(Kiel) Der III. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat ent­schie­den, dass Eltern unter bestimm­ten Umstän­den für ein Kind, das frei­wil­li­gen Wehr­dienst leis­tet, Kin­der­geld erhal­ten kön­nen.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 12.11.2014 zu sei­nem Urteil vom 3. Juli 2014 — III R 5313.

Die Klä­ge­rin bezog für ihren 1994 gebo­re­nen Sohn Kin­der­geld, bis die­ser –statt wie zunächst geplant eine Aus­bil­dungs­stel­le anzu­tre­ten– ab Okto­ber 2012 frei­wil­li­gen Wehr­dienst leis­te­te. Nach­dem die Fami­li­en­kas­se vom Antritt des Wehr­diens­tes erfah­ren hat­te, hob sie die Kin­der­geld­fest­set­zung mit Wir­kung ab Dienst­an­tritt auf, da der Sohn der Klä­ge­rin ab die­sem Zeit­punkt die Vor­aus­set­zun­gen für einen Kin­der­geld­an­spruch nicht mehr erfül­le. Ein­spruch und Kla­ge blie­ben erfolg­los. Auf die Revi­si­on der Klä­ge­rin hat der BFH nun­mehr das Urteil des Finanz­ge­richts (FG) auf­ge­ho­ben und die Sache an das FG zurück­ver­wie­sen.

Der BFH bestä­tigt zunächst die Auf­fas­sung des FG, wonach es ver­fas­sungs­recht­lich nicht zu bean­stan­den sei, dass Kin­der, die frei­wil­li­gen Wehr­dienst leis­ten, im Gegen­satz zu Kin­dern, die ande­re Frei­wil­li­gen­diens­te leis­ten (ins­be­son­de­re frei­wil­li­ges sozia­les bzw. öko­lo­gi­sches Jahr, Bun­des­frei­wil­li­gen­dienst), nicht aus­drück­lich berück­sich­tigt wer­den. Der Gesetz­ge­ber habe davon aus­ge­hen dür­fen, dass den Eltern wäh­rend des frei­wil­li­gen Wehr­diens­tes im Unter­schied zu ande­ren Frei­wil­li­gen­diens­ten kei­ne Auf­wen­dun­gen für den Unter­halt des Kin­des ent­stün­den.

Nach der Ent­schei­dung des BFH kann der frei­wil­li­ge Wehr­dienst aber als Maß­nah­me der Berufs­aus­bil­dung dazu füh­ren, dass die Eltern wei­ter­hin Kin­der­geld erhal­ten. Vor­aus­set­zung dafür ist, dass das Kind im Rah­men des Wehr­diens­tes für einen mili­tä­ri­schen oder zivi­len Beruf aus­ge­bil­det wird.

Eine Aus­bil­dung für einen mili­tä­ri­schen Beruf ist gege­ben, wenn der frei­wil­li­ge Wehr­dienst der Her­an­füh­rung an die Offi­ziers- oder Unter­of­fi­ziers­lauf­bahn dient. Hier­für kommt es dar­auf an, wie ziel­stre­big der Wehr­dienst­leis­ten­de die­sen Berufs­wunsch ver­folgt und inwie­fern bereits der frei­wil­li­ge Wehr­dienst auf die­ses Ziel aus­ge­rich­tet ist. Wegen der Mög­lich­keit einer zivi­len Aus­bil­dung wäh­rend des Wehr­diens­tes ver­wies der BFH auf die bereits in frü­he­ren Urtei­len ent­schie­de­nen Fäl­le der Aus­bil­dung zum Tele­kom­mu­ni­ka­ti­ons­elek­tro­ni­ker, zum Ret­tungs­sa­ni­tä­ter oder zum Kraft­fah­rer der Fahr­erlaub­nis­klas­se CE. Er bestä­tig­te, dass die Aus­bil­dung zum Kraft­fah­rer auch dann Berufs­aus­bil­dung ist, wenn sie im Mann­schafts­dienst­grad erfolgt und eine zuvor zu durch­lau­fen­de all­ge­mei­ne (mili­tä­ri­sche) Grund­aus­bil­dung ein­schließt.

Die Kin­der­geld­be­rech­ti­gung der Eltern wäh­rend des frei­wil­li­gen Wehr­diens­tes des Kin­des ist daher abhän­gig von sei­ner Aus­ge­stal­tung und der Art der Durch­füh­rung im Ein­zel­fall. Nach­dem das FG dazu kei­ne Fest­stel­lun­gen getrof­fen hat­te, konn­te der BFH nicht abschlie­ßend ent­schei­den und ver­wies die Sache an das FG zurück.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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