(Kiel) In einem soeben bekannt gewor­de­nen Urteil muss­te sich das Finanz­ge­richt (FG) Rhein­land-Pfalz mit der Fra­ge beschäf­ti­gen, ob eine Bank vom Finanz­amt ver­lan­gen kann, die­je­ni­gen Kos­ten zu erset­zen, die ihr durch eine Kon­ten­stands­ab­fra­ge ent­stan­den waren.

Auch wenn es dabei nur um den Betrag von 18.90 EUR ging, so der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, dürf­te die Ent­schei­dung wegen der grund­sätz­li­chen Bedeu­tung und der Häu­fig­keit des Vor­kom­mens bei allen Ban­ken von beson­de­rem Inter­es­se sein.

Die Beson­der­heit des Fal­les liegt dar­in, dass dem Finanz­amt vom Gesetz­ge­ber — in bestimm­ten Fäl­len — die Mög­lich­keit ein­ge­räumt ist, bestimm­te Bank­da­ten von steu­er­pflich­ti­gen Kon­ten­in­ha­bern abzu­fra­gen. Frag­lich war, ob die Bank sodann vom Finanz­amt  ver­lan­gen kann, die­je­ni­gen Kos­ten zu erset­zen, die ihr durch eine Kon­ten­stands­ab­fra­ge ent­stan­den waren.

In dem Streit­fall teil­te das Bun­des­zen­tral­amt für Steu­ern dem Finanz­amt auf Anfra­ge drei Kon­to­num­mern eines bestimm­ten Steu­er­pflich­ti­gen mit. Unter Anga­be die­ser Kon­to­num­mern bat das Finanz­amt die Bank  — eine Groß­bank — um Vor­la­ge (evtl. Kopi­en) der Kon­to- bzw. Depot­aus­zü­ge die­ses Steu­er­pflich­ti­gen. Die­sem Ersu­chen kam die Bank nach und stell­te dem Finanz­amt dafür 18,90 € (eine Arbeits­stun­de à 17.- €, 2 Kopi­en à 0,50 € und Por­to­kos­ten von 0,90 €) in Rech­nung.

Mit Bescheid vom Sep­tem­ber 2007 lehn­te das FA eine Kos­ten­er­stat­tung ab und führ­te dazu aus, eine Ent­schä­di­gung wer­de nach den Vor­schrif­ten der Abga­ben­ord­nung (AO) nur Per­so­nen gewährt, die als Aus­kunfts­pflich­ti­ge her­an­ge­zo­gen wor­den sei­en; für Per­so­nen, die nur als Vor­la­ge­ver­pflich­te­te her­an­ge­zo­gen wor­den sei­en, gel­te das nicht.

Mit der Kla­ge trug die Bank u.a. vor, das Anfor­de­rungs­schrei­ben des Finanz­amts sei einer­seits als Aus­kunfts­er­su­chen bezeich­net wor­den; ande­rer­seits habe die­ses Ersu­chen ledig­lich die Anga­ben von Kon­to­num­mern und nicht die Bank­leit­zah­len ent­hal­ten. Daher habe erst ermit­telt wer­den müs­sen, wel­che Filia­le gemeint gewe­sen sei, was wie­der­um den Arbeits­auf­wand ver­ur­sacht habe. Zudem sei­en die Vor­aus­set­zun­gen eines (ent­schä­di­gungs­lo­sen) Vor­la­ger­su­chens zur Vor­la­ge von Urkun­den nicht gege­ben, weil Kon­to­aus­zü­ge kei­ne Urkun­den sei­en.

Die Kla­ge hat­te jedoch kei­nen Erfolg, betont Pas­sau.

Das FG Rhein­land-Pfalz führ­te in dem am 16.09.2009 ver­öf­fent­lich­ten Urteil vom 18. Juni 2009, Az.: 4 K 261907, u. a. aus, es sei nicht ent­schei­dend, dass das Ersu­chen unzu­tref­fen­der wei­se als Aus­kunfts­er­su­chen bezeich­net wor­den sei. Auf die for­ma­le Bezeich­nung kom­me es nicht an, wenn — wie hier — das tat­säch­li­che Ver­lan­gen nur auf die Vor­la­ge der Kon­to­aus­zü­ge gerich­tet gewe­sen sei. Damit sei die Bank nur als Vor­la­ge­ver­pflich­te­te her­an­ge­zo­gen wor­den und es bestehe kei­ne Ent­schä­di­gungs­ver­pflich­tung.

Auch der Umstand, dass nur die Kon­ten­num­mern ohne die zuge­hö­ri­ge Bereichs­num­mer (=Fili­al­num­mer) vom Finanz­amt (über das Bun­des­zen­tral­amt) benannt wor­den sei­en, recht­fer­ti­ge es nicht, der Bank einen Ent­schä­di­gungs­an­spruch zuzu­ge­ste­hen. Die Bank sei näm­lich zunächst selbst ver­pflich­tet, dem Bun­des­zen­tral­amt die Kon­to­num­mern voll­stän­dig mit­zu­tei­len, sodass unvoll­stän­di­ge Vor­la­ge­er­su­chen nicht auf die Finanz­ver­wal­tung zurück­zu­füh­ren sei­en. Soll­te zudem der Zeit­auf­wand für das Her­aus­su­chen der Bereichs­num­mer (=Fili­al­num­mer) wegen der Mög­lich­keit des Ein­sat­zes elek­tro­ni­scher Hilfs­mit­tel dage­gen kei­nen beson­de­ren Zeit­auf­wand ver­ur­sacht haben, wäre der Bank in die­sem Fall ein nicht (mehr) mess­ba­rer Auf­wand für eine eige­ne intel­lek­tu­el­le Leis­tung ent­stan­den, für den sie aus die­sem Grun­de kei­ne Erstat­tung bean­spru­chen könn­te.

Der steu­er­recht­li­che Urkunds­be­griff schlie­ße auch Urkun­den in Form einer Wie­der­ga­be auf einem Bild­trä­ger oder einem ande­ren Daten­trä­ger mit ein und sei somit umfas­sen­der als etwa der zivil­recht­li­che Urkunds­be­griff. Soweit das Kla­ge­be­geh­ren als die Gel­tend­ma­chung eines Scha­dens­er­sat­zes anzu­se­hen sei, müs­se dies vor den ordent­li­chen Gerich­ten und nicht vor dem Finanz­ge­richt gel­tend gemacht wer­den.

Das Urteil ist noch nicht rechts­kräf­tig. Die Revi­si­on wur­de nicht zuge­las­sen

Pas­sau emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len auf jeden Fall ggfs. auch steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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