­sen dient), han­delt es sich um eine Lie­fe­rung, die bei Vor­lie­gen der übri­gen Vor­aus­set­zun­gen dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz unter­liegt. Han­delt es sich dem­ge­gen­über nicht um Stan­dard­spei­sen, son­dern erfor­dert deren Zube­rei­tung mehr Arbeit, Sach­ver­stand und Krea­ti­vi­tät, wer­den dem Kun­den Menue­fol­gen ange­bo­ten oder erfolgt die Abga­be zu einem fest­ge­leg­ten Zeit­punkt, wie dies regel­mä­ßig bei einem Par­ty­ser­vice der Fall ist, ist die Dienst­leis­tung der domi­nie­ren­de Bestand­teil des Umsat­zes.

Der BFH hat dem fol­gend im vor­lie­gen­den Urteil vom 30. Juni 2011 ent­schie­den, so Pas­sau, dass die Umsät­ze dem ermä­ßig­ten Steu­er­satz unter­lie­gen; es han­de­le sich beim Ver­kauf von Pop­corn und Nachos um die Abga­be von Stan­dard­spei­sen.

Im dem zu ent­schei­den­den Fall hät­ten — ent­ge­gen der Auf­fas­sung des FA — kei­ne prä­gen­den Restau­ra­ti­ons­leis­tun­gen zum Ange­bot gehört. Denn als Dienst­leis­tungs­ele­ment darf bereit­ge­stell­tes Mobi­li­ar des Leis­ten­den nicht zu berück­sich­tigt wer­den, wenn es — anders als im ent­schie­de­nen Fall die Tische und Stüh­le im Kino-Foy­er — nicht aus­schließ­lich dazu bestimmt ist, den Ver­zehr von Lebens­mit­teln zu erleich­tern.

 Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.
 

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