(Kiel) Eine nach Abschluss eines Hoch­schul­stu­di­ums erfolg­te Trai­nee-Anstel­lung kann als Berufs­aus­bil­dung aner­kannt wer­den und berech­tigt somit zum Bezug von Kin­der­geld.

Dar­auf ver­weist der der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf ein Urteil des Finanz­ge­richts Müns­ter (AZ.: 4 K 4113/07 Kg). In dem der Ent­schei­dung zugrun­de lie­gen­den Sach­ver­halt schloss die Toch­ter der Klä­ge­rin nach uni­ver­si­tä­rer Magis­ter­prü­fung einen zeit­lich befris­te­ten Arbeits­ver­trag als Trai­nee im Mar­ke­ting­be­reich eines Pres­se­ver­lags ab. Die Jah­res­ver­gü­tung belief sich auf 7.800  €. Im Anschluss hier­an erhielt die Toch­ter eine Fest­an­stel­lung als Mar­ke­tingas­sis­ten­tin. Die beklag­te Fami­li­en­kas­se bewil­lig­te für den Zeit­raum der Trai­nee-Tätig­keit kein Kin­der­geld. Nach ihrer Auf­fas­sung han­del­te es sich nicht um ein Berufs­aus­bil­dungs­ver­hält­nisim Sin­ne des Ein­kom­men­steu­er­ge­set­zes.

 Der 4. Senat des Finanz­ge­richts Müns­ter trat dem ent­ge­gen, so Pas­sau. Nach Ansicht des Gerichts zählt zum Begriff der Berufs­aus­bil­dung nicht nur der erst­ma­li­ge Erwerb theo­re­ti­scher und prak­ti­scher Fähig­kei­ten. Als Aus­bil­dung zu wer­ten sei eben­falls — im Sin­ne einer Berufs­qua­li­fi­zie­rung — die anschlie­ßen­de Ver­voll­komm­nung und Abrun­dung der erwor­be­nen Erkennt­nis­se, sofern die­se zur För­de­rung des ange­streb­ten Berufs­ziels geeig­net sei­en. In Abgren­zung zu einem inso­weit nicht begüns­tig­ten Arbeits­ver­hält­nis sei im Rah­men einer Gesamt­wür­di­gung ins­be­son­de­re ent­schei­dend, ob der Trai­nee wäh­rend sei­ner Tätig­keit mit sämt­li­chen für den künf­ti­gen Beruf rele­van­ten Sach­be­rei­chen in Berüh­rung kom­me, hier­bei qua­li­fi­zier­te — auf den bis­he­ri­gen Aus­bil­dungs­stand auf­bau­en­de — Arbei­ten über-neh­me, Unter­wei­sun­gen und Kor­rek­tu­ren vor­ge­setz­ter Mit­ar­bei­ter unter­wor­fen sei und das Gehalt sich der Höhe nach an einer Aus­bil­dungs­ver­gü­tung ori­en­tie­re.

 Im Ent­schei­dungs­fall kam der Senat zu dem Schluss, dass die Trai­nee-Tätig­keit der Toch­ter der Klä­ge­rin unter Berück­sich­ti­gung der vor­ge­nann­ten Umstän­de als Berufs­qua­li­fi­ka­ti­on anzu­se­hen war. Gera­de im Pres­se- und Ver­lags­we­sen genü­ge allein der Abschluss eines Hoch­schul­stu­di­ums nicht, um das beruf­li­che Anfor­de­rungs­pro­fil hin­rei­chend zu erfül­len. Erst durch eine auf das Stu­di­um auf­bau­en­de Prak­ti­kums- oder Trai­nee-Zeit wür­den die hier­für erfor­der­li­chen prak­ti­schen Fer­tig­kei­ten ver­mit­telt.  Der Senat hat die Revi­si­on zum Bun­des­fi­nanz­hof zuge­las­sen.

Pas­sau emp­fahl allen Steu­er­pflich­ti­gen in ähn­li­cher Situa­ti­on, ggfs. unter Hin­weis auf das Urteil Kin­der­geld­an­sprü­che gel­tend zu machen sowie ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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