(Kiel) Das Finanz­ge­richt Müns­ter (FG) hat sich einem am 02.11.2009 ver­öf­fent­lich­ten Urteil ein wei­te­res Mal mit der steu­er­li­chen Aner­ken­nung eines häus­li­chen Arbeits­zim­mers befasst.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf das am 02.11.2009 ver­öf­fent­lich­te Urteil des Finanz­ge­richts Müns­ter vom 18. Juni 2009, Az.: 10 K 64508 E.

In dem Fall war strei­tig, ob die Klä­ger Auf­wen­dun­gen für ein Arbeits­zim­mer in voll­stän­di­ger Höhe als Wer­bungs­kos­ten von den Ein­nah­men aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung abzie­hen  kön­nen. Sie erziel­ten im Streit­jahr Ein­künf­te aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung aus der Ver­mie­tung von ins­ge­samt vier Miet­ob­jek­ten mit elf Woh­nun­gen und sechs Gara­gen (Klä­ger: € 7.307,00, Klä­ge­rin: € — 12.822,00). Dane­ben erziel­te der Klä­ger noch Ein­künf­te aus nicht­selb­stän­di­ger Arbeit durch Bezug einer Betriebs­ren­te (€ 30.549,00) und sons­ti­ge Ein­künf­te durch Bezug einer Leib­ren­te (€ 10.726,00). Die Klä­ge­rin erziel­te zudem Ein­künf­te aus Kapi­tal­ver­mö­gen (Zin­sen und Divi­den­de) in einer Höhe von € 661,00.

Aus­schließ­lich für Ver­wal­tungs­tä­tig­kei­ten im Zusam­men­hang mit der Ver­mie­tung nutz­ten die Klä­ger im Streit­zeit­raum ein Zim­mer im Kel­ler­ge­schoss ihres Wohn­hau­ses. Durch die Lage an einem Hang ist der Büro­raum über einen eige­nen Ein­gang vom Gar­ten her betret­bar. Zugleich besteht die Mög­lich­keit des Zugangs über das Trep­pen­haus, das die Klä­ger gemein­sam mit ihren im ers­ten Stock woh­nen­den Mie­tern benut­zen. Über das Büro sind die Toi­let­ten- und Sau­na­räu­me im Kel­ler­ge­schoss betret­bar.

In der Ein­kom­men­steu­er­erklä­rung für das Jahr 2006 bean­trag­ten die Klä­ger, Auf­wen­dun­gen für das Arbeits­zim­mer in Höhe von € 6.678,43 als Wer­bungs­kos­ten bei den Ein­künf­ten aus Ver­mie­tung und Ver­pach­tung zum Abzug zuzu­las­sen. Das Finanz­amt erkann­te indes nur Wer­bungs­kos­ten in einer Höhe von € 1.250,00 an, ver­teilt zu glei­chen Tei­len auf die vier Miet­ob­jek­te, woge­gen sie Kla­ge erho­ben.

Sie tra­gen vor, das Arbeits­zim­mer stel­le ihren Erwerbs­mit­tel­punkt dar. Der Klä­ger gehe nicht meh­re­ren Erwerbs­tä­tig­kei­ten nach, denn die Ein­künf­te aus nicht­selb­stän­di­ger Tätig­keit resul­tier­ten aus einer Betriebs­ren­te. Glei­ches gel­te für die Leib­ren­te. Die Ein­künf­te der Ehe­frau aus Kapi­tal­ver­mö­gen in Höhe von € 661,00 sei­en zu ver­nach­läs­si­gen. Hilfs­wei­se tra­gen sie vor, das Büro stel­le ein außer­häus­li­ches Arbeits­zim­mer dar, da es in einer ande­ren Eta­ge als die eigent­li­che Woh­nung der Klä­ger lie­ge und nur über den Ein­gang vom Gar­ten bzw. über das gemein­sam mit den Mie­tern genutz­te Trep­pen­haus betret­bar sei.

Mit die­ser Auf­fas­sung, so betont Pas­sau, hat­ten sie jedoch vor dem Finanz­ge­richt Müns­ter kei­nen Erfolg.

