(Kiel) Der II. Senat des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) hat die Anfor­de­run­gen prä­zi­siert, unter denen eine mit­tel­ba­re Ände­rung des Gesell­schaf­ter­be­stan­des einer grund­stücks­be­sit­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft vor­liegt und damit Grund­er­werb­steu­er aus­lö­sen kann.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel, unter Hin­weis auf die Mit­tei­lung des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 10.09.2014 zu sei­nem Urteil vom 9. Juli 2014 — II R 4912.

Bei einer grund­stücks­be­sit­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft unter­liegt die Ände­rung ihres Gesell­schaf­ter­be­stan­des der Grund­er­werb­steu­er, wenn 95 % der Antei­le am Ver­mö­gen der Per­so­nen­ge­sell­schaft inner­halb von fünf Jah­ren unmit­tel­bar oder mit­tel­bar auf neue Gesell­schaf­ter über­ge­hen (§ 1 Abs. 2a des Grund­er­werb­steu­er­ge­set­zes).

Im Streit­fall erlang­te der Erwer­ber eines Anteils an einer grund­stücks­be­sit­zen­den Per­so­nen­ge­sell­schaft eine ver­mö­gens­mä­ßi­ge Betei­li­gung von 94,4 %. Gleich­zei­tig wur­de ihm hin­sicht­lich des Rest­an­teils von 5,6 %, der zivil­recht­lich beim Ver­äu­ße­rer ver­blei­ben soll­te, eine Kauf­op­ti­on mit fest ver­ein­bar­tem Kauf­preis ein­ge­räumt und die auf die­sen Anteil ent­fal­len­den zukünf­ti­gen Gewin­ne abge­tre­ten.

Das Finanz­amt (FA) sah hier­in einen teils unmit­tel­ba­ren (94,4 %), teils mit­tel­ba­ren (5,6 %), ins­ge­samt dem­nach voll­stän­di­gen Gesell­schaf­ter­wech­sel und setz­te gegen die Gesell­schaft Grund­er­werb­steu­er fest.

Der BFH hat die Rechts­auf­fas­sung des FA nun bestä­tigt. Hin­sicht­lich des zivil­recht­lich beim Ver­äu­ße­rer ver­blie­be­nen (Rest-)Anteils von 5,6 % habe sich der Gesell­schaf­ter­be­stand der Per­so­nen­ge­sell­schaft (mit­tel­bar) geän­dert, weil die­ser Anteil auf­grund der zwi­schen dem Ver­äu­ße­rer und Erwer­ber getrof­fe­nen Ver­ein­ba­run­gen in Anleh­nung an die Grund­sät­ze des § 39 Abs. 2 Nr. 1 der Abga­ben­ord­nung wirt­schaft­lich dem Erwer­ber zuzu­rech­nen sei. Die­ser sei unge­ach­tet des zivil­recht­lich beim Ver­äu­ße­rer ver­blie­be­nen Anteils als wirt­schaft­li­cher Eigen­tü­mer des­sel­ben anzu­se­hen. Auf­grund des Opti­ons­rechts sei dem Erwer­ber eine recht­lich geschütz­te, auf den Erwerb des Rest­an­teils gerich­te­te Rechts­po­si­ti­on ver­schafft wor­den. Da der Kauf­preis für die zukünf­ti­ge Über­nah­me des Rest­an­teils fest ver­ein­bart wor­den sei, sei­en auf den Erwer­ber alle Risi­ken und Chan­cen zukünf­ti­ger Wert­ver­än­de­rung und mit der Abtre­tung aller zukünf­ti­gen Gewin­ne auch alle mit dem Rest­an­teil ver­bun­de­nen wesent­li­chen Rech­te als Gesell­schaf­ter über­ge­gan­gen. Unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen kam dem beim Ver­äu­ße­rer ver­blie­be­nen Stimm­recht wirt­schaft­lich kei­ne Bedeu­tung mehr zu.

Pas­sau emp­fahl, dies zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band – www.duv-verband.de – ver­wies.

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Jörg Pas­sau
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