(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat ent­schie­den, dass die Zwangs­läu­fig­keit von krank­heits­be­ding­ten Auf­wen­dun­gen für einen Trep­pen­lift nicht durch ein amts­ärzt­li­ches Gut­ach­ten oder eine ärzt­li­che Beschei­ni­gung eines Medi­zi­ni­schen Diens­tes der Kran­ken­ver­si­che­rung nach­zu­wei­sen ist.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 9.04.2014 zu sei­nem Urteil vom 6. Febru­ar 2014 — VI R 6112.

Nach § 33 Abs. 1 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes wird die Ein­kom­men­steu­er auf Antrag ermä­ßigt, wenn einem Steu­er­pflich­ti­gen zwangs­läu­fig grö­ße­re Auf­wen­dun­gen als der über­wie­gen­den Mehr­zahl der Steu­er­pflich­ti­gen glei­cher Ein­kom­mens­ver­hält­nis­se, glei­cher Ver­mö­gens­ver­hält­nis­se und glei­chen Fami­li­en­stands (außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung) erwach­sen. Hier­zu zäh­len nach stän­di­ger Recht­spre­chung des BFH auch Krank­heits­kos­ten. Aller­dings hat der Steu­er­pflich­ti­ge die Zwangs­läu­fig­keit von krank­heits­be­ding­ten Maß­nah­men, die ihrer Art nach nicht ein­deu­tig nur der Hei­lung oder Lin­de­rung einer Krank­heit die­nen kön­nen und deren medi­zi­ni­sche Indi­ka­ti­on des­halb schwer zu beur­tei­len ist, nach § 64 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 Buchst. a bis f der Ein­kom­men­steu­er-Durch­füh­rungs­ver­ord­nung (ESt­DV) durch ein vor Beginn der Heil­maß­nah­me oder dem Erwerb des medi­zi­ni­schen Hilfs­mit­tels aus­ge­stell­tes amts­ärzt­li­ches Gut­ach­ten oder eine vor­he­ri­ge ärzt­li­che Beschei­ni­gung eines Medi­zi­ni­schen Diens­tes der Kran­ken­ver­si­che­rung nach­zu­wei­sen. Betrof­fen hier­von sind bei­spiels­wei­se Bade- und Heil­ku­ren oder psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Behand­lun­gen.

Im Streit­fall lie­ßen die ver­hei­ra­te­ten Klä­ger wegen der Geh­be­hin­de­rung des Klä­gers einen Trep­pen­lift in ihr selbst genutz­tes Ein­fa­mi­li­en­haus ein­bau­en. Die hier­für ent­stan­de­nen Auf­wen­dun­gen von ca. 18.000 € mach­ten sie ver­geb­lich in ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung für das Streit­jahr (2005) als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tung gel­tend. Ein­spruch und Kla­ge blie­ben ohne Erfolg. Denn die Klä­ger hät­ten zuvor ein amts­ärzt­li­ches Gut­ach­ten oder eine ärzt­li­che Beschei­ni­gung eines Medi­zi­ni­schen Diens­tes der Kran­ken­ver­si­che­rung ein­ho­len müs­sen.

Der BFH sieht dies anders. Ange­sichts des abschlie­ßen­den Cha­rak­ters der Kata­log­tat­be­stän­de in § 64 Abs. 1 Nr. 2 Satz 1 Buchst. a bis f ESt­DV sei die Zwangs­läu­fig­keit und damit die medi­zi­ni­sche Not­wen­dig­keit von Auf­wen­dun­gen für den Ein­bau eines sol­chen Hilfs­mit­tels nicht for­ma­li­siert nach­zu­wei­sen. Im zwei­ten Rechts­gang hat das Finanz­ge­richt nun die erfor­der­li­chen Fest­stel­lun­gen zur medi­zi­ni­schen Not­wen­dig­keit für die Maß­nah­me nach dem Grund­satz der frei­en Beweis­wür­di­gung zu tref­fen, bei­spiels­wei­se durch die Ein­ho­lung eines Sach­ver­stän­di­gen­gut­ach­tens.

Pas­sau emp­fahl, den Aus­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.
 

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Jörg Pas­sau
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