(Kiel) Im Rah­men des einst­wei­li­gen Rechts­schut­zes hat das Finanz­ge­richt Rhein­land-Pfalz zu der Fra­ge Stel­lung genom­men, ob Krank­heits­kos­ten bei der Ein­kom­men­steu­er (ESt) -Ver­an­la­gung steu­er­min­dernd berück­sich­tigt wer­den kön­nen, wenn die betref­fen­den Auf­wen­dun­gen bei der zustän­di­gen Kran­ken­ver­si­che­rung wegen eines Anspruchs auf Bei­trags­rück­erstat­tung nicht gel­tend gemacht wer­den.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Finanz­ge­richts (FG) Rhein­land-Pfalz vom 6.02.2012 zu sei­nem Beschluss vom 31. Janu­ar 2012 Az.: 2 V 188311 rkr.

Im Streit­fall hat­ten die Antrag­stel­ler (Ast) in ihrer ESt — Erklä­rung 2009 Krank­heits­kos­ten in Höhe von fast 5.000.-€ bei den außer­ge­wöhn­li­chen Belas­tun­gen (agB) gel­tend gemacht. Die Fra­ge nach zu erwar­ten­den Ver­si­che­rungs­leis­tun­gen beant­wor­te­ten sie mit „0″. Nach­dem das Finanz­amt (FA) mit dem Ein­kom­men­steu­er­be­scheid 2009 die begehr­te steu­er­li­che Berück­sich­ti­gung ver­sagt hat­te, tru­gen die Ast im Ein­spruchs­ver­fah­ren u.a. vor, eine Gegen­über­stel­lung der Erstat­tungs­leis­tun­gen im Fal­le der Ein­rei­chung mit denen im Fal­le der Nicht­ein­rei­chung erge­be, dass es sowohl für den Fis­kus als auch für sie vor­teil­haf­ter wäre, die Arzt­rech­nun­gen nicht ein­zu­rei­chen. Nach­dem das FA auch nicht bereit war, die Voll­zie­hung des ESt-Beschei­des 2009 aus­zu­set­zen, bean­trag­ten die Ast die Aus­set­zung der Voll­zie­hung bei Gericht.

Der Antrag auf Aus­set­zung der Voll­zie­hung hat­te jedoch kei­nen Erfolg, so Pas­sau.

Das FG Rhein­land-Pfalz hat­te weder ernst­haf­te Zwei­fel an der Recht­mä­ßig­keit des ESt-Beschei­des 2009 noch konn­te es eine unbil­li­ge Här­te erken­nen. Es führ­te u.a. aus, Auf­wen­dun­gen könn­ten nur dann agB dar­stel­len, wenn und soweit der Steu­er­pflich­ti­ge hier­durch tat­säch­lich end­gül­tig wirt­schaft­lich belas­tet sei. Eine sol­che end­gül­ti­ge Belas­tung tre­te jedoch dann nicht ein, wenn dem Steu­er­pflich­ti­gen in die­sem Zusam­men­hang Erstat­tungs­zah­lun­gen zuflie­ßen wür­den. Wären erstat­te­te Auf­wen­dun­gen auch noch als agB abzugs­fä­hig, trä­te eine nicht gerecht­fer­tig­te dop­pel­te Ent­las­tung ein. Flös­sen dem Steu­er­pflich­ti­gen zwar kei­ne Erstat­tungs­leis­tun­gen zu, hät­te er aber einen Anspruch hier­auf gehabt und ver­zich­te er auf eine Erstat­tung um — wie hier — eine Bei­trags­rück­erstat­tung zu erhal­ten, neh­me dies den Auf­wen­dun­gen grund­sätz­lich den Cha­rak­ter der — für eine agB not­wen­di­gen — Zwangs­läu­fig­keit. Könn­ten sich Steu­er­pflich­ti­ge durch Rück­griff auf ihre Ver­si­che­rung ganz oder teil­wei­se schad­los hal­ten, sei eine Abwäl­zung der Kos­ten auf die All­ge­mein­heit nicht gerecht­fer­tigt.

Der Son­der­fall, dass der Ver­zicht auf den Erstat­tungs­an­spruch selbst zwangs­läu­fig oder die Gel­tend­ma­chung des Erstat­tungs­an­spruchs dem Steu­er­pflich­ti­gen nicht zumut­bar sei, lie­ge hier nicht vor. Wol­le man aus jedem finan­zi­el­len Vor­teil, der sich aus einem Ver­zicht der Gel­tend­ma­chung eines Ersatz­an­spru­ches erge­be, die Unzu­mut­bar­keit der Gel­tend­ma­chung selbst ablei­ten, so wür­de dies zu einer vom Wort­laut der Aus­nah­me­vor­schrift der agB nicht gedeck­ten und unzu­läs­si­gen Aus­deh­nung des Rege­lungs­zwecks der Vor­schrift füh­ren.

Dem ste­he nicht ent­ge­gen, dass nach herr­schen­der Mei­nung Krank­heits­kos­ten dann als agB aner­kannt wür­den, wenn gar kein Ver­si­che­rungs­schutz bestan­den hät­te; die­ser Fall lie­ge hier nicht vor.

Die­ser Beschluss ist nicht anfecht­bar.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

 

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Jörg Pas­sau
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