(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat soeben den Gro­ßen Senat des BFH zur Klä­rung der Fra­ge ange­ru­fen, ob eine Pro­sti­tu­ier­te aus ihrer Tätig­keit (Eigen­pro­sti­tu­ti­on) gewerb­li­che oder sons­ti­ge Ein­künf­te erzielt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 1.08.2012 zu sei­nem Beschluss vom 15. März 2012 — III R 3010.

Der Gro­ße Senat des BFH hat­te sich mit die­ser Fra­ge bereits 1964 befasst und sei­ner­zeit ent­schie­den, dass Pro­sti­tu­ier­te kei­ne gewerb­li­chen Ein­künf­te erzie­len, weil sie sich nicht am all­ge­mei­nen wirt­schaft­li­chen Ver­kehr betei­lig­ten. Die “gewerbs­mä­ßi­ge Unzucht” fal­le aus dem Rah­men des­sen, was das Ein­kom­men­steu­er­ge­setz unter selb­stän­di­ger Berufs­tä­tig­keit ver­stan­den wis­sen wol­le; sie stel­le das Zerr­bild eines Gewer­bes dar. Pro­sti­tu­ier­te erziel­ten sons­ti­ge Ein­künf­te, die nicht der Gewer­be­steu­er unter­lie­gen.

Der III. Senat ver­tritt in sei­nem Vor­la­ge­be­schluss die Auf­fas­sung, dass dar­an wegen der geän­der­ten tat­säch­li­chen und recht­li­chen Ver­hält­nis­se nicht mehr fest­zu­hal­ten sei. Das Gesetz zur Rege­lung der Rechts­ver­hält­nis­se der Pro­sti­tu­ier­ten habe deren Tätig­keit lega­li­siert. Sexu­el­le Dienst­leis­tun­gen wür­den in der Bou­le­vard­pres­se und im Inter­net umfang­reich bewor­ben, Pro­sti­tu­ier­te wen­de­ten sich mit ihrem Ange­bot an ande­re Per­so­nen in deren Eigen­schaft als Markt­teil­neh­mer. Da die Klä­ge­rin ihre Leis­tun­gen bewer­be und in einer eigens dafür ange­mie­te­ten Woh­nung erbrin­ge, habe das Finanz­amt zu Recht Gewer­be­steu­er fest­ge­setzt.

Will ein Senat von der Ent­schei­dung eines ande­ren Senats oder — wie hier — des Gro­ßen Senats abwei­chen, muss er die Rechts­fra­ge dem Gro­ßen Senat zur Ent­schei­dung vor­le­gen. Der Gro­ße Senat besteht aus dem Prä­si­den­ten des Bun­des­fi­nanz­hofs und je einem Rich­ter der Sena­te, in denen der Prä­si­dent nicht den Vor­sitz führt.

Pas­sau emp­fahl, den Aus­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
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