(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat soeben ent­schie­den, dass das seit 2004 gel­ten­de Abzugs­ver­bot für Kos­ten eines Erst­stu­di­ums und einer Erst­aus­bil­dung der Abzieh­bar­keit beruf­lich ver­an­lass­ter Kos­ten für eine Erst­aus­bil­dung oder für ein Erst­stu­di­um auch dann nicht ent­ge­gen­steht, wenn der Steu­er­pflich­ti­ge die­se Berufs­aus­bil­dung unmit­tel­bar im Anschluss an sei­ne Schul­aus­bil­dung auf­ge­nom­men hat­te.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 17. August 2011 zu sei­nen Urtei­len vom 28. Juli 2011 — VI R 3810 und VI R 710.

In einem der vom BFH ent­schie­de­nen Fäl­le nahm der Klä­ger bei einer Toch­ter­ge­sell­schaft einer Flug­li­nie die Aus­bil­dung zum Berufs­pi­lo­ten auf. Hier­für ent­stan­den ihm Auf­wen­dun­gen von annä­hernd 28.000 €. In die­ser Höhe bean­trag­te er mit sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung 2004 einen Ver­lust­vor­trag fest­zu­stel­len. Er berief sich dar­auf, dass die­se Aus­bil­dungs­kos­ten vor­weg­ge­nom­me­ne Wer­bungs­kos­ten für sei­ne künf­ti­ge nicht­selbst­stän­di­ge Tätig­keit als Pilot sei­en. Im ande­ren Streit­fall hat­te die Klä­ge­rin ihre Schul­aus­bil­dung 2004 mit dem Abitur abge­schlos­sen und anschlie­ßend das Medi­zin­stu­di­um auf­ge­nom­men. Auch sie mach­te ihre Auf­wen­dun­gen für das Stu­di­um als vor­weg­ge­nom­me­ne Wer­bungs­kos­ten gel­tend und bean­trag­te eben­falls eine ent­spre­chen­de Ver­lust­fest­stel­lung.

Die Finanz­äm­ter lehn­ten die bean­trag­ten Ver­lust­fest­stel­lun­gen ab. Sie berie­fen sich dazu auf die ab 2004 gel­ten­de Rege­lung des § 12 Nr. 5 des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes (EStG), die bestim­me, dass Auf­wen­dun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen für sei­ne erst­ma­li­ge Berufs­aus­bil­dung und für ein Erst­stu­di­um im Rah­men der Ein­künf­teer­mitt­lung nicht abzieh­bar sind, wenn die Auf­wen­dun­gen nicht im Rah­men eines Dienst­ver­hält­nis­ses statt­fin­den. Die­ser Auf­fas­sung folg­ten auch die Finanz­ge­rich­te.

Die dage­gen ein­ge­leg­ten Revi­sio­nen der Klä­ger waren erfolg­reich, so Pas­sau.

Der BFH ent­schied, dass aus § 12 Nr. 5 EStG kein sol­ches gene­rel­les Abzugs­ver­bot fol­ge. Denn § 12 Nr. 5 EStG rege­le aus­drück­lich, dass Auf­wen­dun­gen des Steu­er­pflich­ti­gen für sei­ne erst­ma­li­ge Berufs­aus­bil­dung und für ein Erst­stu­di­um bei den ein­zel­nen Ein­kunfts­ar­ten und vom Gesamt­be­trag der Ein­künf­te nur inso­weit nicht abge­zo­gen wer­den dürf­ten, als in § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG nicht etwas ande­res bestimmt sei. § 10 Abs. 1 Nr. 7 EStG bestim­me jedoch etwas ande­res. Denn danach grei­fe der Grund­satz, dass Auf­wen­dun­gen nur dann als Son­der­aus­ga­ben abzieh­bar sind, wenn nicht der vor­ran­gi­ge Wer­bungs­kos­ten- und Betriebs­aus­ga­ben­ab­zug zur Anwen­dung kommt. In bei­den Fäl­len sei­en aber die Kos­ten der Aus­bil­dung hin­rei­chend kon­kret durch die spä­te­re Berufs­tä­tig­keit der Klä­ger ver­an­lasst, so dass sie als vor­weg­ge­nom­me­ne Wer­bungs­kos­ten berück­sich­tigt wer­den müss­ten.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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