Auf­wen­dun­gen für ein Arbeits­zim­mer könn­ten grund­sätz­lich nur dann unbe­schränkt als Wer­bungs­kos­ten gemäß § 9 Abs. 1 EStG gel­tend gemacht wer­den, wenn es sich um ein außer­häus­li­ches Arbeits­zim­mer han­de­le. Auf­wen­dun­gen für ein häus­li­ches Arbeits­zim­mer könn­ten hin­ge­gen grund­sätz­lich gar nicht als Wer­bungs­kos­ten abge­setzt wer­den. Nur aus­nahms­wei­se könn­ten nach der im Streit­zeit­raum gel­ten­den Rechts­la­ge bis zu € 1.250,00 als Wer­bungs­kos­ten gel­tend gemacht wer­den, wenn die betrieb­li­che oder beruf­li­che Nut­zung des Arbeits­zim­mers mehr als 50 % der gesam­ten betrieb­li­chen oder beruf­li­chen Tätig­keit betra­ge oder wenn für die betrieb­li­che oder beruf­li­che Tätig­keit kein ande­rer Arbeits­platz zur Ver­fü­gung ste­he. Wol­le der Steu­er­pflich­ti­ge einen höhe­ren Betrag als Wer­bungs­kos­ten gel­tend machen, sei dies nur mög­lich, wenn das Arbeits­zim­mer den Mit­tel­punkt der gesam­ten betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung bil­de.

Das Büro der Klä­ger stel­le in die­sem Fall jedoch ein häus­li­ches und nicht ein außer­häus­li­ches Arbeits­zim­mer dar, da es in die häus­li­che Sphä­re der Klä­ger ein­ge­bun­den und für einen Publi­kums­ver­kehr nicht zugäng­lich sei. Ohne dass die Klä­ger Gäs­ten den Zutritt über ihren pri­va­ten Wohn- und Lebens­be­reich gestat­te­ten, könn­ten Frem­de das Arbeits­zim­mer nicht betre­ten.

Ein unbe­schränk­ter Wer­bungs­kos­ten­ab­zug — über die bereits aner­kann­ten € 1.250,00 hin­aus — sei auch nicht des­halb mög­lich, weil das Büro den Mit­tel­punkt der betrieb­li­chen und beruf­li­chen Betä­ti­gung dar­stel­le. Zwar stel­le die Ver­mie­tungs­tä­tig­keit die Haupt­tä­tig­keit der Klä­ger dar. Der Senat konn­te jedoch nicht fest­stel­len, dass der Mit­tel­punkt der Ver­mie­tungs­tä­tig­keit der Klä­ger sich in dem Arbeits­zim­mer befin­det, denn nur wenn alle die Berufs­aus­übung prä­gen­den Tätig­kei­ten im häus­li­chen Arbeits­zim­mer aus­ge­übt wer­den, kön­ne dort der Mit­tel­punkt im Sin­ne des § 4 Abs. 5 Satz 1 Nr. 6 b Satz 3  Halb­satz 2 EStG lie­gen. Eine ein­deu­ti­ge Zuord­nung schei­de ins­be­son­de­re bei Beru­fen aus, deren Auf­ga­ben­be­reich sich auf meh­re­re ver­gleich­bar gewich­ti­ge Tätig­kei­ten erstreckt, die teils im Arbeits­zim­mer und teils außer­häus­lich aus­ge­übt wer­den.

So lie­ge der Fall auch hier.

Bei einer Ver­mie­tungs­tä­tig­keit lie­ge der Mit­tel­punkt der beruf­li­chen Tätig­keit nicht im Arbeits­zim­mer. Neben der ver­wal­tungs­tech­ni­schen Abwick­lung der Ver­mie­tungs­tä­tig­keit, die in dem Arbeits­zim­mer erfolgt, müss­ten wesent­li­che und die Ver­mie­tungs­tä­tig­keit prä­gen­de Betä­ti­gun­gen außer­halb des Arbeits­zim­mers erfol­gen. Ins­be­son­de­re sei es aus­ge­schlos­sen, neue Mie­ter allein von dem Arbeits­zim­mer aus zu suchen. Wer neu­er Mie­ter wird, ent­schei­de sich auf­grund einer Besich­ti­gung der Mieträum­lich­kei­ten, auf die ins­be­son­de­re die Miet­par­tei erheb­li­chen Wert legen wird. Eben­so kön­ne eine Been­di­gung des Miet­ver­hält­nis­ses nicht allein vom Arbeits­zim­mer aus erfol­gen, weil die Woh­nung bei Aus­zug der Mie­ter abge­nom­men wer­den müs­se. Aber auch wäh­rend der Lauf­zeit der Miet­ver­hält­nis­se und selbst bei Leer­stand sei­en wie­der­hol­te Besu­che in den ver­schie­de­nen Miet­ob­jek­ten unab­ding­bar; ins­be­son­de­re müs­se sich ein Ver­mie­ter einen Über­blick über die erfor­der­li­chen Repa­ra­tu­ren und not­wen­di­gen Inves­ti­tio­nen ver­schaf­fen. Die Ent­schei­dung, ob und inwie­weit Auf­wen­dun­gen auf die Miet­ob­jek­te erfol­gen, erfolg­ten sodann vor Ort, nicht aber in dem Arbeits­zim­mer. Schließ­lich kön­ne es gege­be­nen­falls auch erfor­der­lich wer­den, Arbei­ten vor Ort zu über­wa­chen.

Pas­sau emp­fahl, das Urteil zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

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