(Kiel) Nimmt ein Unter­neh­mer an offi­zi­el­len Dele­ga­ti­ons­rei­sen von Regie­rungs­mit­glie­dern und am World Eco­no­mic Forum teil, so kön­nen die dafür anfal­len­den Rei­se­kos­ten als Betriebs­aus­ga­ben abzieh­bar sein.

Dies, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, hat der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) mit einem am 09. Juni 2010 ver­öf­fent­lich­ten Urteil vom 9. März 2010, Az.: VIII R 3207, ent­schie­den.

Der Klä­ger hat­te als Mit­glied einer Wirt­schafts­de­le­ga­ti­on an Aus­lands­rei­sen des Minis­ter­prä­si­den­ten und des Wirt­schafts­mi­nis­ters sei­nes Bun­des­lan­des und — zusam­men mit sei­ner Ehe­frau — auch an Tagun­gen des Welt­wirt­schafts­fo­rums in Davos teil­ge­nom­men. Er ist Allein­ge­sell­schaf­ter einer Akti­en­ge­sell­schaft und eben­so wie sein Ehe­frau auch deren Vor­stand. Die Kos­ten der jewei­li­gen Rei­sen hat­te die Akti­en­ge­sell­schaft über­nom­men.

Das Finanz­ge­richt (FG) war der Mei­nung, die Rei­sen sei­en über­wie­gend pri­vat ver­an­lasst. Die von den Klä­gern erhoff­te Anbah­nung geschäft­li­cher Kon­tak­te sei zu unsi­cher gewe­sen, um von einem betrieb­li­chen Inter­es­se aus­ge­hen zu kön­nen. Das FG hat des­halb ver­deck­te Gewinn­aus­schüt­tun­gen in Höhe der Rei­se­kos­ten ange­nom­men.

Der BFH hat das Urteil des FG auf­ge­ho­ben und die Sache an das FG zurück­ver­wie­sen, betont Pas­sau.

Im Streit­fall kam eine Auf­tei­lung der Rei­se­kos­ten nach den beruf­li­chen und pri­va­ten Zeit­an­tei­len der Rei­se nicht in Betracht. Den Rei­sen lag auch kein unmit­tel­ba­rer betrieb­li­cher Anlass zugrun­de. Des­halb war die betrieb­li­che Ver­an­las­sung anhand einer umfas­sen­den Abwä­gung aller für und gegen sie spre­chen­den Umstän­de zu prü­fen.

Die vom FG vor­ge­nom­me­ne Abwä­gung beur­teil­te der BFH als feh­ler­haft. Des­halb muss es nun im zwei­ten Rechts­gang noch ein­mal prü­fen, ob die Rei­sen beruf­lich ver­an­lasst waren. Nach Auf­fas­sung des BFH ist auf­grund der Aus­wahl der Rei­se­teil­neh­mer durch das zustän­di­ge Minis­te­ri­um im Regel­fall die von den Klä­gern in Anspruch genom­me­ne Aus­sicht auf Anbah­nung von Geschäfts­kon­tak­ten als hin­rei­chen­des betrieb­li­ches Inter­es­se anzu­er­ken­nen. Eine pri­va­te Ver­an­las­sung der Rei­sen sei auf­grund des Pro­gramm­ab­laufs grund­sätz­lich aus­ge­schlos­sen gewe­sen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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