(Kiel) Vor dem Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richt hat­ten soeben die Kla­gen eines jun­ges Bau­her­ren-Ehe­paar Erfolg, das sich gegen die vom Finanz­amt fest­ge­setz­te Grund­er­werb­steu­er wehr­te, weil das Finanz­amt als Bemes­sungs­grund­la­ge für die Grund­er­werb­steu­er nicht nur den Kauf­preis für das unbe­bau­te Grund­stück, son­dern auch die Bau­sum­me für das her­zu­stel­len­de Gebäu­de zugrun­de­leg­te.

Die ange­foch­te­nen Grund­er­werb­steu­er-Fest­set­zun­gen wur­den um ins­ge­samt mehr als drei­tau­send Euro her­ab­ge­setzt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts (NFG) zu sei­nen Urtei­len vom 7.02.2012, Az. 7 K 19209 und 7 K 19309.

Die Klä­ger hat­ten im Jahr 2005 ein unbe­bau­tes Grund­stück erwor­ben. Zwei Wochen nach dem nota­ri­el­len Grund­stücks­über­tra­gungs­ver­trag schlos­sen sie mit einem Bau­un­ter­neh­men einen Bau­ver­trag über eine Dop­pel­haus­hälf­te, in dem der Bau­trä­ger Umsatz­steu­er aus­wies, die die Klä­ger als End­ver­brau­cher jedoch nicht als Vor­steu­er in Abzug brin­gen konn­ten. Das Finanz­amt leg­te als Bemes­sungs­grund­la­ge für die Grund­er­werb­steu­er nicht nur den Kauf­preis für das unbe­bau­te Grund­stück, son­dern auch die Bau­sum­me für das her­zu­stel­len­de Gebäu­de zugrun­de. Hier­ge­gen wand­ten sich die Klä­ger.

Der kon­sen­tier­te Ein­zel­rich­ter des 7. Senats des Nie­der­säch­si­schen Finanz­ge­richts (NFG) gab dem Kla­ge­be­geh­ren statt, so Pas­sau.

Die Auf­wen­dun­gen aus einem Bau­er­rich­tungs­ver­trag (zivil­recht­lich: Werk­ver­trag), der im Zusam­men­hang mit dem Erwerb eines unbe­bau­ten Grund­stücks abge­schlos­sen wer­de und der für den Bau­herrn eine Umsatz­steu­er­be­las­tung aus­lö­se, unter­lä­gen nicht der Grund­er­werb­steu­er. Inso­fern sei­en die Vor­aus­set­zun­gen für die Fest­set­zung einer Grund­er­werb­steu­er gemäß § 1 Abs. 1 Nr. 1 des Grund­er­werb­steu­er­ge­set­zes nicht erfüllt, denn die Vor­schrift ver­lan­ge ein Rechts­ge­schäft, das den „Anspruch auf Über­eig­nung” begrün­de. Die­se Maß­ga­be erfül­le ein Bau­er­rich­tungs­ver­trag nicht. Ent­spre­chend sei Bemes­sungs­grund­la­ge für die Grund­er­werb­steu­er ledig­lich der Kauf­preis für das unbe­bau­te Grund­stück.

Das NFG folgt damit der Recht­spre­chung der für Umsatz­steu­er zustän­di­gen Sena­te des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH), nach der die Ver­schaf­fung eines Grund­stücks in einem Zustand, den die­ses erst künf­tig durch Bebau­ung erhal­ten soll, nicht wie der Erwerb eines bebau­ten Grund­stücks durch einen ein­heit­li­chen Erwerbs­ver­trag erfüllt wer­den kann (Hin­weis auf BFH-Urteil vom 10.9.1992 — V R 9988, BSt­Bl. II 1993, S. 316). Im Gegen­satz dazu fasst der für Grund­er­werb­steu­er zustän­di­ge Senat des BFH regel­mä­ßig die noch aus­zu­füh­ren­den Bau­leis­tun­gen mit Lie­fe­run­gen von unbe­bau­ten Grund­stü­cken zu „ein­heit­li­chen Leis­tungs­ge­gen­stän­den” zusam­men (z.B. BFH-Urteil vom 27.10. 1999 — II R 1799, BSt­Bl. II 2000, S. 34). Auf die­se Recht­spre­chung hat­te sich das Finanz­amt gestützt.

Das NFG hat die Revi­si­on mit der Anre­gung zuge­las­sen wegen der diver­gie­ren­den Recht­spre­chung inner­halb des BFH den Gro­ßen Senat des BFH anzu­ru­fen. Ein Az. des BFH liegt noch nicht vor.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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