(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat soeben sei­ne Recht­spre­chung bestä­tigt, dass Sprach­auf­ent­hal­te im Rah­men eines Au-pair-Ver­hält­nis­ses im Aus­land grund­sätz­lich nur dann als Berufs­aus­bil­dung anzu­se­hen sind, wenn sie von einem durch­schnitt­lich min­des­tens zehn Wochen­stun­den umfas­sen­den theo­re­tisch-sys­te­ma­ti­schen Sprach­un­ter­richt beglei­tet wer­den.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 6.06.2012 zu sei­nem Urteil vom 15. März 2012 — III R 5808.

Für voll­jäh­ri­ge Kin­der wird Kin­der­geld u.a. dann gezahlt, wenn sie für einen Beruf aus­ge­bil­det wer­den. Eine Berufs­aus­bil­dung dient dem Erwerb von Kennt­nis­sen, Fähig­kei­ten und Erfah­run­gen, die als Grund­la­ge für die Aus­übung des ange­streb­ten Berufs geeig­net sind. Sie braucht weder in einer Aus­bil­dungs- oder Stu­di­en­ord­nung gere­gelt noch zur Errei­chung eines bestimm­ten Berufs­ziels uner­läss­lich zu sein. Der Sprach­un­ter­richt von Au-pairs wird aber vom BFH für erfor­der­lich gehal­ten, weil auch Aus­lands­auf­ent­hal­te, die nicht Aus­bil­dungs­zwe­cken die­nen, regel­mä­ßig zu einer Ver­bes­se­rung der Kennt­nis­se in der jewei­li­gen Lan­des­spra­che füh­ren.

Die Toch­ter des Klä­gers hielt sich nach dem Abitur von August 2006 bis Juni 2007 als Au-pair in Eng­land auf. Die Kla­ge auf Kin­der­geld hat­te in bei­den Instan­zen kei­nen Erfolg, so Pas­sau, denn der BFH ging in Über­ein­stim­mung mit dem Finanz­ge­richt davon aus, dass die Toch­ter weni­ger als zehn Unter­richts­stun­den wöchent­lich erhal­ten hat­te, weil der Zeit­auf­wand für Haus­ar­bei­ten nicht ein­be­zo­gen wer­den durf­te und der Klä­ger kei­ne nähe­ren Anga­ben zu einer behaup­te­ten sprach­li­chen Unter­wei­sung durch die Gast­mut­ter gemacht hat­te.

Aus­lands­auf­ent­hal­te kön­nen aller­dings unab­hän­gig vom Umfang des Fremd­spra­chen­un­ter­richts als Berufs­aus­bil­dung zu qua­li­fi­zie­ren sein, wenn sie von einer Aus­bil­dungs- oder Prü­fungs­ord­nung zwin­gend vor­aus­ge­setzt wer­den oder der Vor­be­rei­tung auf einen für die Zulas­sung zum Stu­di­um oder zu einer ande­ren Aus­bil­dung erfor­der­li­chen Fremd­spra­chen­test die­nen (z.B. TOEFL oder IELTS). Die Toch­ter des Klä­gers hat­te aber ledig­lich eine Sprach­prü­fung abge­legt, die für die Inte­gra­ti­on von Ein­wan­de­rern kon­zi­piert wur­de und für die Zulas­sung zu einem Aus­bil­dungs­gang oder Beruf nicht unmit­tel­bar nütz­lich war.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

 

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Jörg Pas­sau
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