(Kiel) Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf hat die Aus­set­zung der Voll­zie­hung eines Haf­tungs­be­schei­des abge­lehnt, mit dem ein Bank­mit­ar­bei­ter wegen Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung von Bank­kun­den in Haf­tung genom­men wor­den war.

Dar­auf ver­weist der Nürn­ber­ger Steu­er­fach­an­walt Dr. Nor­bert Gie­se­ler, Prä­si­dent des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf einen am 17.04.2009 ver­öf­fent­lich­ten Beschluss des Finanz­ge­richts Düs­sel­dorf (FG) vom  10.02.2009, Az.: 8 V 2459/08 A (H).

In dem Fall hat­te die Bank ihren Kun­den die Mög­lich­keit gebo­ten, Bar­geld und Wert­pa­pie­re ohne Legi­ti­ma­ti­ons­prü­fung anonym ins Aus­land zu trans­fe­rie­ren. Die Beson­der­heit des Streit­fal­les bestand dar­in, dass der Bank­mit­ar­bei­ter wegen Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung von nicht ent­tarn­ten Kun­den in Anspruch genom­men wur­de. Der FG-Senat war über­zeugt davon, dass auch die nicht ent­tarn­ten Kun­den eine Steu­er­hin­ter­zie­hung began­gen haben.

Das STRAFA-Finanz­amt hat­te wäh­rend der 1996 begon­ne­nen Steu­er­fahn­dungs­prü­fung wegen des Ver­dachts der Bei­hil­fe zur Steu­er­hin­ter­zie­hung durch Mit­ar­bei­ter in unter­schied­li­cher Stel­lung bei der A‑Bank mit Hil­fe der Bank einen Teil der Kun­den, die anonym Bar­geld und/oder Wert­pa­pie­re zu den Aus­lands­töch­tern der A‑Bank trans­fe­riert hat­ten, ent­tar­nen kön­nen. Das Finanz­amt bezif­fert die Zahl der ent­tarn­ten Kun­den unwi­der­spro­chen auf “etwa .…”. Bei die­sen Kun­den hat das STRAFA-FA fest­ge­stellt, dass es so gut wie kei­nen Kun­den gab, der die Kapi­tal­erträ­ge aus dem anonym trans­fe­rier­ten Ver­mö­gen in sei­ner Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung ange­ge­ben hat­te. Das Motiv für die Anony­mi­sie­rung der Trans­fers habe in der Absicht bestan­den, die Kapi­tal­ein­künf­te aus die­sem Ver­mö­gen nicht zu ver­steu­ern. Ledig­lich bei rund 6 % habe kei­ne Steu­er­ver­kür­zung fest­ge­stellt wer­den kön­nen. Bei etwa 94 % der iden­ti­fi­zier­ten Kun­den sei es nach die­sen — unstrei­ti­gen — Fest­stel­lun­gen tat­säch­lich zu einer Steu­er­hin­ter­zie­hung der Kapi­tal­ein­künf­te gekom­men, so Gie­se­ler.

Der Senat konn­te kei­ne ver­nünf­ti­gen Zwei­fel dar­an ent­de­cken, dass auch für die nicht ent­tarn­ten Kun­den, die Wert­pa­pie­re anonym ins Aus­land trans­fe­riert haben, eine Steu­er­schuld ent­stan­den ist und dass auch sie eine Steu­er­hin­ter­zie­hung began­gen haben. Die Ent­ste­hung der Steu­er­schuld und das Vor­lie­gen einer Steu­er­hin­ter­zie­hung durch die nicht ent­tarn­ten Wert­pa­pier­kun­den erach­te­te das Gericht für so wahr­schein­lich, dass kein ver­nünf­ti­ger, die Lebens­ver­hält­nis­se klar über­schau­en­der Mensch, Zwei­fel dar­an haben könn­te.

Die Recht­mä­ßig­keit des Haf­tungs­be­schei­des sei nicht ernst­lich zwei­fel­haft, soweit das Finanz­amt  den Antrag­stel­ler für die Zin­sen nach § 235 AO i.H. von Euro in Haf­tung genom­men hat. Der Teil­neh­mer einer Steu­er­hin­ter­zie­hung haf­te gem. § 71 AO auch für die Hin­ter­zie­hungs­zin­sen. Die Berech­nung der Hin­ter­zie­hungs­zin­sen im ange­foch­te­nen Haf­tungs­be­scheid sei schlüs­sig und wer­de vom Antrag­stel­ler auch nicht gerügt.

Das Finanz­ge­richt Düs­sel­dorf hat die Beschwer­de wegen grund­sätz­li­cher Bedeu­tung der Fra­ge zuge­las­sen, ob bei der Über­zeu­gungs­bil­dung vom Vor­lie­gen einer Steu­er­hin­ter­zie­hung durch unbe­kann­te Täter, zu der der in Haf­tung Genom­me­ne Bei­hil­fe geleis­tet hat, Fest­stel­lun­gen zu ande­ren Steu­er­hin­ter­zie­hun­gen berück­sich­tigt wer­den kön­nen, auf die sich der ange­foch­te­ne Haf­tungs­be­scheid nicht erstreckt.

Gie­se­ler emp­fahl allen Bank­mit­ar­bei­tern, die­se Ent­schei­dung zu beach­ten und in Zwei­fels­fäl­len Rechts­rat ein­zu­ho­len, wobei er u. a. auch auf die Unter­neh­mens­steu­er­recht und Steu­er­straf­recht spe­zia­li­sier­ten Anwäl­te und Steu­er­be­ra­ter in dem DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. — www.duv-verband.de —  ver­wies.

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