(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof hat soeben ent­schie­den, dass die zur Auf­nah­me oder Fort­set­zung des Stu­di­ums ver­pflich­tend zu ent­rich­ten­den Semes­ter­ge­büh­ren kei­ne Misch­kos­ten dar­stel­len, son­dern grund­sätz­lich ins­ge­samt als abzieh­ba­rer aus­bil­dungs­be­ding­ter Mehr­be­darf zu qua­li­fi­zie­ren sind, auch wenn der Stu­die­ren­de durch deren Ent­rich­tung pri­vat nutz­ba­re Vor­tei­le (z.B. Semes­ter­ti­cket) erlangt.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 30.11.2011 zu sei­nem Urteil vom 22. Sep­tem­ber 2011 — III R 3808.

In dem vom BFH ent­schie­de­nen Fall begehr­te der Klä­ger für sei­nen an der Uni­ver­si­tät stu­die­ren­den Sohn Kin­der­geld. Die beklag­te Fami­li­en­kas­se lehn­te dies ab, weil die vom Sohn erziel­ten Ein­künf­te den maß­geb­li­chen Jah­res­grenz­be­trag über­schrit­ten hät­ten. Dabei ließ die Fami­li­en­kas­se die vom Sohn bezahl­ten Semes­ter­ge­büh­ren, die zur Fort­set­zung des Stu­di­ums ver­pflich­tend zu ent­rich­ten waren, nicht zum Abzug zu. Die hier­ge­gen beim Finanz­ge­richt (FG) erho­be­ne Kla­ge hat­te Erfolg. Das FG mein­te, die Semes­ter­ge­büh­ren sei­en ins­ge­samt als aus­bil­dungs­be­ding­ter Mehr­be­darf abzieh­bar, so dass die Ein­künf­te des Soh­nes nicht über dem maß­geb­li­chen Jah­res­grenz­be­trag lägen.

Die­ser Ansicht folg­te der BFH, so Pas­sau.

Er lehn­te die Auf­fas­sung der Ver­wal­tung ab, wonach die Semes­ter­ge­büh­ren als Misch­kos­ten zu beur­tei­len sei­en und dar­in ent­hal­te­ne Ein­zel­po­si­tio­nen nur dann abge­zo­gen wer­den könn­ten, wenn die erhe­ben­de Insti­tu­ti­on die­se getrennt aus­wei­se. Die Semes­ter­ge­büh­ren stell­ten — so der BFH — ins­ge­samt aus­bil­dungs­be­ding­te Mehr­auf­wen­dun­gen dar, weil der Stu­die­ren­de die­se Gebüh­ren, wol­le er sein Stu­di­um auf­neh­men oder fort­set­zen, in vol­ler Höhe zwin­gend ent­rich­ten müs­se. Es lie­ge auch inso­weit kei­ne schäd­li­che pri­va­te Mit­ver­an­las­sung vor, als der Stu­die­ren­de durch deren Ent­rich­tung pri­vat nutz­ba­re Vor­tei­le (z.B. Semes­ter­ti­cket) erlan­ge. Maß­geb­lich hier­für sei, dass der Stu­die­ren­de nicht frei über den Erwerb sol­cher mit der Semes­ter­ge­bühr ent­gol­te­ner Leis­tun­gen ent­schei­den kön­ne. Schließ­lich ste­he dem Abzug der Kos­ten für ein in der Semes­ter­ge­bühr ent­hal­te­nes Semes­ter­ti­cket auch nicht ent­ge­gen, dass die Kos­ten des Stu­die­ren­den für die Fahr­ten zwi­schen sei­ner Woh­nung und der Uni­ver­si­tät bereits mit den Sät­zen der Ent­fer­nungs­pau­scha­le berück­sich­tigt wür­den. Die Abgel­tungs­wir­kung der Ent­fer­nungs­pau­scha­le grei­fe nicht ein, weil die Auf­wen­dun­gen für ein über die Semes­ter­ge­bühr erhal­te­nes Semes­ter­ti­cket nicht durch die Fahr­ten zwi­schen Woh­nung und Uni­ver­si­tät ver­an­lasst sei­en.

 Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

 

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Jörg Pas­sau
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