(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat soeben in zwei Urtei­len über die Zuläs­sig­keit von Teil­wert­ab­schrei­bun­gen bei bör­sen­no­tier­ten Akti­en ent­schie­den.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 28.12.2011 zu sei­nen Urtei­len vom 21. Sep­tem­ber 2011 (I R 8910 und I R 711).

Bilan­zier­te Wirt­schafts­gü­ter kön­nen nach § 6 Abs. 1 Nr. 2 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) im Fal­le einer vor­aus­sicht­lich dau­ern­den Wert­min­de­rung zu Las­ten des Gewinns auf ihren nied­ri­ge­ren Teil­wert abge­schrie­ben wer­den. Von einer vor­aus­sicht­lich dau­ern­den Wert­min­de­rung ist bei an der Bör­se gehan­del­ten Akti­en typi­sie­rend bereits dann aus­zu­ge­hen, wenn der Kurs am Bilanz­stich­tag unter den Kurs im Zeit­punkt des Akti­en­er­werbs gesun­ken ist und die Kurs­dif­fe­renz eine Baga­tell­gren­ze von 5 % über­schrei­tet. Auf die Kurs­ent­wick­lung nach dem Bilanz­stich­tag kommt es grund­sätz­lich nicht an (I R 8910). Glei­cher­ma­ßen hat der BFH in der Sache I R 711 für die Teil­wert­ab­schrei­bung auf Invest­ment­an­tei­le ent­schie­den, wenn das Ver­mö­gen des Invest­ment­fonds über­wie­gend aus Akti­en besteht, die an Bör­sen gehan­delt wer­den (sog. Akti­en­fonds).

Der BFH geht davon aus, dass eine ein­zel­fall­be­zo­ge­ne Prü­fung der vor­aus­sicht­li­chen Dau­er von Kurs­dif­fe­ren­zen sowohl die Finanz­be­hör­den als auch die Steu­er­pflich­ti­gen über­for­dern wür­de. Im Inter­es­se eines mög­lichst ein­fa­chen und gleich­heits­ge­rech­ten Geset­zes­voll­zugs ist des­halb von dem grund­sätz­lich maß­geb­li­chen Bör­sen­kurs zum Bilanz­stich­tag nur aus­nahms­wei­se abzu­rü­cken, z.B. wenn in Fäl­len eines sog. Insi­der­han­dels oder auf­grund äußerst gerin­ger Han­dels­um­sät­ze kon­kre­te und objek­tiv nach­prüf­ba­re Anhalts­punk­te dafür vor­lie­gen, dass der Bör­sen­kurs nicht den tat­säch­li­chen Anteils­wert wider­spie­gelt.

Mit die­sen Urtei­len hat der BFH sei­ne bis­he­ri­ge Recht­spre­chung prä­zi­siert und bestä­tigt, so Pas­sau.

Er weicht damit zugleich von der Ver­wal­tungs­pra­xis ab, nach der nur dann von einer vor­aus­sicht­lich dau­ern­den Wert­min­de­rung aus­zu­ge­hen ist, wenn der Bör­sen­kurs der Akti­en oder der Rück­nah­me­preis der Fonds­an­tei­le zum jewei­li­gen Bilanz­stich­tag um mehr als 40 % oder an zwei auf­ein­an­der fol­gen­den Bilanz­stich­ta­gen um jeweils mehr als 25 % unter die Anschaf­fungs­kos­ten gesun­ken ist.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

 

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