(Kiel) Der Bun­des­fi­nanz­hof (BFH) hat dem Gerichts­hof der Euro­päi­schen Gemein­schaf­ten (EuGH) die Fra­ge vor­ge­legt, ob die gewer­be­steu­er­li­che Hin­zu­rech­nung von Dar­le­hens­zin­sen mit der Richt­li­nie 2003/49/EG ver­ein­bar ist.

Dar­auf ver­weist der Kie­ler Steu­er­be­ra­ter Jörg Pas­sau, Vize­prä­si­dent und geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied des DUV Deut­scher Unter­neh­mens­steu­er Ver­band e. V. mit Sitz in Kiel,  unter Hin­weis auf den am 21.10.2009 ver­öf­fent­lich­ten Beschluss des Bun­des­fi­nanz­hofs (BFH) vom 27. Mai 2009, Az.: I R 3008

Klä­ge­rin in dem Ver­fah­ren ist eine in Deutsch­land ansäs­si­ge GmbH, deren allei­ni­ge Anteils­eig­ne­rin die S-B.V. (S) mit Sitz in den Nie­der­lan­den ist. Die­se gewähr­te der Klä­ge­rin mit elf weit­ge­hend gleich­lau­ten­den Ver­trä­gen, die in der Zeit zwi­schen dem 27. August 2003 und dem 1. Dezem­ber 2004 abge­schlos­sen wur­den, Dar­le­hen über ins­ge­samt 5.180.000 € zu einem Zins­satz von 5 %. Die Rück­zah­lung soll­te auf Abruf der S erfol­gen. Die Klä­ge­rin zahl­te im Streit­jahr 2004 Zin­sen hier­für in Höhe von 154.584 € an S.

Das Finanz­amt rech­ne­te hier­auf­hin im Gewer­be­steu­er­mess­be­scheid für das Streit­jahr unter Beru­fung auf § 8 Nr. 1 des Gewer­be­steu­er­ge­set­zes (GewStG 2002) die Hälf­te die­ses Zins­be­trags dem Gewinn aus Gewer­be­be­trieb hin­zu.

Dage­gen wand­te sich die Klä­ge­rin, da nach der vor­ge­nann­ten EU-Zins- und Lizenz­richt­li­nie 2003/49/EG grenz­über­schrei­ten­de Zins­zah­lun­gen zwi­schen Unter­neh­men, die durch eine Betei­li­gung von min­des­tens 25 % mit­ein­an­der ver­bun­den sind, am Sitz des zah­len­den Unter­neh­mens, also hier Deutsch­land, von der Steu­er befreit sind. Ein­spruch und Kla­ge dage­gen blie­ben jedoch erfolg­los.

Auf­grund der Revi­si­on der Klä­ge­rin hat der Bun­des­fi­nanz­hof nun den Euro­päi­schen Gerichts­hof  (EuGH) in Brüs­sel ange­ru­fen, betont Pas­sau.

Der BFH hält die Gemein­schafts­rechts­la­ge in den strit­ti­gen Punk­ten nicht für ein­deu­tig, ins­be­son­de­re für frag­lich, ob die in der EU-Richt­li­nie ange­ord­ne­te Steu­er­be­frei­ung auch die vol­le steu­er­li­che Abzugs­fä­hig­keit der Zin­sen beim zah­len­den Unter­neh­men gebie­tet.

Dem EuGH wur­den daher vom BFH fol­gen­de Rechts­fra­gen zur Vor­ab­ent­schei­dung vor­ge­legt:

1. Steht Art. 1 Abs. 1 der Richt­li­nie 2003/49/EG des Rates vom 3. Juni 2003 über eine gemein­sa­me Steu­er­re­ge­lung für Zah­lun­gen von Zin­sen und Lizenz­ge­büh­ren zwi­schen ver­bun­de­nen Unter­neh­men ver­schie­de­ner Mit­glied­staa­ten (ABlEU Nr. L 157, 49) –EU-Zins- und Lizenz­richt­li­nie (ZLR)– einer Rege­lung ent­ge­gen, wonach die von einem Unter­neh­men eines Mit­glied­staa­tes an ein ver­bun­de­nes Unter­neh­men eines ande­ren Mit­glied­staa­tes gezahl­ten Dar­le­hens­zin­sen bei dem erst­ge­nann­ten Unter­neh­men der Bemes­sungs­grund­la­ge für die Gewer­be­steu­er hin­zu­ge­rech­net wer­den?

2. Falls die ers­te Fra­ge bejaht wird: Ist Art. 1 Abs. 10 ZLR dahin aus­zu­le­gen, dass es den Mit­glied­staa­ten auch dann frei­steht, die Richt­li­nie nicht anzu­wen­den, wenn die in Art. 3 Buchst. b ZLR genann­ten Vor­aus­set­zun­gen für das Vor­lie­gen eines ver­bun­de­nen Unter­neh­mens zum Zeit­punkt der Zins­zah­lung noch nicht wäh­rend eines unun­ter­bro­che­nen Zeit­raums von min­des­tens zwei Jah­ren erfüllt waren? Kön­nen sich die Mit­glied­staa­ten in die­sem Fall gegen­über dem zah­len­den Unter­neh­men unmit­tel­bar auf Art. 1 Abs. 10 ZLR beru­fen?

Pas­sau emp­fahl, den Aus­gang zu beach­ten und ggfs. steu­er­li­chen Rat in Anspruch zu neh­men, wobei er dabei u. a. auf den DUV Deut­schen Unter­neh­mens­steu­er Ver­band — www.duv-verband.de — ver­wies.

Für Rück­fra­gen steht Ihnen zur Ver­fü­gung:

Jörg Pas­sau
Steu­er­be­ra­ter
DUV Vize­prä­si­dent und
geschäfts­füh­ren­des Vor­stands­mit­glied
Pas­sau, Nie­mey­er & Col­le­gen
Walk­er­damm 1
24103 Kiel
Tel:  0431 — 974 3010
Fax: 0431 — 974 3055
Email: info@duv-verband.de
www.duv-verband.de