(Kiel)  Die sog. Min­dest­be­steue­rung gemäß § 10d Abs. 2 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG) ist “in ihrer Grund­kon­zep­ti­on” nicht ver­fas­sungs­wid­rig.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 28.11.2012 zu sei­nem Urteil vom 22. August 2012 — I R 911.

Die vom Klä­ger für die gegen­tei­li­ge Auf­fas­sung in Bezug genom­me­nen frü­he­ren Ent­schei­dun­gen des BFH sind durch die neue­re Recht­spre­chung über­holt (vgl. BFH-Urteil vom 30. Juni 1995 VI R 2695, BFHE 178, 171, BSt­Bl II 1995, 744, m.w.N.).

Die Ein­kom­men- und Kör­per­schaft­steu­er soll die wirt­schaft­li­che Leis­tungs­fä­hig­keit eines Steu­er­sub­jekts abschöp­fen. Ihre Bemes­sungs­grund­la­ge ist des­halb das „Net­to­ein­kom­men” nach Abzug der Erwerbs­auf­wen­dun­gen. Fal­len die Auf­wen­dun­gen nicht in dem­je­ni­gen Kalen­der­jahr an, in dem die Ein­nah­men erzielt wer­den, oder über­stei­gen sie die Ein­nah­men, so dass ein Ver­lust erwirt­schaf­tet wird, ermög­licht es das Gesetz, den Ver­lust­aus­gleich auch über die zeit­li­chen Gren­zen eines Bemes­sungs­zeit­raums hin­weg vor­zu­neh­men (sog. über­pe­ri­odi­scher Ver­lust­ab­zug). Seit 2004 ist die­ser Ver­lust­ab­zug begrenzt: 40 % der posi­ti­ven Ein­künf­te ober­halb eines Schwel­len­be­trags von 1 Mio. € wer­den auch dann der Ertrags­be­steue­rung unter­wor­fen, wenn bis­her noch nicht aus­ge­gli­che­ne Ver­lus­te vor­lie­gen (sog. Min­dest­be­steue­rung). Damit wird die Wir­kung des Ver­lust­ab­zugs in die Zukunft ver­scho­ben.

Ob die­se Rege­lung ver­fas­sungs­ge­mäß ist, hat­te der BFH in einem 2010 ent­schie­de­nen Ver­fah­ren des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes für ernst­lich zwei­fel­haft gehal­ten für Fäl­le, in denen eine sog. Defi­ni­tiv­wir­kung im Raum stand, also der vom Gesetz­ge­ber ledig­lich beab­sich­tig­te zeit­li­che Auf­schub der Ver­lust­ver­rech­nung in einen end­gül­ti­gen Aus­schluss der Ver­lust­ver­rech­nung hin­ein­zu­wach­sen droh­te (Beschluss vom 26. August 2010 I B 4910, Pres­se­mit­tei­lung des BFH Nr. 9010 vom 27. Okto­ber 2010). Bei­spie­le: Im Fol­ge­jahr einer Min­dest­be­steue­rung bei einer Kapi­tal­ge­sell­schaft kommt es zu einer Anteils­über­tra­gung, die einen Aus­gleich eines noch offe­nen Ver­lust­vor­trags end­gül­tig aus­schließt. Oder: Der Steu­er­pflich­ti­ge ver­stirbt im Fol­ge­jahr, die Erben kön­nen den noch offe­nen Ver­lust­aus­gleich des Erb­las­sers nicht nut­zen.

Im Urteils­fall mach­te eine Kapi­tal­ge­sell­schaft mit mehr als tau­send Gesell­schaf­tern, die die Ver­wal­tung von Ver­mö­gens­an­la­gen betrieb, im Streit­jahr 2004 gel­tend, dass sie den wegen der Min­dest­be­steue­rung nicht aus­gleich­fä­hi­gen Ver­lust in der Zukunft nicht mehr wür­de aus­glei­chen kön­nen. Denn sie wer­de in den nächs­ten 20 Jah­ren bis zu ihrer dann geplan­ten Liqui­da­ti­on infol­ge der sach­li­chen Steu­er­be­frei­ung von Divi­den­den­er­trä­gen kein aus­gleichs­fä­hi­ges Ein­kom­men erzie­len, so dass die Ver­lus­te bei ihr zwangs­läu­fig defi­ni­tiv wür­den. Über­dies sei die Min­dest­be­steue­rung infol­ge des durch den auf­ge­scho­be­nen Ver­lust­aus­gleich ent­ste­hen­den Zins­scha­dens ver­fas­sungs­wid­rig.

Der BFH ist dem nicht gefolgt, so Pas­sau.

Er hat die Min­dest­be­steue­rung nicht als ver­fas­sungs­wid­rig ange­se­hen, da die in ihrer Grund­kon­zep­ti­on ange­leg­te zeit­li­che Stre­ckung des Ver­lust­vor­trags den vom Gesetz­ge­ber zu gewähr­leis­ten­den Kern­be­reich eines Ver­lust­aus­gleichs nicht beein­träch­tigt. Ob dies in Defi­ni­tiv­si­tua­tio­nen anders zu wür­di­gen ist, konn­te offen­blei­ben, weil sich der spä­te­re Aus­schluss einer steu­er­li­chen Aus­gleichs­mög­lich­keit für die kla­gen­de Kapi­tal­ge­sell­schaft im Streit­jahr nicht hin­rei­chend sicher pro­gnos­ti­zie­ren ließ. Für Sach­ver­hal­te, in denen sich eine sol­che Pro­gno­se tref­fen lässt, steht die Ant­wort auf die Fra­ge nach der Ver­fas­sungs­wid­rig­keit der Min­dest­be­steue­rung nach wie vor aus.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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