(Kiel) Das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz hat ent­schie­den, dass Medi­ka­men­te für die Haus­apo­the­ke (wie z.B. Schmerz­mit­tel oder Erkäl­tungs­prä­pa­ra­te) ohne ärzt­li­che Ver­ord­nung nicht als sog. „außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen” steu­er­lich gel­tend gemacht wer­den kön­nen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Rhein­land-Pfalz vom 23.08.2013 zu sei­nem inzwi­schen rechts­kräf­ti­gem Urteil vom 8. Juli 2013 (Az.: 5 K 215712).

Die Klä­ger (Ehe­leu­te) mach­ten in ihrer Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung für 2010 (u.a.) Auf­wen­dun­gen für Medi­ka­men­te in Höhe von 1.418,03 € als außer­ge­wöhn­li­che Belas­tun­gen nach § 33 EStG gel­tend und führ­ten dazu aus, vie­le Medi­ka­men­te wür­den wegen der Gesund­heits­re­form nicht mehr ver­schrie­ben, obwohl sie not­wen­dig sei­en. Dies gel­te z.B. auch für vor­beu­gen­de Medi­ka­men­te wie Schmerz-, Erkäl­tungs- und Grip­pe­mit­tel.

Das Finanz­amt berück­sich­tig­te nur die Auf­wen­dun­gen, für die eine ärzt­li­che Ver­ord­nung vor­ge­legt wor­den war, die übri­gen Kos­ten (für die ohne Ver­ord­nung erwor­be­nen Prä­pa­ra­te) erkann­te das Finanz­amt nicht an.

Ein­spruchs- und Kla­ge­ver­fah­ren blie­ben erfolg­los. Auch das Finanz­ge­richt ver­trat die Auf­fas­sung, dass die Klä­ger die Zwangs­läu­fig­keit der strei­ti­gen Auf­wen­dun­gen „for­ma­li­siert” hät­ten nach­wei­sen müs­sen. Denn — so das Finanz­ge­richt — dies sei in § 64 Abs. 1 Nr. 1 der Ein­kom­men­steu­er-Durch­füh­rungs­ver­ord­nung (ESt­DV) aus­drück­lich ange­ord­net. Danach habe ein Steu­er­pflich­ti­ger den Nach­weis der Zwangs­läu­fig­keit von Auf­wen­dun­gen im Krank­heits­fall durch eine Ver­ord­nung eines Arz­tes oder Heil­prak­ti­kers zu füh­ren. Die­se Vor­schrift sei zwar erst mit der Ver­kün­dung des Steu­er­ver­ein­fa­chungs­ge­set­zes (StVer­einfG) 2011 in Kraft getre­ten. Dabei sei aber aus­drück­lich ange­ord­net wor­den, dass die Vor­schrift in allen Fäl­len, in denen die Ein­kom­mens-teu­er noch nicht bestands­kräf­tig fest­ge­setzt sei, anzu­wen­den sei. Die rück­wir­ken­de Gel­tung der Vor­schrift auch für die Ver­gan­gen­heit sei unter ver­fas­sungs­recht­li­chen Gesichts­punk­ten nicht zu bean­stan­den, denn der Gesetz­ge­ber habe inso­weit die Rechts­la­ge ledig­lich so gere­gelt, wie sie bis zu die­sem Zeit­punkt bereits einer gefes­tig­ten Recht­spre­chung des Bun­des­fi­nanz­ho­fes (BFH) ent­spro­chen habe.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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