(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat soeben ent­schie­den, dass eine gemein­nüt­zi­ge Kör­per­schaft, die Semi­na­re steu­er­frei ver­an­stal­tet, für die Beher­ber­gung und Bekös­ti­gung von Semi­nar­teil­neh­mern nicht den ermä­ßig­ten Umsatz­steu­er­satz von 7 % in Anspruch neh­men kann.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 13.06.2012 zu sei­nem Urteil vom 8. März 2012 — V R 1411.

Gemein­nüt­zi­ge Semi­nar­ver­an­stal­ter waren bereits bis­her gezwun­gen, eine ein­heit­li­che Teil­nah­me­ge­bühr, die z.B. Mit­tag­essen oder Über­nach­tung mit Früh­stück beim Semi­nar umfasst, auf­zu­tei­len und den auf die Bekös­ti­gung und Beher­ber­gung ent­fal­le­nen Preis­an­teil zu ver­steu­ern. Wäh­rend gemein­nüt­zi­ge Semi­nar­ver­an­stal­ter davon aus­gin­gen, dass sie nach der für sie gel­ten­den Son­der­vor­schrift des § 12 Abs. 2 Nr. 8 Buchst. a des Umsatz­steu­er­ge­set­zes (UStG) den ermä­ßig­ten Steu­er­satz anwen­den kön­nen, ent­schied der BFH nun­mehr, dass Beher­ber­gung und Bekös­ti­gung dem Regel­steu­er­satz unter­lie­gen.

Das Urteil ist in mehr­fa­cher Hin­sicht bemer­kens­wert. Zum einen ver­deut­licht es die bei der Anwen­dung des ermä­ßig­ten Steu­er­sat­zes bestehen­den Schwie­rig­kei­ten. So dür­fen gemein­nüt­zi­ge Semi­nar­an­bie­ter nach dem für das Streit­jahr 2007 ergan­ge­nen Urteil den ermä­ßig­ten Steu­er­satz weder für die Beher­ber­gung noch für die Bekös­ti­gung anwen­den. Dies ändert sich aller­dings für spä­te­re Besteue­rungs­zeit­räu­me ab 2010, ab denen die Neu­re­ge­lung für den ermä­ßig­ten Steu­er­satz im Hotel­ge­wer­be (§ 12 Abs. 2 Nr. 11 UStG) gilt. Gemein­nüt­zi­ge Semi­nar­an­bie­ter erbrin­gen dann Leis­tun­gen, die drei geson­der­ten Rege­lun­gen unter­lie­gen. Die Semi­nar­ver­an­stal­tung selbst ist steu­er­frei, die Beher­ber­gung ist mit 7 % und das Mit­tag­essen beim Semi­nar ist mit 19 % zu ver­steu­ern.

Zum ande­ren betont der BFH, so Pas­sau, dass § 12 Abs. 2 Nr. 8 Buchst. a UStG nicht dem Uni­ons­recht ent­spricht.

Danach sind nur die Leis­tun­gen der gemein­nüt­zi­gen Kör­per­schaf­ten ermä­ßigt zu besteu­ern, die für wohl­tä­ti­ge Zwe­cke und im Bereich der sozia­len Sicher­heit tätig sind. Dies führt zu einer engen Aus­le­gung von § 12 Abs. 2 Nr. 8 Buchst. a UStG, nach der gemein­nüt­zi­ge Kör­per­schaf­ten für die Leis­tun­gen ihrer sog. wirt­schaft­li­chen Geschäfts­be­trie­be den ermä­ßig­ten Steu­er­satz selbst dann nicht in Anspruch neh­men kön­nen, wenn zugleich ein — ansons­ten steu­er­recht­lich pri­vi­le­gier­ter — Zweck­be­trieb vor­liegt. Anders ist es nach dem BFH-Urteil, dem inso­weit Grund­satz­cha­rak­ter zukommt, nur, wenn es sich um Leis­tun­gen han­delt, die für die Ver­wirk­li­chung des Sat­zungs­zwecks uner­läss­lich sind oder die den Sat­zungs­zweck selbst ver­wirk­li­chen. Dies führt gegen­über der bis­he­ri­gen Besteue­rungs­pra­xis zu erheb­li­chen Ein­schrän­kun­gen.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

 

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