(Kiel) Wie sind Rei­se­leis­tun­gen, die ein Rei­se­bü­ro an Schu­len, Uni­ver­si­tä­ten und gegen­über Ver­ei­nen erbringt, umsatz­steu­er­lich zu behan­deln?
Mit die­ser Fra­ge, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 2.04.2014 hat­te sich der V. Senat des BFH im Urteil vom 21. Novem­ber 2013 — V R 11/11 — zu beschäf­ti­gen.

Das kla­gen­de Rei­se­un­ter­neh­men hat­te u.a. Schul- und Stu­di­en­rei­sen an Schu­len und gegen­über Ver­ei­nen durch­ge­führt. Einen Teil sei­ner Leis­tun­gen unter­warf es dem Regel­steu­er­satz von 19 %, die Klas­sen­fahr­ten behan­del­te es dage­gen als nach § 4 Nr. 23 des Umsatz­steu­er­ge­set­zes (UStG) steu­er­frei. Soweit es sei­ne Leis­tun­gen im Aus­land erbrach­te, sah es sie als nicht steu­er­bar an.

Der BFH hat zunächst ent­schie­den, dass Rei­se­leis­tun­gen an Schu­len bei Klas­sen­fahr­ten nicht steu­er­be­freit sind. Anders als das Gesetz in § 4 Nr. 23 UStG vor­aus­setzt, nimmt der Rei­se­un­ter­neh­mer bei der Durch­füh­rung der Klas­sen­fahrt Jugend­li­che nicht zur Erzie­hung, Aus­bil­dung oder Fort­bil­dung bei sich auf.
Wei­ter hat der BFH ent­schie­den, dass auf Rei­se­leis­tun­gen an Schu­len und Uni­ver­si­tä­ten die beson­de­re gesetz­li­che Rege­lung zur Mar­gen­be­steue­rung nach § 25 UStG anzu­wen­den ist. Und dies gilt auch für Rei­se­leis­tun­gen, die an Ver­ei­ne erbracht wer­den. Wor­um geht es? Bei der Mar­gen­be­steue­rung wer­den alle Rei­se­leis­tun­gen im In- und Aus­land zu einer ein­heit­li­chen Dienst­leis­tung zusam­men­ge­fasst. Dies wirkt sich häu­fig für den Rei­se­ver­an­stal­ter güns­ti­ger aus, weil die Steu­er nach der Mar­ge bemes­sen wird, also nach dem Unter­schied zwi­schen dem vom Rei­sen­den zu zah­len­den Gesamt­be­trag und den tat­säch­li­chen Kos­ten des Ver­an­stal­ters. Aller­dings wird ein Rei­se­un­ter­neh­men nach deut­schem Recht nur dann nach der Mar­ge besteu­ert, wenn es an den end­ver­brau­chen­den Rei­sen­den selbst leis­tet. Das Finanz­amt und das Finanz­ge­richt hat­ten des­halb die Mar­gen­be­steue­rung der Rei­se­leis­tun­gen an Ver­ei­ne abge­lehnt. Anders das Uni­ons­recht: Nach dem Urteil des Gerichts­hofs der Euro­päi­schen Uni­on vom 26. Sep­tem­ber 2013 C-189/11, Kommission/Spanien ist die Mar­gen­be­steue­rung auch auf Umsät­ze “mit allen Arten von Kun­den” anzu­wen­den. Dar­un­ter fal­len auch Leis­tun­gen an Ver­ei­ne.

Im wei­te­ren Ver­fah­ren muss nun fest­ge­stellt wer­den, ob sich die Mar­gen­be­steue­rung ins­ge­samt für den kla­gen­den Rei­se­ver­an­stal­ter güns­ti­ger aus­wirkt und ob er sich auf das Uni­ons­recht beruft.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.
 

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Jörg Pas­sau
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