(Kiel) Ver­trä­ge unter Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen erfreu­en sich wei­ter Beliebt­heit. Nicht sel­ten wer­den die­se dabei auch als steu­er­li­che Gestal­tungs­mög­lich­keit ein­ge­setzt.

Aller­dings, so der Nürn­ber­ger Erb- und Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, sei­en in der­ar­ti­gen Fäl­len eini­ge wesent­li­che Kri­te­ri­en zu beach­ten, damit es letzt­end­lich auch zu einer steu­er­li­chen Aner­ken­nung der geschlos­se­nen Ver­trä­ge kom­me.

Grund­sätz­lich gel­te, dass Ver­trä­ge zwi­schen nahen Ange­hö­ri­gen und/oder dem Ehe­gat­ten steu­er­lich nur dann aner­kannt wer­den, wenn fol­gen­de Vor­aus­set­zun­gen erfüllt sei­en: 

  • die Ver­trä­ge wur­den vor­her zivil­recht­lich wirk­sam abge­schlos­sen
  • die Ver­trä­ge wer­den auch tat­säch­lich umge­setzt und durch­ge­führt
  • hier­bei müs­sen die Ver­trä­ge und deren Umset­zung einem „Fremd­ver­gleich”, also ähn­li­chen Ver­trä­gen unter Drit­ten, stand­hal­ten 

Zwar besa­ge eine Ent­schei­dung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 07.06.2006 (AZ.: IX R4/04), dass bei der steu­er­recht­li­chen Aner­ken­nung von Ver­trä­gen zwi­schen nahen Ange­hö­ri­gen einer  zivil­recht­li­chen Unwirk­sam­keit des Ver­trags­ab­schlus­ses nur indi­zi­el­le Bedeu­tung bei­zu­mes­sen sei. Die­se Ent­schei­dung wer­de von der Finanz­ver­wal­tung jedoch nicht aner­kannt. Nach einem ent­spre­chen­den Erlass des Bun­des­mi­nis­te­ri­ums der Finan­zen vom 02.04.2007 (BMF, IV B 2 — S — 2144/=/2007) sind die Grund­sät­ze die­ses Urteils nicht über den ent­schie­de­nen Ein­zel­fall hin­aus anzu­wen­den.

Die­ses leh­ne sich eher an die Recht­spre­chung des Bun­des­ver­fas­sungs­ge­richts an, wonach die Anfor­de­run­gen der Recht­spre­chung an die Aner­ken­nung von Ver­trä­gen zwi­schen nahen Ange­hö­ri­gen auf der Über­le­gung grün­den, dass es inner­halb eines Fami­li­en­ver­bun­des typi­scher­wei­se an einem Inter­es­sen­ge­gen­satz erman­gelt und somit zivil­recht­li­che Gestal­tungs­mög­lich­kei­ten steu­er­recht­lich miss­braucht wer­den könn­ten. Im Inter­es­se einer effek­ti­ven Miss­brauchs­be­kämp­fung sei es daher gebo­ten und zuläs­sig, an den Beweis des Abschlus­ses und an den Nach­weis der Ernst­lich­keit von Ver­trags­ge­stal­tun­gen zwi­schen nahen Ange­hö­ri­gen stren­ge Anfor­de­run­gen zu stel­len.

Gie­se­ler emp­fahl daher drin­gend, Ver­trä­ge unter Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen so abzu­fas­sen, dass die­se zivil­recht­lich wirk­sam sind und danach auch tat­säch­lich durch­ge­führt wer­den. Der Fremd­ver­gleich müs­se dabei ins­ge­samt zu dem Ergeb­nis füh­ren, dass die Ver­trä­ge die­ser Art auch unter Drit­ten üblich sei­en.

So müs­se z. B. ein Dar­le­hen auch tat­säch­lich ein Dar­lehn sein und kei­ne ver­schlei­er­te Schen­kung. Bei Fami­li­en­ge­sell­schaf­ten wer­de z. B. geprüft, ob Divi­den­den — gemes­sen an der Höhe der Betei­li­gung, dem Umsatz der Gesell­schaft und der jewei­li­gen wirt­schaft­li­chen Situa­ti­on — dem ent­spre­chen, was auch ansons­ten unter Drit­ten üblich ist. Die­ser Ver­gleich fin­de auch bei der Beur­tei­lung von ver­deck­ten Gewinn­aus­schüt­tun­gen statt. Es wer­de geprüft, ob die­sel­be  Leis­tung eines Gesell­schaf­ters auch einem Fami­li­en­frem­den gewährt wor­den wäre.

Grund­sätz­lich sei bei Ver­trä­gen unter Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen von einer kri­ti­schen Prü­fung sei­tens des Finanz­am­tes aus­zu­ge­hen, da sei­tens des Gesetz­ge­bers stets der Ver­dacht bestehe, dass die­se von der ver­wandt­schaft­li­chen Bezie­hung beein­flusst sei­en.

Gie­se­ler emp­fahl daher, Ver­trä­ge unter Fami­li­en­an­ge­hö­ri­gen grund­sätz­lich vor­ab einer inten­si­ven steu­er­li­chen Prü­fung und Bera­tung zu unter­zie­hen und ohne die­se kei­ne ent­spre­chen­den Gestal­tun­gen vor­zu­neh­men. Hier­bei ver­wies er u. a. auch auf die Unter­neh­mens­steu­er spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Steu­er­be­ra­ter in dem DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. — www.duv-verband.de -

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