(Kiel) Der XI. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat mit zwei Urtei­len vom 2. Juli 2014 — XI R 2210 und XI R 3910 — geklärt, dass die Rege­lung in § 12 Abs. 2 Nr. 10 des Umsatz­steu­er­ge­set­zes (UStG) zur Anwen­dung des ermä­ßig­ten Steu­er­sat­zes auf Per­so­nen­be­för­de­rungs­leis­tun­gen im Nah­ver­kehr mit Taxen grund­sätz­lich uni­ons­rechts­kon­form ist, obwohl ent­spre­chen­de Per­so­nen­be­för­de­rungs­leis­tun­gen mit Miet­wa­gen nicht von die­ser Ver­güns­ti­gung erfasst sind, son­dern nach § 12 Abs. 1 UStG dem Regel­steu­er­satz unter­lie­gen.

Im Ver­fah­ren XI R 3910 hat der BFH außer­dem ent­schie­den, dass die Rechts­la­ge anders zu beur­tei­len sein kann, wenn von einem Miet­wa­gen­un­ter­neh­mer durch­ge­führ­te Kran­ken­fahr­ten auf mit Groß­kun­den geschlos­se­nen Son­der­ver­ein­ba­run­gen beru­hen, die auch für Taxi­un­ter­neh­mer gel­ten.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 22.10.2014 zu den bei­den Urtei­len.

Es han­delt sich dabei um Nach­fol­ge­ent­schei­dun­gen zu einem Urteil des Gerichts­ho­fes der Euro­päi­schen Uni­on (EuGH) vom 27. Febru­ar 2014 in den ver­bun­de­nen Rechts­sa­chen C-454 — Pro Med Logis­tik GmbH — und C-455/12 — Eckard Pongratz -, den der Senat mit Beschlüs­sen vom 10. Juli 2012 XI R 2210 und XI R 3910 im Wege von Vor­ab­ent­schei­dungs­er­su­chen ange­ru­fen hat­te.

Im Ver­fah­ren XI R 2210 ging es um ein Unter­neh­men, das grund­sätz­lich die Anwen­dung des für Taxen gel­ten­den ermä­ßig­ten Steu­er­sat­zes auf Per­so­nen­be­för­de­rungs­leis­tun­gen im Nah­ver­kehr auch auf ent­spre­chen­de Miet­wa­gen­um­sät­ze begehr­te. Der BFH bestä­tig­te nun das kla­ge­ab­wei­sen­de Urteil der Vor­in­stanz unter Hin­weis dar­auf, dass die Beschrän­kung der Anwen­dung des ermä­ßig­ten Steu­er­sat­zes auf Per­so­nen­be­för­de­rungs­leis­tun­gen mit Taxen ent­spre­chend den Vor­ga­ben des EuGH den Richt­li­ni­en­be­stim­mun­gen ent­spricht und inso­weit auch kei­ne Ver­let­zung des Neu­tra­li­täts­ge­bots vor­liegt. Denn der natio­na­le Gesetz­ge­ber ist danach berech­tigt, die Per­so­nen­be­för­de­rung im Nah­ver­kehr per Taxi als öffent­li­che Dienst­leis­tung, die beson­de­ren Ver­pflich­tun­gen unter­liegt — u.a. Betriebs­pflicht, all­ge­mei­ne Beför­de­rungs­pflicht und Beach­tung fest­ge­leg­ter Beför­de­rungs­ent­gel­te — mit der Anwen­dung des ermä­ßig­ten Steu­er­sat­zes zu begüns­ti­gen.

Im Ver­fah­ren XI R 3910 hob der BFH das kla­ge­ab­wei­sen­de Urteil des Finanz­ge­richts (FG) auf und ver­wies die Sache zur ander­wei­ti­gen Ver­hand­lung und Ent­schei­dung an das FG zurück. Ent­spre­chend den Aus­füh­run­gen des EuGH in sei­nem Urteil vom 27. Febru­ar 2014 (Rz. 61 – 64) kön­ne die grund­sätz­lich auf­ge­wor­fe­ne Rechts­fra­ge anders zu beur­tei­len sein, wenn von einem Miet­wa­gen­un­ter­neh­mer durch­ge­führ­te Kran­ken­trans­por­te auf mit Kran­ken­kas­sen geschlos­se­nen Son­der­ver­ein­ba­run­gen beruh­ten, die glei­cher­ma­ßen für Taxi­un­ter­neh­mer gäl­ten. Denn in einem sol­chen Fall sei das Beför­de­rungs­ent­gelt in die­ser Ver­ein­ba­rung fest­ge­legt und es gebe auch kei­ne über die­sen Ver­trag hin­aus­ge­hen­de Beför­de­rungs- und Betriebs­pflicht. Da sich dem Sach­ver­halt bis­lang u.a. aber nicht ent­neh­men ließ, ob und in wel­chem Umfang die Klä­ge­rin ihre Leis­tun­gen im streit­be­fan­ge­nen Zeit­raum auf der Grund­la­ge eines der­ar­ti­gen Ver­tra­ges erbracht hat­te, muss das FG die ent­spre­chen­den tat­säch­li­chen Fest­stel­lun­gen nun im zwei­ten Rechts­gang nach­ho­len.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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