(Kiel)  Der Bun­des­fi­nanz­hof hat soeben ent­schie­den, dass Schuld­zin­sen für ein Dar­le­hen, das ursprüng­lich zur Finan­zie­rung von Anschaf­fungs­kos­ten einer zur Ver­mie­tung bestimm­ten Immo­bi­lie auf­ge­nom­men wur­de, grund­sätz­lich auch dann noch als nach­träg­li­che Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung abge­zo­gen wer­den kön­nen, wenn das Gebäu­de ver­äu­ßert wird, der Ver­äu­ße­rungs­er­lös aber nicht aus­reicht, um die Dar­le­hens­ver­bind­lich­keit zu til­gen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 5.09.2012 zu sei­nem Urteil vom 20. Juni 2012 — IX R 671.

Der Klä­ger hat­te 1994 ein Wohn­ge­bäu­de erwor­ben, die­ses ver­mie­tet und hier­aus Ein­künf­te erzielt. Im Jahr 2001 ver­äu­ßer­te er das Gebäu­de mit Ver­lust. Mit dem Ver­äu­ße­rungs­er­lös konn­ten die bei der Anschaf­fung des Gebäu­des auf­ge­nom­me­nen Dar­le­hen nicht voll­stän­dig abge­löst wer­den; dadurch muss­te der Klä­ger auch im Streit­jahr 2004 noch Schuld­zin­sen auf die ursprüng­lich auf­ge­nom­me­nen Ver­bind­lich­kei­ten auf­wen­den. Das Finanz­amt erkann­te die vom Klä­ger im Rah­men sei­ner Ein­kom­men­steu­er­ver­an­la­gung für 2004 gel­tend gemach­ten „nach­träg­li­chen Schuld­zin­sen” nicht als Wer­bungs­kos­ten an.

Der BFH gab dem Klä­ger Recht, so Pas­sau. Die gel­tend gemach­ten Schuld­zin­sen sei­en zu Unrecht nicht bei der Ermitt­lung der Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung berück­sich­tigt wor­den.

Der BFH hielt damit an sei­ner bis­he­ri­gen — restrik­ti­ve­ren — Recht­spre­chung zur beschränk­ten Abzieh­bar­keit nach­träg­li­cher Schuld­zin­sen bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung nicht län­ger fest. Der BFH begrün­det sei­ne Recht­spre­chungs­än­de­rung sowohl mit der im Steu­er­ent­las­tungs­ge­setz 1999÷2000÷2002 vom Gesetz­ge­ber getrof­fe­nen Grund­ent­schei­dung, Wert­stei­ge­run­gen bei der Ver­äu­ße­rung von im Pri­vat­ver­mö­gen gehal­te­nen Grund­stü­cken inner­halb einer auf 10 Jah­re erwei­ter­ten Frist zu erfas­sen, als auch mit der geset­zes­tech­ni­schen Ver­knüp­fung von pri­va­ten Ver­äu­ße­rungs­ge­schäf­ten mit einer vor­an­ge­gan­ge­nen steu­er­ba­ren und steu­er­pflich­ti­gen Nut­zung des Grund­stücks durch die Rege­lung in § 23 Abs. 3 Satz 4 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes, wel­che bewir­ke, dass die Ermitt­lung des Gewinns aus einem steu­er­ba­ren Grund­stücks­ver­äu­ße­rungs­ge­schäft struk­tu­rell der Ermitt­lung des Gewinns aus der Ver­äu­ße­rung eines Wirt­schafts­guts des Betriebs­ver­mö­gens gleich­ge­stellt wer­de. Vor die­sem Hin­ter­grund sei es fol­ge­rich­tig, den nach­träg­li­chen Schuld­zin­sen­ab­zug bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung auf den im Streit­fall zu ent­schei­den­den Sach­ver­halt aus­zu­wei­ten und damit die not­wen­di­ge steu­er­recht­li­che Gleich­be­hand­lung von nach­träg­li­chen Schuld­zin­sen bei den Gewinn- und bei den Über­schus­s­ein­künf­ten wie­der her­zu­stel­len.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.
 

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Jörg Pas­sau
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